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Bahn-Chef : Nicht mehr am Zug

Abgang ohne Verspätung: Grube im Juni 2014 Bild: dpa

Rüdiger Grube wurde lange Zeit an der Spitze der Deutschen Bahn geschätzt. Er kam mit allen gut aus. Am Ende aber konnte er sich nicht durchsetzen.

          Rüdiger Grube ist der Mann, der mit allen kann. Er ist mit Frank-Walter Steinmeier, der bald zum Bundespräsidenten gewählt werden soll, auf du und du – und natürlich mit dem ehemaligen CDU-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, der sein Vorstandskollege wurde. Die Handynummer der Kanzlerin ist für ihn kein Geheimnis. Grube ist auch der, der Gewerkschafter und Betriebsräte ernst nimmt und der für alle ein Wort übrig hat – für den Lokführer, den Pförtner und nicht zuletzt für den enttäuschten Kunden. Am Montag jedoch haben ihn die Mächtigen, auf die es ankommt, weil sie im Aufsichtsrat des Konzerns sitzen, im Regen stehen lassen. Grube bleibt nichts anderes übrig, als die Konsequenzen zu ziehen: Er ist von diesem Dienstag an nicht mehr Vorstandschef der Deutschen Bahn.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es ist ein Abgang mit Knalleffekt. Am Montagmorgen ahnte noch niemand den Verlauf des Vormittags voraus – wohl nicht einmal Grube selbst. Denn eigentlich sollte an diesem Vormittag nur das verkündet werden, was der Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrats am Freitag nach reiflicher Überlegung beschlossen hatte: Der bis Jahresende laufende Vertrag des 65 Jahre alten Bahnchefs wird noch einmal verlängert, und zwar um drei Jahre bis Ende 2020. Weil es um die Dauer der Verlängerung wochenlang Diskussionen gab, hatte sich Grube auf einen Kompromiss eingelassen: Er verzichtete schweren Herzens auf die gewünschte Gehaltserhöhung und auf eine Abfindung für den Fall des vorzeitigen Ausscheidens aus dem Amt.

          Probleme im Güterverkehr

          Doch dieser Kompromiss stieß in der großen Aufsichtsratsrunde auf Unbehagen. Zuerst von der Bank der Anteilseigner kam der Einwurf, Grube erreiche bald das Rentenalter, eine Verlängerung um drei Jahre dürfe es schon deswegen nicht geben. Die Ergebnisse des Bahnkonzerns seien außerdem alles andere als zufriedenstellend, eine Belohnung sei insofern nicht angebracht. Die Kritik kommt nicht von ungefähr: Vor allem im Güterverkehr bekommt die Bahn ihre Probleme nicht in den Griff, die Aufseher ließen am Montag abermals den Chef von DB Cargo und Konzernvorstand Berthold Huber zum Rapport antreten. Und waren am Ende von den Rezepten nicht überzeugt.

          Aber auch der Personenverkehr läuft seit längerer Zeit – nicht nur wegen der Konkurrenz der Fernbusse – weniger erfolgreich als in den kühnen früheren Strategieplänen des Vorstands erhofft. Das Sanierungsprogramm „Zukunft Bahn“ aus dem Sommer 2015 habe Grube seinem damaligen Stellvertreter Volker Kefer, dem Infrastrukturvorstand, überlassen, kritisierten die selbstbewussten Aufseher von der Arbeitgeberbank am Montag plötzlich wieder. Dann aber habe Kefer nach Grubes Geschmack zu viel Ehrgeiz entwickelt. Deshalb habe er Kefer im Einvernehmen mit dem Vorstandskollegen Pofalla aus Anlass negativer Neuigkeiten beim Infrastrukturprojekt Stuttgart 21 im vergangenen Sommer über die Klinge springen lassen – auch um seine eigene Haut zu retten.

          Schon am Dienstag räumt er sein Büro

          In der Sitzung gab am Montagvormittag ein Wort das andere. Aus Unbehagen wurde Widerstand. Schließlich musste Aufsichtsratsvize Alexander Kirchner, der Chef der Bahngewerkschaft EVG, zu Protokoll geben, er könne eine Mehrheit der Arbeitnehmerbank für eine Vertragsverlängerung um drei Jahre nicht garantieren. In der EVG rumort es gewaltig, vor allem wegen der unangenehmen Vorstandspläne für DB Cargo. Cargo-Betriebsratschef Jörg Hensel gilt als harter Hund, auch er sitzt im Aufsichtsrat. Und die Arbeitnehmerbank war am Montag plötzlich in der Mehrheit, da sich die bisherige Entsandte des Bundeswirtschaftsministeriums, Brigitte Zypries (SPD), unter Hinweis auf ihr neues Ministeramt ersatzlos verabschiedet hatte.

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