10.02.2009 · In der Datenaffäre prasselt es heftig auf Hartmut Mehdorn ein. Bespitzeln, das klingt nach Erforschung des Intimlebens und ganz schwer nach Stasi. Jetzt fordern alle Mehdorns Rücktritt. Dabei muss doch einmal gefragt werden: Was ist wirklich geschehen?
Von Christian SiedenbiedelRichtlinien für Lesermeinungen
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Erst wirkt "die Politik" auf "die Wirtschaft" ein, dann zetert sie. Typisch.
Gratulation, zu diesem mutigen und sehr gut recherchierten Artikel. Für die Sanierung der Bahn und den Umbau zu einem international hoch geschätzten Logistikkonzern verdient Herr Mehdorn den allergrößten Respekt. Leider wird nur ein Bruchteil der Bevölkerung dies jemals begreifen. Das ausgerechnet ein Manager, der dafür gesorgt hat, dass die Deutsche Bahn als eines der ersten deutschen Großunternehmen wirklich konsequent gegen die Korruption im eigenen Haus vorgeht, nun ausgerechnet über dieses Thema stolpert, ist besonders bitter.
Wie kann man am 10. Februar einen solchen Kommentar veröffentlichen, wenn bereits zum Ende der vorigen Woche es die sprichwörtlichen Spatzen von den Dächern gepffiffen haben, dass die DB AG weit über den bekannten Rahmen hinaus, seine eigenen Mitarbeiter überprüft hat. Wem ist mit solch einer Hagiographie und Entschuldigungslitanei gedient, die sich selbst ad absurdum führt? Dem Ruf der FAZ sicher nicht! Selbst wenn es bei dem geblieben wäre, was zwischen Mai 2008 (!) und der 1. Febr.woche 2009 allmählich bekannt geworden ist, kann man die DB-Aktivitäten nicht als zeitgemässe und angemessene Korruptionsbekämpfung interpretieren. Die primitiven Massenabgleichsraids widersprechen allen Ratschlägen einschlägiger Experten. Sie sind sogar kontraproduktiv, weil sie zu dem zentralen Anliegen der Prävention überhaupt nichts beitragen. Die Belegschaft ist in solche Konzepte permanent einzubinden, statt bei ihr den Eindruck des andauernden Misstrauens zu erwecken - nach dem Motto: "Ihr seid doch alle potentielle Verbrecher!" Hinter den ökonomischen "Erfolgszahlen" sind Fragezeichen zu setzen. Sie sind erreicht worden auf Kosten von Belegschaft, vielen Kunden, Sicherheit und Infrastrukur der DB.
Er hat's halt nicht leicht - aber das ist so bei dem Job
Ich glaube, da kann man nur einer der unbeliebtesten Leute Deutschlands sein; er hat sich das aber selbst rausgesucht. Hartmut Mehdorn sagte einstmals in einem Interview im Stern: "Wenn in Wanne-Eickel auf dem Damenklo der Wasserhahn tropft, dann steht in der Zeitung: Der Mehdorn hat die Bahn nicht im Griff." Irgendwie ist da halt auch was dran - es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über die Bahn gemeckert wird. Man muss aber auch sehen: Die Politik hat diese Bahn gewollt und Mehdorn setzt seinen Auftrag (mach die Bahn mal ins Plus!) sehr gut um (noch 1993 hatte die Deutsche Bundesbahn etwa 7,9 Milliarden Euro Verlust im Jahr - heute sind wir bei 2 Milliarden Euro Gewinn); das darf man also nicht aus dem Auge lassen. Dass dabei eben auch mal ein Wasserhahn tropft, die Versorgung suboptimal ist (Zweistundentakt; Anschlüsse; ...), das ist die Kehrseite der Medaille.
