http://www.faz.net/-gqe-86zz1

Tropical Islands : Die Südsee liegt im Spreewald

Eigentlich sollten hier Luftschiffe gebaut werden, jetzt fläzen sich Touristen in der Cargolifter-Halle in Brandenburg. Bild: Andreas Pein

Hitze, Strand und Palmen: Wer nicht in die Tropen fliegen will, kann nach Brandenburg in die Badeidylle „Tropical Islands“ fahren. 1,2 Millionen Menschen tun dies jedes Jahr. Warum nur?

          Am Rande des Spreewalds liegt die Südsee. Das klingt zu absurd, um es zu verstehen, deshalb muss man es sehen. Schon weil niemand so genau weiß, wo der Spreewald eigentlich ist, allenfalls, dass er berühmt ist für seine eingelegten Gurken. Und womöglich bald auch für sein Tropen-Paradies. 80 Kilometer südöstlich von Berlin mitten in Brandenburg an der A 13 liegt die Südsee, versteckt unter einer gigantischen Kuppel, einer der größten freitragenden Hallen der Welt. Wie ein Ufo sitzt sie mitten in der märkischen Heide, silberglänzend, monumental. Innen recken sich die Palmen in den Himmel, stehen sich rosa Flamingos die Beine in den Bauch, tauchen Südsee-Touristen in badewannenwarmes Wasser.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im „Tropical Islands“ ist die Badeidylle perfekt: Die Lufttemperatur liegt bei 29 Grad, die Wassertemperatur nur wenige Grad darunter. Das weiß der Badende deshalb so genau, weil er sich nicht mehr nur auf seinen großen Zeh verlassen muss, sondern eine große Leuchtanzeige diese Daten liefert. Auch die Zahl der Pflanzen ist dokumentiert: An die 50.000 sind es. Keine einzige Feuerqualle kreuzt beim Schwimmen die Bahn, Stechmücken sind nur dann zu sehen, wenn sie sich zufällig aus den märkischen Kieferwäldern in die Halle verirren.

          Stattdessen: Restaurants, Lodges, Eisläden, ein Abenteuerspielplatz, ein Friseur und ein Laden für das kleine Airbrush-Tattoo zwischendurch. Eine hellblaue Leinwand mit weißen Wattebausch-Wölkchen verhüllt die schweren Stahlstreben an der Südseite der Kuppel, wenn auch nur unzureichend. Sie kann nicht überdecken, dass sich über diese tropische Badeidylle nicht die grenzenlose Weite des Himmels wölbt, sondern eine riesige Industriehalle, in die neun Fußballfelder passen. Oder der Eiffelturm, quer gelegt.

          Tropenlandschaft auf Expansionskurs

          Das alles ist atemraubend. Und es ist irritierend. Das finden jedenfalls viele Berliner. Seit Tropical Islands 2004 eröffnete, warten sie geduldig, vielleicht auch ein wenig hämisch, dass dieses merkwürdige Südsee-Paradies bald wieder untergeht. Das könne nicht funktionieren, hieß es, schon gar nicht im spröden Brandenburg. Bedenken ließen sich viele formulieren: zu teuer, zu kalt, zu zugig, von echtem Südseeflair keine Spur.

          Doch Tropical Island geht nicht unter, tatsächlich passiert im Moment das Gegenteil: Die Tropenlandschaft expandiert. Und weil selbst in diese riesige Halle beim besten Willen nicht noch mehr Liegestühle, Palmen und Wasserfälle gepresst werden können, muss nun der Märkische Sand herhalten.

          Im nächsten halben Jahr entsteht dort „Amazonia“, wie geschaffen für heiße trockene Sommer wie in diesem Jahr: Mehrere Pools mit einer Wassertemperatur zwischen 28 und 32 Grad wird es dort geben, eine Liegefläche für über 2500 Gäste, eine 250 Meter lange Wildwasserbahn und eine Schaukelgrotte, was immer das auch sein mag. Das ist gar nicht so ungewöhnlich für Schnapsideen: Sie müssen nur hartnäckig und konsequent genug verfolgt werden, dann lassen sich auch andere davon überzeugen. Niemals alle, aber doch immerhin eine kritische Masse.

          Weitere Themen

          Lindner sieht Wahrscheinlichkeit bei 50:50 Video-Seite öffnen

          Jamaika-Koalition : Lindner sieht Wahrscheinlichkeit bei 50:50

          Nach der Bundestagswahl 2013 lag die FDP politisch am Boden. Im Jahr 2017 ist sie nicht nur in den Bundestag zurückgekehrt, sondern steht vor einen neuen Regierungsbeteiligung. FDP-Chef Christian Lindner hat sich jedoch zurückhaltend zu den Chancen für eine Regierung aus Union, FDP und Grünen geäußert.

          Die neue Kluft zwischen Briten und Franzosen Video-Seite öffnen

          Brexit : Die neue Kluft zwischen Briten und Franzosen

          Der Südwesten Frankreichs ist für viele Briten Wahlheimat. Seit den 1960er Jahren zieht es sie vor allem in die Dordogne. Doch seit dem Brexit müssen sie sich als Nicht-EU-Bürger auf Einschränkungen einstellen.

          Topmeldungen

          Toronto vom Wasser aus betrachtet - auf der Seite will Google die „smart City“ bauen.

          „Smart City“ : Hier baut Google die intelligente Stadt

          Viele Roboter, wenige Autos und Müll und Pakete werden unterirdisch transportiert: Der Technologiekonzern Alphabet hat sich eine Metropole für sein nächstes großes Projekt ausgesucht. Darum geht es.
          Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kann im Katalonien-Konflikt auf die Unterstützung aus der Opposition hoffen.

          Konflikt in Spanien : Selten harmonisch

          Von der Minderheitsregierung zur gefühlten großen Koalition: Die Katalonien-Krise eint die Parteien in Madrid. Sie wollen die Wahl eines neuen Regionalparlaments in Katalonien.
          Eine Fliege auf einem Grashalm bei Burgdorf in der Region Hannover.

          Kommentar zum Insektensterben : Sommer ohne Surren

          Das große Insektensterben zeigt: Die Industrialisierung der Landwirtschaft muss intelligenter weitergehen, als sie begonnen hat. Und vor allem auch nicht naiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.