24.01.2005 · Die Hypo-Vereinsbank braucht keine Kapitalerhöhung, versichert Vorstandssprecher Dieter Rampl immer wieder. Anleger und Analysten bezweifeln das.
Von Marcus TheurerDieter Rampl schien sich seiner Sache sicher. Nein, die Hypo-Vereinsbank (HVB) brauche keine Kapitalerhöhung beschwichtigte der Vorstandssprecher des zweitgrößten deutschen Geldhauses vor gut einem Jahr auf dem Neujahrsempfang seiner Bank Skeptiker. Und der Bankmanager ließ auch gleich noch erkennen, daß die HVB auf Brautschau sei und nach Fusionspartnern Ausschau halte.
Rampls Worte verfehlten ihre Wirkung nicht: Die HVB-Aktie zog kräftig an. Kaum einen Monat später, im Februar, folgte allerdings für seine Aktionäre das böse Erwachen. Die Großbank schockte die Börse mit der Ankündigung einer gewaltigen Kapitalerhöhung von mehr als 3 Milliarden Euro. Hohe Abschreibungen auf die HVB-Beteiligungen an Allianz und Münchener Rück machten sie nötig. Der Aktienkurs stürzte wegen der Gewinnverwässerung durch die Kapitalmaßnahme ab.
HVB-Aktie unter den Schlußlichtern
Déjà-vu an der Isar? "Eine Kapitalerhöhung ist nicht geplant", ließ Rampl am vergangenen Freitag einen Sprecher ausrichten. Zuvor hatte die HVB überraschend Wertberichtigungen von 2,5 Milliarden Euro auf ihre umfangreichen Altlasten aus Immobilienkrediten in Deutschland mitgeteilt. Die führen 2004 wie schon im Vorjahr zu einem hohen Verlust. Auf rund 1,9 Milliarden Euro taxiert Stuart Graham, Analyst bei der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch in London, den Fehlbetrag für das abgelaufene Geschäftsjahr. Der abermalige Verlust läßt die Eigenkapitalausstattung schon wieder auf ein bedenklich niedriges Niveau absacken.
Es sieht so aus, als habe am Wochenende so mancher leidgeprüfte Aktionär der Bayernbank in seinem Gedächtnis gekramt: Nach der Hiobsbotschaft hatte sich die HVB-Aktie am Freitag zunächst erstaunlich stabil gehalten. Am Montag brach der Kurs dann doch ein. Mit Kursverlusten von rund 3 Prozent auf 17,23 Euro zählte das Papier zu den Schlußlichtern im Deutschen Aktienindex.
Risikovorsorge soll sinken
Nach dem abermaligen Milliardenschnitt wächst die Kritik am Vorstand, der allzuoft in den vergangenen Jahren für böse Überraschungen gesorgt hat. "Die HVB hat ein Problem mit ihrem Risikomanagement", diagnostiziert Metehan Sen, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim in Frankfurt. Schon nach der letzten Kapitalerhöhung hatte Daueroptimist Rampl versichert, dies sei die letzte Grausamkeit im Sanierungsprozeß gewesen. Auf dem Weg ans Ziel sehe er keine weiteren Hürden mehr. "Die Anleger beginnen an der Glaubwürdigkeit des Managements zu zweifeln", warnt Sen. Dieter Ewald, Fondsmanager bei Frankfurt Trust, hat seine HVB-Aktien verkauft: "Mein Problem ist das Vertrauen", ärgert er sich. Die Bank habe zu oft gesagt, daß nun keine weiteren schlechten Nachrichten mehr folgten.
Der gescholtene Rampl will sich nun am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Statt den Aktionären eine Kapitalerhöhung zuzumuten, werde die Bank ihre Eigenmittel durch höhere Gewinne aus eigener Kraft wieder auf ein tragbares Niveau bringen, gibt er die Richtung vor. Befreit von den Mühlsteinen der Immobilienaltlasten soll die Risikovorsorge 2005 auf 1,3 Milliarden Euro sinken. Zum Vergleich: Für 2004 waren bislang 1,8 Milliarden Euro vorgesehen, zwei Drittel davon für das Deutschlandgeschäft. Nach Steuern will der HVB-Chef dieses Jahr die Eigenkapitalkosten verdienen.
Inlandsgeschäft bringt praktisch kein Geld ein
Das Selbsthilfe-Programm ist allerdings ziemlich anspruchsvoll. Die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers schätzt, daß die HVB für eine angemessene Eigenkapitalausstattung bis kommendes Jahr zusätzlich rund 2,9 Milliarden Euro braucht. Lehman-Analystin Anke Reingen bezweifelt, daß die Banker von der Isar diesen Kraftakt bewältigen. "Wir würden eine Kapitalerhöhung bevorzugen", kommentiert Reingen. Auch die einflußreiche Ratingagentur Standard & Poor's hält dies für die bessere Lösung. S&P hat bereits angekündigt, das bisherige HVB-Rating von A- zu überprüfen. Für Banken sind die Bonitätsnoten der Ratingagenturen von großer Bedeutung, weil eine Zurückstufung die Kosten der Refinanzierung am Kapitalmarkt verteuert und damit zu einem Wettbewerbsnachteil gegenüber der Konkurrenz führt.
Die von Rampl in Aussicht gestellten höheren Gewinne muß die HVB zu einem guten Teil in ihrem Inlandsgeschäft verdienen, das fast die Hälfte des Kapitals bindet, aber bisher praktisch kein Geld einbringt. Analysten loben, daß der HVB-Chef mit seinen Ende 2004 angekündigten Vorstands-Neubesetzungen Christine Licci (Privatkunden) und Johann Berger (Immobilien und Firmen) das Management der Problemsparte verstärkt habe. Ein Restrukturierungsprogramm, dem vor allem im Inland wohl noch einmal mindestens 2000 Stellen zum Opfer fallen werden, soll zudem für mehr Effizienz sorgen.
Immobilien bergen Risiken
Rampl weiß, daß sich mit Kostensenken allein die Probleme der HVB in Deutschland nicht lösen lassen. Schon heute ist seine Bank auf der Kostenseite im Vergleich zu Konkurrenten recht ordentlich aufgestellt. Doch die Erträge je Kunde sind deutlich niedriger als bei den Wettbewerbern. Will die Bank hier Boden gutmachen, muß sie sich auf dem überbesetzten Bankenmarkt in einem knallharten Verdrängungswettbewerb durchsetzen. Die Vermutung liegt nahe, daß dies nur schwer möglich sein wird, wenn die HVB nicht höhere Risiken einzugehen bereit ist. Die aber kann die Bank als allerletztes gebrauchen.
Skeptiker warnen unterdessen, daß selbst wenn Rampls Ertragsoffensive schnell greifen sollte, die Vergangenheit die HVB erneut einholen könnte. Sind wirklich alle Risiken durch die Wertberichtigung abgedeckt? Zwar hat die Bank jetzt Immobilienkredite im Volumen von 15 Milliarden Euro wertberichtigt und in einer neuen, von Berger geleiteten Restrukturierungs-Sparte gebündelt. Doch das Gesamtvolumen der deutschen Immobilienkredite lag Ende September bei 105 Milliarden Euro. Nun sind zwar die notleidenden Forderungen aussortiert, doch könnte eine weitere Verschlechterung des deutschen Immobilienmarkts für abermaligen Wertberichtigungsbedarf sorgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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