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Bahnvorstand Kefer im Interview : „Die Infrastruktur ist nicht nachhaltig finanziert“

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Problemzone Stuttgart 21: Kosten- und Terminstabilität von Großprojekten lässt zu wünschen übrig Bild: dpa

Der Bahnmanager Volker Kefer warnt vor einer heiklen Finanzlage: Die Investitionen ins eigene Netz verschlingen Millionen. Hinzu kommt, dass der Schienengüterverkehr unter der schwachen Konjunktur leidet.

          Herr Kefer, die Deutsche Bahn glänzt seit Jahren mit Milliardengewinnen. Die Infrastruktursparte trägt dazu erheblich bei. In einem Brandbrief konfrontieren Sie jetzt Ihre Mitarbeiter mit einer ernüchternden Bestandsaufnahme. Es ist die Rede von „signifikanten Planungsabweichungen, die eine nachhaltige Geschäftsentwicklung verhindern“. Ist die Finanzierung des Netzes in Gefahr?

          Die zurückliegenden Jahre waren sehr erfolgreich. 2006 standen in der Bilanz der Infrastruktur noch rote Zahlen. Seitdem ist viel geschehen. Das Netz leistet inzwischen einen ordentlichen Beitrag zum Bahn-Gewinn, dafür müssen wir uns fast verteidigen. Unterm Strich ist die Infrastruktur dennoch nicht nachhaltig finanziert. In unserer jüngsten Planungsrunde für die Zeit bis 2016 sind Themen zur Sprache gekommen, die mir Sorgen bereiten. Wenn wir nicht aufpassen, setzen wir das Geschäftsmodell der Infrastruktur aufs Spiel. Deshalb müssen wir jetzt gegensteuern und dürfen nicht abwarten, sonst geraten wir in eine Abwärtsspirale, und dann wäre es zu spät.

          Wie könnte die entstehen?

          Dazu muss ich etwas ausholen: In der Infrastruktur steckt sehr viel Kapital, im Moment 22 Milliarden Euro an Eigenmitteln der Deutschen Bahn und aufgenommenen Fremdmitteln. Dabei sind die Bundesmittel nicht mitgerechnet. Wenn die Investitionen und damit die Verschuldung weiter ansteigen, müssen wir noch deutlich mehr verdienen. Und genau danach sieht es nach den neuesten Planungen nicht mehr aus. Hier müssen wir gegensteuern. Dazu prüfen wir Möglichkeiten. Ein Projektteam wird bis zum Frühjahr Konzepte erarbeiten.

          Wie viel investiert die Bahn derzeit an Eigenmitteln ins Netz?

          Rund eine Milliarde Euro im Jahr.

          Aber wenn die Bahn kein Geld mehr in das Netz steckt, häufen sich die Betriebsstörungen ...

          Es soll ja nicht weniger Geld ins Netz gesteckt werden. Wir müssen nur aufpassen, dass uns die Verschuldung nicht wegläuft. Sonst sind wir nicht wirtschaftlich und müssten damit auch weniger Eigenmittel ins Netz investieren.

          Werden Sie auf Projekte verzichten?

          Nein, ganz eindeutig nicht. Aber wir müssen den Mitteleinsatz optimieren.

          Mit dem Bund verhandeln Sie gerade über die Mittel für die Erhaltung des bestehenden Netzes. Nach der aktuellen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV), die bis Ende 2013 läuft, zahlt der Bund 2,5 Milliarden Euro jährlich, 500 Millionen schießt die Bahn dazu. Reicht Ihnen das noch?

          Wir brauchen mehr Geld. Wir gehen bei der Lücke von einem dreistelligen Millionenbetrag aus. Klar ist doch: Die Investitionen in das bestehende Netz kosten viel Geld. Das kommt entweder vom Bund oder von der Kundschaft. Wenn es am Geld fehlt - und wir zum Beispiel eine Weiche nicht austauschen können, wenn ihre Lebensdauer abgelaufen ist, sondern sie länger nutzen müssen - schießen uns die Instandhaltungsaufwendungen nach oben. Dadurch geht das Ergebnis dann nach unten. Insgesamt macht uns der steigende Instandhaltungsbedarf Sorgen. Wir schätzen ihn (etwa für Brücken) jährlich aufsteigend auf bis zu rund 190 Millionen Euro, die noch nicht eingeplant sind.

          Welches Risiko bergen Großprojekte wie Stuttgart 21?

          Die Kosten- und Terminstabilität bei Großprojekten ist zum Teil unbefriedigend. Das muss besser werden, denn auch das führt zu einem steigenden Bedarf an Eigenmitteln. Und zu Stuttgart 21 kann ich nur sagen: Hier haben wir in den vergangenen eineinhalb Jahren in Sachen Kosten und Termine sehr viel aufgearbeitet. Darüber werden wir Mitte Dezember den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn informieren.

          Volker Kefer

          Mittlerweile bedroht auch die sich abschwächende Konjunktur das Ergebnis der Infrastruktursparte?

          Ja, vor allem im Schienengüterverkehr bleibt die Nachfrage hinter den Planungen zurück. Planerisch drohen uns Gewinneinbußen von rund 100 Millionen Euro bis 2016.

          Und wie negativ wird sich die Regulierung der Trassenpreise durch die Bundesnetzagentur, die gerade verschärft wird, auf Ihr Ergebnis auswirken?

          Bisher haben wir keine Ergebniseinbußen infolge der Regulierung durch die Netzagentur eingeplant, weil wir davon ausgehen, dass unsere Trassenpreise angemessen sind. Sollte die Netzagentur uns aber zu Preissenkungen zwingen, stünde weniger Geld, zum Beispiel für Investitionen in das Netz, zur Verfügung.

          In Ihrem Brandbrief sprechen Sie außerdem von „Defiziten in der Unternehmenskultur“. Was werfen Sie Ihren Mitarbeitern vor?

          Ich bin weit davon entfernt, den Mitarbeitern etwas vorzuwerfen. Jedoch möchte ich vorbeugen, da die Gefahr besteht, dass man nur an den eigenen Bereich denkt, wenn das gesamte System unter Druck gerät. Ein solches Silo-Denken würde nicht weiterhelfen. Alle Unternehmen der Infrastruktur - Netz, Station & Service, Energie und Projektbau - müssen unbedingt eng und effizient zusammenarbeiten. Sonst gelingt die Gefahrenabwehr nicht.

          Drohen der Infrastruktursparte bald wieder Verluste?

          Nein. Davon sind wir Meilen entfernt.

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