Der Übernahmepoker zwischen Unicredito und Hypo-Vereinsbank (HVB) betrifft indirekt auch die beiden größten deutschen Versicherungskonzerne Allianz und Münchener Rück. Die Allianz unterhält über ihre italienische Tochtergesellschaft RAS derzeit jenseits der Alpen eine wichtige Vertriebskooperation. Diese ist mit einer Beteiligung der Allianz von 4,9 Prozent an Unicredito unterlegt. Die Münchener Rück wiederum ist mit mehr als 18 Prozent größter HVB-Aktionär und mit ihrer Erstversicherungssparte Ergo ein direkter Konkurrent der Allianz.
Immer wieder waren deshalb in den vergangenen Tagen Spekulationen aufgekommen, die Ergo könnte im Falle einer Fusion die Allianz als Versicherungspartner der Unicredito ablösen. Für die bislang ergebnisschwache Ergo wäre dies bei ihren seit langem propagierten Wachstumsplänen im Ausland ein großer Fortschritt. Doch die Chancen des Versicherers, bei Unicredito im mittelfristig großen Stil zum Zuge zu kommen, erscheinen schlecht: Wie dieser Zeitung in der Allianz bestätigt wurde, ist die Kooperationsvereinbarung mit Unicredito erst vor kurzem verlängert worden. Sie bleibe in jedem Fall gültig, heißt es. Allianz-Manager lassen auch nicht erkennen, daß die Kapitalbeteiligung an Unicredito abgebaut werden soll.
Auch Unicredito selbst dürfte kaum an einem Wechsel von der Allianz zu Ergo interessiert sein. Die Bank vermittelte für die RAS im Jahr 2004 ein Neugeschäft von 4,3 Milliarden Euro. Ein Wechsel würde für Unicredito deshalb zu erheblichen Umsatzeinbußen führen. In Italien ist der Verkauf von Versicherungspolicen über die Bankfilialen weitaus populärer als in Deutschland. Ergo ist in Italien dagegen bislang kaum vertreten. (theu.)
