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Banken Commerzbank als nächster Dominostein Aktie profitiert von Übernahmegerüchten/"Kein Sanierungsfall mehr"

30.05.2005 ·  Die Fusionsverhandlungen zwischen der Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) und der italienischen Unicredito haben auch die Aktie der Commerzbank beflügelt. Der Grund: An der Börse wird spekuliert, daß nach der HVB als nächster "Dominostein" auch die Commerzbank übernommen werden könnte.

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Die Fusionsverhandlungen zwischen der Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) und der italienischen Unicredito haben auch die Aktie der Commerzbank beflügelt. In den vergangenen vier Börsentagen ist das Papier um gut 10 Prozent - von etwas mehr als 16 auf annähernd 18 Euro - nach oben gesprungen. Der Grund: An der Börse wird spekuliert, daß nach der HVB als nächster "Dominostein" auch die Commerzbank übernommen werden könnte. Diesen Spekulationen zufolge sind mehrere europäische Großbanken an der Commerzbank interessiert, darunter die französischen Häuser BNP Paribas und Societe Generale sowie die britische Royal Bank of Scotland. Vor allem aber auch der Deutschen Bank wird Interesse an dem kleineren Mitbewerber nachgesagt. Weder Deutsche Bank noch Commerzbank wollten zu den Marktspekulationen Stellung nehmen.

Die Commerzbank, die nach Deutscher Bank und HVB das drittgrößte private Geldinstitut in Deutschland ist, gilt schon seit längerem als mögliches Ziel von Fusionen oder Übernahmen. Im Spätsommer 2001 hat die Commerzbank sogar mit der Unicredito über einen Zusammenschluß verhandelt. Klaus-Peter Müller, der damals gerade die Führung der Commerzbank übernommen hatte, wollte damals einen paneuropäischen Bankkonzern schmieden - eine Idee, der er weiterhin viel Positives abgewinnt. Doch brach Unicredito die Gespräche ab, weil die Unicredito-Aktie in den Keller fiel. Darin kam zum Ausdruck, daß die Börse die Commerzbank für einen Sanierungsfall hielt - was sich in den folgenden Jahren als richtig herausstellen sollte. Seither wurde immer wieder spekuliert, daß Commerzbank und HVB zusammengehen könnten. Tatsächlich kam es zu Gesprächen, die freilich ebenfalls zu nichts führten - wegen der Schwäche der HVB.

Sollte die HVB an einen ausländischen Wettbewerber gehen, nehme der Druck auf die Deutsche Bank zu, die Commerzbank zu übernehmen, meint Metehan Sen, Bankanalyst bei Sal. Oppenheim. Denn andernfalls könnte sich eine andere starke ausländische Bank die Commerzbank "schnappen" - was die Wettbewerbslage der Deutschen Bank auf ihrem Heimatmarkt erschweren würde. Davon abgesehen, sei die Commerzbank kein Sanierungsfall mehr, vielmehr inzwischen gut aufgestellt, betont der Bankenfachmann, der die Commerzbank-Aktie mit Kursziel 21 Euro zum Kauf empfiehlt.

"Mittelfristig kann die Commerzbank eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 10 Prozent erwirtschaften", sagt Sen. Sollte sich die Deutsche Bank die Commerzbank einverleiben, könnten beide Häuser zudem Kostensynergien heben. Darüber hinaus sei die Commerzbank-Tochtergesellschaft Comdirect attraktiv, zumal sie über überschüssiges Kapital in dreistelliger Millionenhöhe verfüge. Diesen Überlegungen steht freilich gegenüber, daß sich die Kosten bei einer deutsch-deutschen Transaktion wohl nur durch erheblichen Abbau von Personal drücken lassen dürften. Angesichts der scharfen öffentlichen Kritik, der sich die Führung der Deutschen Bank ausgesetzt sieht, ist aber fraglich, ob die Bank diesen Weg zu gehen bereit wäre. (bf.)

Quelle: F.A.Z., 31.05.2005, Nr. 123 / Seite 14
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