Die Kritik muss sich noch verstärken - bitte nicht mit Hatz verwechseln
Das Ursache-Wirkungs-Prinzip kann man nicht auf den Kopf stellen. Es geht um die Sache, sie ist aber eng mit Herrn Mehdorn und seinem allgegenwärtigen Feindbild verknüpft. Stammt dieser sachfremde Artikel aus der Public Relations - Abteilung der Bahn ? Die Fakten sprechen eine andere Sprache.
was bitte hat das mit Hatz gegen H. Mehdorn zu tun, wenn er die Welt belügt? Er hat öffentlich gesagt, er habe von allem nichts gewusst. (2003-2004). 2 Tage später wird er überführt durch die CDU, dass es 2005 noch viel größere Überprüfungen gab? H. Mehdorn ist ein notorischer Lügner, der immer nur dann Stellung nimmt, wenn`s brennt. Im übrigen scheint die FAZ vergessen zu haben, das Achsenproblem. H. Mehdorn hat, für mich jedenfalls, da aus der durch ihn sebst beschuldigten Wirtschaft keine Erklärung erfolgte, billige Achsen im ICE einbauen lassen, um Geld zu sparen, um seinen Wahn vom Börsengang zu erreichen. Er hat somit Reisende und Zugpersonal in Lebensgefahr gebracht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FAZ davon keine Kenntniss hat. Warum wird das in dem Beitrag mit keinem Wort erwähnt? Haben denn alle Menschen sich das aus den Fingern gesogen, warum man auf den Bahnchef so sauer ist? Im übrigen gehe ich als Laie davon aus, dass da noch ganz schlimme Dinge ans Tageslicht kommen werden über den H. Mehdorn.
"Was ist wirklich geschehen? Bis jetzt nichts, was die Provozierung des Volkszorns rechtfertigte. Die FAZ hat die Adressen und Kontonummern von Redakteuren mit denen von Referenzpersonen/-Unternehmen verglichen. So wollte die FAZ herausfinden, ob Redakteure Geld für offensichtliche Lobhudeleien in der FAZ aufs eigene Konto überwiesen kriegen. Na und?" Korruptionsbekämpfung gut und schön. aber zu denken, dass jeder Mitarbeiter inerhalb und unterhalb des ausgedünnten mittleren Managements mit der Vergabe von Millionengaufträgen zu tun ist schlicht falsch. Die Verhältnismäßigkeit stimmt eben nicht. Da ist mir der Big Brother auf jeden Fall lieber als die vielen Little sisters.
Erforschung des Intimlebens, Stasi... Es wird ein Mann gegeißelt, weil er "nur" 200000 Mitarbeiter ausspäht und überprüft. Was ist mit den 80 Millionen Menschen, deren Konten jederzeit vom Staat eingesehen werden können. Und dazu braucht es nicht mal einen trifftigen Grund. Berichten zufolge 100000 mal im Jahr. Was im Großen gut ist, das kann doch im Kleinen nicht schlechter sein. In keinem Artikel steht, dass ein Politiker, der jetzt nach einem Rücktritt Mehdorns ruft, nach einer Abschaffung dieses Gesetzes ruft (dem er mit großer Wahrscheinlichkeit selber zugestimmt hat) oder gar selber zurücktreten möchte... So bräuchte Mehdorn jedem, der auf ihn zeigt nur einen Spiegel vorhalten und es trifft keinen Falschen.
Wenig erhellender Artikel über Herrn Herrn Mehrdorn ....
Dieser Artikel dient nicht der sachlichen Aufklärung, er bagatellisiert. Kein Unternehmen kann gegen die Mitarbeiter/innen geführt werden. Ergebnisqualitiät wird durch Arbeitszufriedenheit erreicht. Die Spähaktionen sind Fehlgriffe, sie reihen sich in allzu viele nicht richtige Entscheidungen ein, die der Bahn schwer geschadet haben, was den Unternehmenswert nach unten zog. Die Konfliktlösung in Form kläglicher Erklärungsversuche, die scheibchenweise präsentiert wurden - je nach Druck und Erfordernis - sprechen ebenfalls nicht für Herrn Mehdorn. Das Festhalten in dieser Funktion geschieht aus billigen politischen Erwägungen, nicht aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten, denen nur durch eine Entlassung von Herrn Mehdorn entsprochen werden kann.
