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Tropical Islands : Die Südsee liegt im Spreewald

Eigentlich sollten hier Luftschiffe gebaut werden, jetzt fläzen sich Touristen in der Cargolifter-Halle in Brandenburg. Bild: Andreas Pein

Hitze, Strand und Palmen: Wer nicht in die Tropen fliegen will, kann nach Brandenburg in die Badeidylle „Tropical Islands“ fahren. 1,2 Millionen Menschen tun dies jedes Jahr. Warum nur?

          Am Rande des Spreewalds liegt die Südsee. Das klingt zu absurd, um es zu verstehen, deshalb muss man es sehen. Schon weil niemand so genau weiß, wo der Spreewald eigentlich ist, allenfalls, dass er berühmt ist für seine eingelegten Gurken. Und womöglich bald auch für sein Tropen-Paradies. 80 Kilometer südöstlich von Berlin mitten in Brandenburg an der A 13 liegt die Südsee, versteckt unter einer gigantischen Kuppel, einer der größten freitragenden Hallen der Welt. Wie ein Ufo sitzt sie mitten in der märkischen Heide, silberglänzend, monumental. Innen recken sich die Palmen in den Himmel, stehen sich rosa Flamingos die Beine in den Bauch, tauchen Südsee-Touristen in badewannenwarmes Wasser.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Im „Tropical Islands“ ist die Badeidylle perfekt: Die Lufttemperatur liegt bei 29 Grad, die Wassertemperatur nur wenige Grad darunter. Das weiß der Badende deshalb so genau, weil er sich nicht mehr nur auf seinen großen Zeh verlassen muss, sondern eine große Leuchtanzeige diese Daten liefert. Auch die Zahl der Pflanzen ist dokumentiert: An die 50.000 sind es. Keine einzige Feuerqualle kreuzt beim Schwimmen die Bahn, Stechmücken sind nur dann zu sehen, wenn sie sich zufällig aus den märkischen Kieferwäldern in die Halle verirren.

          Stattdessen: Restaurants, Lodges, Eisläden, ein Abenteuerspielplatz, ein Friseur und ein Laden für das kleine Airbrush-Tattoo zwischendurch. Eine hellblaue Leinwand mit weißen Wattebausch-Wölkchen verhüllt die schweren Stahlstreben an der Südseite der Kuppel, wenn auch nur unzureichend. Sie kann nicht überdecken, dass sich über diese tropische Badeidylle nicht die grenzenlose Weite des Himmels wölbt, sondern eine riesige Industriehalle, in die neun Fußballfelder passen. Oder der Eiffelturm, quer gelegt.

          Tropenlandschaft auf Expansionskurs

          Das alles ist atemraubend. Und es ist irritierend. Das finden jedenfalls viele Berliner. Seit Tropical Islands 2004 eröffnete, warten sie geduldig, vielleicht auch ein wenig hämisch, dass dieses merkwürdige Südsee-Paradies bald wieder untergeht. Das könne nicht funktionieren, hieß es, schon gar nicht im spröden Brandenburg. Bedenken ließen sich viele formulieren: zu teuer, zu kalt, zu zugig, von echtem Südseeflair keine Spur.

          Doch Tropical Island geht nicht unter, tatsächlich passiert im Moment das Gegenteil: Die Tropenlandschaft expandiert. Und weil selbst in diese riesige Halle beim besten Willen nicht noch mehr Liegestühle, Palmen und Wasserfälle gepresst werden können, muss nun der Märkische Sand herhalten.

          Im nächsten halben Jahr entsteht dort „Amazonia“, wie geschaffen für heiße trockene Sommer wie in diesem Jahr: Mehrere Pools mit einer Wassertemperatur zwischen 28 und 32 Grad wird es dort geben, eine Liegefläche für über 2500 Gäste, eine 250 Meter lange Wildwasserbahn und eine Schaukelgrotte, was immer das auch sein mag. Das ist gar nicht so ungewöhnlich für Schnapsideen: Sie müssen nur hartnäckig und konsequent genug verfolgt werden, dann lassen sich auch andere davon überzeugen. Niemals alle, aber doch immerhin eine kritische Masse.

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