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Flugzeugentwicklung : Bombardier streicht in Deutschland jede zehnte Stelle

  • Aktualisiert am

Jungfernflug des Bombardier-Flugzeugs CS300 in Quebec. Bild: AP

Der Bahn-Konzern streicht weltweit etwa 7000 Stellen. Grund ist die Entwicklung eines Flugzeugs, die die Kanadier mehr kostete als sie stemmen konnten.

          Der kanadische Flugzeug- und Zug-Produzent Bombardier streicht nach neuen Verlusten allein in Deutschland über 1400 Stellen und so etwa jeden siebten Arbeitsplatz. Weltweit sollen in den nächsten zwei Jahren rund 7000 und damit etwa zehn Prozent der Stellen wegfallen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Montreal mitteilte. Der weltweite Sitz der Bahn-Sparte ist in Berlin. In Deutschland hat das Unternehmen über 9000 Beschäftigte. Der Chef der Transportsparte, Laurent Troger, sagte, es werde aber kein Werk komplett geschlossen. Rund die Hälfte der Stellen, die gestrichen werden sollen, ist zudem von Leiharbeitern besetzt. Bombardier hat große Werke etwa in Hennigsdorf bei Berlin und im sächsischen Görlitz. Unter anderem ist die Firma an der Entwicklung und Produktion des ICE-4 für die Deutsche Bahn beteiligt, der ab 2017 fahren soll.

          Bombardier erklärte in Montreal, der Konzern insgesamt müsse wieder wettbewerbsfähiger werden. Im Schlussquartal 2015 brach der Umsatz um knapp 16 Prozent auf rund fünf Milliarden Dollar ein. Der Verlust wurde zumindest deutlich reduziert. Für dieses Jahr prognostiziert der Siemens - und Airbus -Rivale einen Umsatz von 16,5 bis 17,5 Milliarden Dollar. 2015 waren es 18,2 Milliarden Dollar. Der Betriebsgewinn soll sich dieses Jahr auf 200 bis 400 Millionen Dollar belaufen - vergleichsweise wenig für Unternehmen dieser Größenordnung.

          Hoffnung setzt das Management in die neuen Flugzeuge der C-Serie. Air Canada unterzeichnete am Mittwoch eine Absichtserklärung zum Kauf von bis zu 75 Jets vom Typ CS300. Diese sind zu Listenpreisen rund 3,8 Milliarden Dollar wert. Sie sollen von 2019 an ausgeliefert werden.

          Verpatzte Flugzeugentwicklung traf Konzern hart

          Die Entwicklung des Flugzeugs hatte sich erheblich verzögert und wurde deutlich teurer als geplant. Bombardier musste deswegen in Kanada staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Mit der C-Serie will das Unternehmen Boeing und Airbus im lukrativen, aber hart umkämpften Geschäft mit Flugzeugen ab 100 Sitzen Konkurrenz machen.

          Angesichts der Probleme der Flugzeugsparte hatte Bombardier erwogen, einen Minderheitsanteil seines Bahn-Geschäfts über die Börse in Deutschland zu verkaufen. Nach dem Einstieg des kanadischen Staatsfonds Caisse de Depot wurden diese Pläne aber fallengelassen.

          Troger, Chef der Bahn-Sparte, kündigte in Berlin an, er wollte mit seinem Geschäft in diesem Jahr 8,5 Milliarden Dollar umsetzen. Davon sollten sechs Prozent als Gewinn vor Steuern und Zinszahlungen bleiben. Damit würde die Profitabilität der Sparte gesteigert. Dafür müssten weltweit im Bahn-Geschäft aber 3200 Stellen gestrichen werden, davon wiederum 1430 in Deutschland. Hier habe man in den vergangenen Jahren auch die meisten Jobs neu geschaffen. Der Markt im Bahn-Geschäft sei aber immer schwerer einzuschätzen, so dass man darauf reagieren müsste. Die Deutsche Bahn, der größte Kunde der Branche in Europa, hatte sich zuletzt einen harten Sparkurs verordnet. Der Konzern streicht Investitionen und ebenfalls Tausende Stellen.

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