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Banken Commerzbank baut im Privatkundengeschäft keine Stellen ab

26.06.2005 ·  Vorstandsmitglied Kassow kündigt Investitionen in das PrivateBanking und in die Beratung von Freiberuflern an. Bei den Adig-Fonds dauern die Mittelabflüsse an.

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Die Lage der Bank ist alles andere als rosig: Die Konjunktur in Deutschland ist schwach, beim Marktanteil rangiert die Commerzbank seit je unter "ferner liefen", im Privatkundengeschäft ist das operative Ergebnis im ersten Quartal von 99 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 69 Millionen Euro gefallen. Doch Achim Kassow, der frischgebackene Chef dieses Geschäftsfelds, gibt sich gelassen. "Im Privatkundengeschäft ist kein Stellenabbau geplant", versichert der Bankmanager des Jahrgangs 1966. Die Commerzbank halte vielmehr daran fest, ihre Marktpräsenz sukzessive auszubauen, indem sie "antizyklisch" investiere. Damit stellt Kassow klar, daß seine Sparte von dem neuerlichen Personalabbau in der Bank, über den von Juli an mit dem Betriebsrat gesprochen wird, verschont bleibt.

Im November vergangenen Jahres hatte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller den Nachwuchsmanager aus der Führung der Tochtergesellschaft Comdirect in den Konzernvorstand geholt. Und obwohl Müller unlängst die Sorge geäußert hat, daß das laufende Jahr für den Konzern schwierig werde, hat Kassow offenbar den Freiraum erhalten, sein Geschäftsfeld langfristig zu entwickeln. Vor einem Jahr sei das Ergebnis der Sparte überdurchschnittlich hoch ausgefallen, weil seinerzeit die gute Börsenstimmung das Geschäft belebt habe, sagt er rückblickend. Deshalb seien die Ergebnisse in den folgenden Quartalen niedriger ausgefallen. Für die kommenden Quartale erwartet er daher nur eine Stabilisierung. Dies wären jeweils Ergebnisse von rund 70 Millionen Euro. Auf das Gesamtjahr gerechnet, kämen so rund 280 Millionen Euro zusammen, im Geschäftsjahr 2004 waren es 323 Millionen Euro gewesen.

Ist eine solche Perspektive für eine Großbank nicht ziemlich mager? Immerhin erwirtschafte sein Geschäftsfeld damit eine Eigenkapitalrendite von knapp 15 Prozent vor Steuern, entgegnet Kassow. "Und das trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus", fügt der rhetorisch gewandte Manager sofort hinzu. "Hätte das Zinsniveau 2004 statt bei 2 bei 4 Prozent gelegen, hätte unser operatives Ergebnis nach damaliger Rechnung nicht nur 384, sondern mehr als 500 Millionen Euro betragen."

Kassow verspricht keine Wunder: "Das Kundenverhalten entwickelt sich langsam, im Tempo tektonischer Plattenverschiebungen." Diese nüchterne Einschätzung prägt seine Strategie: Früher habe man versucht, erfolgreiche ausländische Konzepte wie das "Shop in shop"-Filialsystem zu kopieren und dadurch einen großen Sprung nach vorne zu tun. Aber solche Konzepte lassen sich nach Kassows Meinung kaum übertragen. "Mit unseren Stärken wuchern" lautet deshalb sein Motto. Rund 15 Millionen Euro sollen zum Beispiel in das Private Banking, das lukrative Geschäft mit vermögenden Kunden, fließen. Mit ihren gehobenen Ansprüchen fühle sich diese Klientel bei den Sparkassen oft nicht gut aufgehoben, meint Kassow. Das wolle man nutzen. Weitere Schwerpunkte des diesjährigen Investitionsprogramms von 50 Millionen Euro sind die gezielte Ansprache von Freiberuflern, die Verbesserung der Beratung für die Altersvorsorge und die Online-Tochtergesellschaft Comdirect.

In drei Jahren, hofft Kassow, sollen allein diese Initiativen die Erträge um 100 Millionen Euro steigern. Wenn es gleichzeitig gelinge, die Kosten stabil zu halten, könne man eine Steigerung des Gewinns von gut einem Drittel erreichen. Auch was die Kosteneffizienz anbelangt, setzt Kassow nicht auf den großen Befreiungsschlag, sondern auf viele kleine Schritte. So hat die Bank die Zahl der Versicherungstypen, die sie über ihre Filialen vertreibt, von 90 auf 10 verringert. Letztlich sei der Großteil der Abschlüsse ohnehin nur auf sechs Vertragstypen entfallen, sagt der Bankmanager. Die exklusive Vertriebspartnerschaft mit dem Versicherer AMB-Generali/Volksfürsorge laufe "insgesamt prima", merkt er an, verkneift sich aber nicht den Hinweis, daß Konkurrenz das Geschäft belebe.

Was wie eine Allerweltsfloskel klingt, ist innerhalb der Commerzbank von großer Brisanz. Und niemand bekommt das mehr zu spüren als Kassow, der seit April neben dem Privatkundengeschäft im Vorstand die Vermögensverwaltung verantwortet. Der Hintergrund: Seit einiger Zeit bieten die Commerzbank-Anlageberater der Kundschaft nicht länger Investmentfonds vorzugsweise aus dem eigenen Konzern an, sondern je nach Bedarf auch von Dritten. Für Deutschland ebenfalls bahnbrechend, haben Gutachter des TÜV der Commerzbank nach einschlägigen Tests eine "objektive Fondsauswahl" bescheinigt.

Einige Zahlen illustrieren, daß es sich dabei nicht um bloße Marketing-Gags handelt. So berichten Fachleute, daß Commerzbank-Berater zeitweilig nur 2 von 47 Fonds der Commerzbank-Fondstochtergesellschaft Adig zum Kauf empfohlen hätten, hingegen 20 zum Verkauf. Die Adig, die ihre Fonds bislang vor allem über die Commerzbank vertrieben hat, hat dies zu spüren bekommen: 2004 sind netto 2,6 Milliarden Euro an Mitteln abgeflossen, rund 10 Prozent ihres Gesamtvolumens. Auch in diesem Jahr werden sich die Abflüsse, wie Kassow bestätigt, fortsetzen.

"Ich bin fest überzeugt, daß private Banken ihren Kunden objektive Beratung garantieren müssen", zeigt sich Kassow kompromißlos. Aber mindert diese Strategie nicht letztlich den Wert der Adig und geht damit zu Lasten der Commerzbank-Aktionäre? Kassow räumt ein, daß sich die Adig in einem "schmerzvollen Transformationsprozeß" befinde. Sie müsse sich neue Vertriebswege erschließen, stärker als bisher ein Markenprofil entwickeln und ihre erstklassigen Fonds, von denen sie mehr habe als zum Beispiel die Konkurrenten Activest und Deka, besser herausstellen.

Durch die Gesamtverantwortung für Privatkundengeschäft und Asset Management müsse er diesen konzerninternen Konflikt mit sich selbst ausmachen, sagt Kassow. In einem ist er sich allerdings sicher: Was objektive Kundenberatung anbelangt, rangiere die Commerzbank nicht unter "ferner liefen", sondern sei ihrer Konkurrenz voraus. (du./bf.)

Quelle: F.A.Z., 27.06.2005, Nr. 146 / Seite 16
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