1. Die Bahn ist absolut kundenunfreundlich: Dauernd zu spät, exorbitante Schlangen an den Schaltern und "Infopoints" und das alles für irre teures Geld. Siehe hierzu auch den Beitrag von Markus Baum (wurzelwerker). 2. Korruption aufdecken zu wollen, ist schön und gut, aber 220.000 Personen abgleichen? Sind die alle überhaupt in der Position, um mit Lieferanten Geschäfte zu machen? 3. Der berechtigten Forderung der Lokführer nach angemessenem Lohn sofort mit der Dann-werden-die-Fahrkarten-teurer-Keule beikommen zu wollen, ist schlechter Stil. 4. "Bedienzuschlag" wäre ja nicht so schlimm, wenn Fahrkartenkauf im Internet oder am Automat wenigstens unkompliziert wäre - ist es aber nicht! 5. An allen negativen Ereignissen ist letztlich Tiefensee Schuld? Hmm, klingt zu einfach. 6. Die Bahn ist kein Unternehmen wie jedes andere, weil der "Kunde" keine Alternativen hat! 7. Mehdorn wird für seinen "Höllenjob" mehr als angemessen entlohnt. Fazit: So toll ist Mehdorn dann doch nicht, mein Mitleid für ihn hält sich in Grenzen.
für diesen glänzend recherchierten / analysierenden Beitrag. >>> Manche - nein: viele wollen eben in Wirklichkeit ihre gute alte Staatsbahn zurückhaben und ein bisschen Sozialismus spielen - oder doch zumindest: Modelleisenbahn für Politiker, im Maßstab 1:1. Für's Bezahlen gibt es ja schließlich immer noch den Bundesfinanzminister!
das Problem des Hartmut Mehdorn ist Herr Tiefensee
auch Herr Mehdorn hat einen Chef, in Person des Ministers Tiefensee, der sowohl im Lokführerstreik in die Büsche verschwand, als auch die jetzige Situation durch Nichthandeln mitverschuldete. Was ist das für eine Aufsicht, die die Strategien und die Endscheidungen eines Vorstandes entweder nicht kennt, oder so tut als ob. Die Parteien glauben ohnehin inzwischen, der Posten des Bahnchefs ist mit einer politischen Person zu besetzen, je nach Machtverhältnis, sicher ein totaler Trugschluß, die Karre ist halb aus dem Dreck, jetz kommen wir. Mehdorn sollte von sich aus gehen, nach der Wahl kommt dann Pfarrer Hintze oder Herr Tiefensee auf den Führerstand, wäre doch ein lustiges Experiment!
Ein Chef eines Staatsunternehmen, der mit Gewinn wirtschaftet? Da kann irgendetwas nicht stimmen. Ein "normaler" Behördenchef ist erst dann erfolgreich, wenn er die eine oder andere Million Verlust erwirtschaftet. Plus-Minus-Null ist noch Ok, aber Gewinn? Großer Fehler Herr Mehdorn!
Endlich einmal ein Artikel, der nicht über Herrn M herfällt wie 1000 Lemminge. Wir können froh sein, dass sich noch jemand für einen solchen Job zwischen Politik, Öffentlichkeit und echter betriebwirtschaftlichen Kärnerarbeit hergibt. Ob die schönen positiven Zahlen der Bahngewinne, die Sie nannten, der Wirklichkeit standhalten (z.B. bei Altbeständen, sind die zu hoch bewertet usw), ist eine andere Frage. Es ist jedoch zu glaubern und zu vermuten, dass Herr M die Richtung wirtschaftlich positiv beeinflusst hat. Dipl.Wirtsch.Ing. Ingo Wurzbacher (Unternehemensberater)
Ganz schön mutig von Ihnen, Herr Siedenbiedel! Sie stehen ja so ziemlich allein unter den Meinungsmachern. Passen Sie auf, dass der Golem jetzt nicht auch auf Sie losgeht! Wie leicht ist es immer noch mit Verdächtigungen, unbewiesenen Behauptungen, anonymen Briefen, Denunziationen, vertrehten und Teil -Wahrheiten, bösartiger Revanche und Nachtreten und falschem Zeugnis eine großes Werk zu zerstören. Kennt Ihr noch die Bahn vor 10 Jahren? Könnt Ihr die Bahnen in Europa miteinander vergleichen? Mehdorn hat uns wirklich die beste Bahn geschaffen die wir je hatten. Schadet uns das? Wem hat Mehdorn denn geschadet? Frau Künast, Herrn Friedrich, Herrn Tiefensee? - Vielleicht, aber uns, den Kunden, den Steuerzahlern? Eine Bahn, die 1.5 Milliarden Verlust im Jahr fabriziert, stiehlt uns Steuerzahlern dieses Geld Jahr für Jahr. Wieviel von diesen 1.5 Milliarden gehen auf das Konto Korruption, Ungenauigkeit, Wurstigkeit der Mitarbeiter. Mehdorn gegen die Mitarbeiter? Wirklich lächerlich! Die Bahner Mehdorns haben heute stabilere Arbeitsplätze bei hohen Lohnsteigerungen als je zuvor. Mitarbeiterinformationen und Personalführungsinstrumente der Bahn sind vorbildhaft. Mir graut vor der Bahn nach Mehdorn!
