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Interner Brandbrief : Bahn-Chef Lutz sorgt sich um „wirtschaftliche Stabilität“

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Das Logo der Deutschen Bahn leuchtet auf dem Dach des Hauptbahnhofs Hannover. Bild: dpa

Die Deutsche Bahn kämpft offenbar mit hohen Schulden und sinkendem Gewinn. Nun hat der Chef des Konzerns einen Brandbrief an die Führungskräfte verschickt – und einen Ausgabenstopp verhängt.

          Die Deutsche Bahn steckt wohl in größeren Problemen, als bisher angenommen. In einem vierseitigen Brief an alle Führungskräfte spricht der Konzernchef Richard Lutz von einer „schwierigen Situation“ für die Bahn. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf das interne Schreiben. „Diese Situation hat sich in den letzten drei Monaten nicht verbessert, sondern verschlechtert“, heißt es in dem Brief, der dem „Handelsblatt“ vorliegt. Die Verschuldung steigt, die Einnahmen sinken. Nach Angaben der Zeitung lag die Nettoverschuldung zum Halbjahr 2018 schon bei 19,7 Milliarden Euro.

          Der Gewinn des Konzerns liege 160 Millionen Euro unter Plan, auch sei das angestrebte Ziel von 2,1 Milliarden Euro – das schon früher nach unten korrigiert wurde – in Gefahr. Das habe zur Folge, dass es einen Ausgabenstopp gebe, der der Zeitung zufolge „nicht befristet“ sei.

          Hinzu käme die Unpünktlichkeit der Bahn. Im August hatte das Unternehmen gesagt, dass knapp 70 Prozent der Fernzüge nicht pünktlich fuhren. Laut „Handelsblatt“ ist von den finanziellen Problemen auch der Tochterkonzern DB Cargo betroffen. Zudem hätten sich die Kosten der Verwaltung „seit 2015 um einen deutlichen dreistelligen Millionenbetrag erhöht“. Probleme bereitet der Bahn offenbar vor allem die Rabattschlacht mit anderen Konzernen, insbesondere mit dem Fernbusanbieter Flixbus. Das Unternehmen ist nun auch auf die Schiene gewechselt und macht der Bahn hier zusätzlich Druck. Dadurch sei das Staatsunternehmen gezwungen, Tickets zu einem Preis anzubieten, der nicht die Kosten decke.

          ICE der Deutschen Bahn: Dem Unternehmen macht der Preisdruck mit Konkurrenten schwer zu schaffen.

          Nicht nur finanziell hat die Deutsche Bahn zu kämpfen. Auch beim Personal gibt es Lücken: Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass wegen der Personalnot mehrere Verbindungen in Schleswig-Holstein ausfallen. Dass die Deutsche Bahn große Rekrutierungsprobleme hat, ist seit langem bekannt. Im vergangenen Jahr etwa war die Fachkräftenot so groß, dass das Unternehmen ein Massenbewerbungsgespräch veranstaltete. An sieben Tagen sollten in sieben großen Städten insgesamt 1000 neue Mitarbeiter eingestellt werden.

          Die Probleme der Bahn sind umso gravierender, weil der Staat, hundertprozentiger Eigentümer, kein zusätzliches Geld nachschieben will. Das hatte der „Spiegel“ erst an diesem Wochenende vermeldet.

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