27.11.2006 · Josef Ackermann dürfte erleichtert und besorgt zugleich sein. Denn nach dem voraussichtlichen Ende des Mannesmann-Prozesses rückt die Strategie des Deutsche-Bank-Chefs wieder in den Vordergrund.
Josef Ackermann dürfte erleichtert und besorgt zugleich sein. Denn wenn der Vorsitzende Richter des Düsseldorfer Landgerichts Stefan Drees am Mittwoch voraussichtlich das Ende des Mannesmann-Prozesses verkündet und den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank gegen eine Geldauflage von 3,2 Millionen Euro juristisch reinwäscht, wird die Sicht frei auf die strategische Ausrichtung der Deutschen Bank.
Nicht mehr die ihm vorgeworfenen Versäumnisse bei einer Übernahmeschlacht vor nunmehr sechs Jahren oder die unglückliche "Victory"-Geste des ersten Mannesmann-Prozesses sind dann Themen der öffentlichen Debatte. Sondern eine Frage, die zeitweise verdeckte Spannungsfelder wieder ans Tageslicht rückt: Wie geht es weiter mit der Deutschen Bank?
Bislang wenig zu kritisieren
In den vergangenen Jahren hat der 58 Jahre alte Ackermann die Bank auf einen Kurs gebracht, der wenig Raum für Kritik ließ. Gemessen an seinen eigenen Zielen, hat er stets "geliefert", wie er selbst es formulieren würde. Er hat die Kosten auf ein international vertretbareres Niveau heruntergefahren, die versprochene Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreicht, und er ist dabei, die Einnahmequellen der Bank durch kleinere Zukäufe außerhalb des Investmentbankings zu verbreitern.
Die Enttäuschung des Kapitalmarkts darüber, daß Ackermann auf dem Investorentag im Oktober kein höheres Ziel für die Eigenkapitalrendite nannte, hielt sich nur kurz. Schließlich erkannten die Märkte recht bald, daß Ackermann mit dem absoluten Gewinnziel von 8,4 Milliarden Euro für 2008 - das zudem als das Minimum deklariert wurde - letztlich eine Eigenkapitalrendite von 27 Prozent in Aussicht gestellt und die Prognose somit de facto erhöht hat. Der Aktienkurs hat seither die Delle des Sommers überwunden und ist zuletzt auf den neuen Rekordstand von 103,3 Euro geklettert.
Investmentbanker sperren sich gegen Ackermanns Strategie
Dennoch drohen alte Spannungsfelder in der Bank wieder aufzureißen: Der ewige Kampf der Londoner Investmentbanker gegen die Frankfurter Traditionsbanker. Eine vor kurzem in einem Magazin lancierte Geschichte, die Ackermann offenbar mächtig verärgert hat, könnte in diese Richtung weisen: Darin wurde der mächtige Chef des globalen Wertpapierhandels, der Inder Anshu Jain, als Kronprinz präsentiert. Ein allzu großer Wahrheitsgehalt wird der Geschichte aber nicht beigemessen. Frankfurter Banker berichten zwar, Jain sei anders als noch vor einigen Jahren für den Job motivierbar, und Deutsch lernen könne er ziemlich schnell. Dennoch wäre ein Londoner Investmentbanker wie Jain als Chef der Deutschen Bank am Finanzplatz kaum durchsetzbar.
Was manchen Investmentbankern offenbar zunehmend aufstößt, ist die als kleinteilig empfundene Zukaufstrategie von Ackermann. Zwar hat letzterer in diesem Jahr durch Zukäufe im Ausland sowie den Erwerb der Berliner Bank und der Norisbank in Deutschland für 300 Millionen Euro an zusätzlichem Vorsteuergewinn bis 2008 gesorgt. Damit hat er auch die Ansprüche des Kapitalmarkts erfüllt, die Einnahmebasis zu verbreitern. Doch was manche in London offenbar vermissen, ist der "Transformational Deal", also ein Zusammengehen mit einer der ganz großen ausländischen Banken. Das aber hat Ackermann als Ziel stets verneint.
Nicht mehr Spitze bei Fusionen und Übernahmen
Das Problem aus dieser Sichtweise sind weniger die international niedrige Marktkapitalisierung von gut 50 Milliarden Euro oder das im Vergleich mit amerikanischen Banken geringere Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie. Sondern wohl mehr die Tatsache, daß die Bank im prestige- wie einnahmeträchtigen Geschäft mit Fusionen und Übernahmen wegen ihres dafür zu geringen Eigenkapitals nicht immer ganz vorne mitspielen kann.
Zweimal kam es dieses Jahr aus diesem Grund vor, daß die deutsche Bank bei der Vergabe von Übernahme-Krediten durch regulatorische Hürden ausgebremst wurde. Beispielsweise mußte die Bank bei der BOC-Übernahme durch den Industriegasehersteller Linde Morgan Stanley mit ins Boot holen. Andere Banken wie die Bank of America werben mit ihren riesigen Bilanzsummen, womit sie jeden "Deal" finanzieren können.
Der Kapitalmarkt scheint das freilich für einen Nebenkriegsschauplatz zu halten: "Wir haben nicht den Eindruck, daß das Geschäft von einer fehlenden finanziellen Kraft unmittelbar bedroht wird", schreibt Merrill-Lynch-Analyst Stuart Graham in einer Studie.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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