Ich kann es langsam nicht mehr hören. Die Bahn zu kundenunfreundlich, Strecken stillgelegt etc. etc.. Den Luxus, daß jeder zweitklassige Bürgermeister einen eigenen Bahnhof (ich erinnere an die Mehrkosten für Montabaur und Limburg bei der ICE Trasse Köln-FFM) bekommt, werden nun langsam eingedämmt. Wenn Mehdorn mit einem Haufen verbeamteter "Leistungsträger" dieses Unternehmen so fit gemacht hat, daß es keine staatliche Unterstützung braucht, sage ich nur Chapeau !! Ich möchte nicht wissen, wie groß die Jammerei wäre, wenn er pro Jahr 1,5 Mrd. Verlust macht, und sich trotzdem kein besserer Service einstellt. Die Bahn war vor Mehdorn ein solch marodes Unternehmen, daß sich jeder, der es sich leisten konnte, nicht Bahn gefahren ist. Also insgesamt "Gute Leistung". Die Bahn ist das Unternehmen in D mit dem größten Investitionsbudget. In jedem einigermaßen geführten Unternehmen werden die Daten von Mitarbeitern und deren Frauen mit dem Handelsregister verglichen, um dem auch in D üblichen Betrug bei der Auftragsvergabe zu überprüfen. Wer glaubt, daß nur Siemens bei der Vergabe von Aufträgen geschmiert hat, ist mehr als naiv und hat sollte sich mal der Realität stellen. Die Bekämpfung von Korruption ist wichtig und richtig.
Hmm, jetzt bin ich irgenwie verwirrt
Wenn nur Kontonummern und Adressen von Lieferanten und ihren Mitarbeitern angeglichen wurden, wie kann dann mit diesem Verfahren Korruption aufgedeckt werden ? Wenn es da Übereinstimmungen gibt, heißt das für mich, daß es sich um Unterschlagung, Betrug o.ä., nicht um Korruption handelt.
Wer sich vor gut einem Jahr mit Recht über das aufgeregt hat, was bei Siemens passiert ist, der sollte sich daran gut erinnern, bevor nun auf Mehdorn wegen einer vermeintlichen Bespitzelungsaffäre eingeprügelt wird. Dabei mag man vielleicht hinterfragen, ob es wirklich der Überprüfung so vieler Mitarbeiter bedurft hätte. Aber es ist per se ein erklärungsbedürftiger Vorgang, wenn Kontonummer eines Mitarbeiters und eines Lieferanten identisch sind. Und es muss Mittel und Wege geben, diesen Abgleich für alle Mitarbeiter, die im Kontakt mit Lieferanten stehen (das dürften bei einem Unternehmen dieser Größenordnung einige Tausend sein und betrifft nicht nur den Einkauf) durchführen zu können. Durch Korruption ist der Bahn Millionenschaden entstanden und die Kunden zahlen die Zeche durch höhere Fahrpreise. Die externe Prüfung durch die Kanzlei von Baum wird sich hoffentlich daran orientieren, was gegenwärtig erlaubt ist und nicht daran, was der Politiker Baum rechtspolitisch für wünschenswert hält. Da wäre vielleicht ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz am Ende doch nicht so schlecht, wenn es einen fairen Ausgleich zwischen Datenschutz und Korruptionsbekämpfung beinhaltet.
Ein gerechtes Urteil über die Leistungen oder Fehlleistungen von Herrn Mehdorn ist vermutlich erst möglich, wenn er 2-3 Jahre lang kein Bahnchef mehr ist. Daran muß sich der Nachfolger "des verrücktestens Jobs nach Kanzler" messen lassen. Vielleicht wird man dann Herrn Mehdorn noch eine Träne nachweinen. Wer weiß das heute? Mit Sicherheit gilt das nicht für Leute wie Tiefensee.
..für diese endlich einmal vorurteilsfreie Berichtserstattung.
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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