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Banken Commerzbank streicht 900 Stellen

31.05.2006 ·  Die Commerzbank baut weitere 900 Stellen ab: je zur Hälfte in der Informationstechnologie und im Kreditgeschäft, wie das Unternehmen in einem Schreiben an die Mitarbeiter mitteilte. Die wollen sich wehren.

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Nach der Übernahme des Immobilienfinanzierers Eurohypo will die Commerzbank bis Ende 2008 insgesamt 900 Stellen abbauen. Trotz eines Rekordergebnisses im ersten Quartal sollen 450 Mitarbeiter im Kreditgeschäft und noch einmal so viele im IT-Bereich in Deutschland wegfallen, wie Commerzbank-Vorstand Achim Kassow am Mittwoch in Frankfurt am Main erklärte.

Betriebsbedingte Kündigungen solle es aber nicht geben, versicherte ein Sprecher des Instituts. „Heute waren erste Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat.“ Details würden nun verhandelt. Bereits in den vergangenen fünf Jahren hat die Commerzbank mindestens 6700 Stellen gestrichen.

Die Arbeitnehmer kündigten Widerstand an. „Ich könnte mir vorstellen, daß die Mitarbeiter in ihrer Verärgerung und Enttäuschung einen Streik in Betracht ziehen“, sagte Daniel Hampel, Mitglied im Betriebsrat sowie im Aufsichtsrat der Bank. Ein sinnvoller Grund für den Stellenabbau sei nicht zu erkennen. Das Management habe den Arbeitnehmern erklärt, sie sollten auf Gehalt verzichten und so ihre Arbeitsplätze sichern, sagte Hampel. „Die Bank hat ihre Versprechen nicht gehalten.“

Wettbewerber können´s besser

Trotz der deutlichen Fortschritte arbeiteten Wettbewerber besser und kostengünstiger, begründete Kassow die neuen Einschnitte. „In unserem Privatkundengeschäft dauert die Bearbeitung eines Kredits bis zu 30 Stunden, bei anderen aber nur zehn Stunden.“ Nach wie vor produziere das Darlehensgeschäft zu teuer. „Die Kunden sind nicht bereit, uns umständliche und langwierige bürokratische Prozesse zu bezahlen“, erklärte Kassow in einem internen Schreiben. Die Bank habe in den Vertrieb investiert, nun müsse auch die Verwaltung günstiger werden. Die bisherigen Erfolge reichten nicht aus, um auf Dauer eigenständig zu bleiben.

Die Aktie reagierte auf die Ankündigungen nicht und notierte am späten Nachmittag im Einklang mit dem Gesamtmarkt um 0,7 Prozent fester bei 29,06 Euro.

Die Bank will die Bearbeitung aller Kredite für Privat- und Geschäftskunden nun auf die moderne und schnellere Plattform der Eurohypo zusammenlegen und so auch die Kundenberater von Verwaltungsaufgaben entlasten. So sollen beispielsweise bei der Depot-Erfassung Personalkosten mit der Auslagerung von Aufgaben an bankeigene Service-Gesellschaften und die Verlagerung in die Stützpunkte Singapur und Prag eingespart werden, wie das Unternehmen mitteilte. Um rund ein Fünftel sollen so innerhalb der nächsten zwei Jahre die Aufwendungen im Bereich IT und Transaktionen sinken.

Der letzte offene Punkt

Die Commerzbank hatte die Eurohypo Ende vergangenen Jahres für knapp 4,6 Milliarden Euro übernommen. Die Zusammenlegung der Kreditbearbeitungsplattformen war der letzte offene Punkt im Zusammenhang mit der Übernahme. Die Commerzbank hatte immer wieder betont die beiden Plattformen zusammenführen zu wollen, um dadurch Kosten zu sparen. Die Bank hatte bislang aber keine konkreten Ziele für den Stellenabbau genannt. Auch im IT-Bereich waren Stellenstreichungen angekündigt worden, ohne Details zu nennen.

Nach mehreren Jahren mit Milliardenverlusten hatte Vorstandschef Klaus-Peter Müller die Bank radikal umgebaut. Das Investmentbanking wurde zusammengestutzt und der Vorstand verjüngt. Der Lohn: Die Bank fuhr 2005 das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte ein und übertraf mit einer Eigenkapitalrendite von 12,4 Prozent ihre eigenen Ziele. In den nächsten Jahren will Müller den Abstand zu den internationalen Rivalen weiter verringern und noch profitabler werden.

Inländische Banken haben nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi in den Jahren 2000 bis 2004 rund 70.000 Arbeitsplätze gestrichen. Der Branchenprimus Deutsche Bank hatte vor gut einem Jahr einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, als er trotz eines Milliardengewinns den Abbau weiterer 6400 Stellen ankündigte.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, AP, dpa, Reuters
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