26.10.2009 · Die Allianz der Fluggesellschaften British Airways (BA), Iberia und American Airlines stößt in Brüssel auf Widerstand. Die Wettbewerbshüter haben Bedenken, dass der geplante Verbund auf Flugrouten zwischen Europa und Nordamerika zu „massiven Verzerrungen“ des Wettbewerbs führen könnte.
Von Ulrich Friese und Marcus TheurerDie Allianz der Fluggesellschaften British Airways (BA), Iberia und American Airlines stößt in Brüssel auf Widerstand. In der EU-Wettbewerbsbehörde überwiegen die Bedenken, dass der geplante transatlantische Verbund auf mindestens sieben Flugrouten zwischen Europa und Nordamerika zu „massiven Verzerrungen“ des Wettbewerbs führen könnte, heißt es in einem vertraulichen Schreiben an die Fluggesellschaften, das der britischen Zeitung „Financial Times“ zugespielt wurde.
Das Gros der von Brüssel beanstandeten Strecken betrifft Flugverbindungen zwischen London-Heathrow und amerikanischen Städten wie Dallas, Miami oder Chicago. Solche Routen wurden bislang von BA bedient. Die Gesellschaft, die seit Mitte 2008 ein Bündnis mit der spanischen Iberia und American Airlines forciert, verfügt seit Jahren über die mit Abstand meisten Start- und Landerechte (Slots) in Heathrow, dem größten Flughafen-Drehkreuz Europas. Darüber hinaus werden in dem Schreiben aus Brüssel auch die von Iberia betreuten Strecken von Madrid nach Miami und Chicago moniert. Die Gesellschaften hätten nun bis Anfang November Zeit, um Stellung zu nehmen, bevor die Kommission einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht feststellt, heißt es in dem Schreiben.
„Wir sind zuversichtlich“
BA reagierte auf die Botschaft aus Brüssel zunächst gelassen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Bedenken der EU-Kommission ausräumen können“, sagte ein Sprecher in London. Als entscheidendes Kriterium gilt, wie viele Slots die britische Fluggesellschaft auf ihrer Heimatbasis Heathrow aufgeben müsste. Doch von den europäischen Wettbewerbshütern wurden dazu zunächst keine konkreten Vorgaben gemacht.
Die Transatlantik-Routen sind traditionell die wichtigsten Gewinnträger der britischen Gesellschaft und steuerten über Jahre bis zu zwei Drittel des Konzerngewinns bei. Im Zuge der internationalen Finanzkrise ist BA jedoch vom Ausbleiben der Geschäftsreisenden, die etwa zwischen London und New York pendeln, massiv betroffen. Ganz ähnlich geht es den Partnern American Airlines und der spanischen Iberia, die den Löwenanteil ihrer Gewinne aus den lukrativen Flugrouten nach Südamerika schöpfte. Die drei Gesellschaften, die bislang nur in der Service-Allianz „One World“ miteinander verbunden waren, schreiben seit Monaten hohe Verluste.
BA und Iberia planen Abstriche bei den Personalkosten und Kapazitäten
Um die Erosion ihrer Ergebnisse zu stoppen, planen BA und Iberia Abstriche bei den Personalkosten und Kapazitäten. Der Widerstand in den Belegschaften ist entsprechend groß: Iberia wird seit Montag bestreikt, BA muss bald mit ähnlichen Aktionen rechnen. Der Schulterschluss mit American Airlines verspricht vor diese Hintergrund Wachstumschancen und die Hoffnung auf eine spätere Fusion.
Nach den Einwänden aus Brüssel halten es auch Analysten in London für sehr unwahrscheinlich, dass BA und American Airlines zusammenrücken dürfen, ohne Slots in Heathrow abzugeben. BA hält jedoch entgegen und spricht von „erheblichem Wettbewerb“ in Heathrow. Durch das 2008 in Kraft getretene internationale Luftverkehrsabkommen Open Skies sei der größte europäische Flughafen gerade für mehr Wettbewerber aus Europa und Nordamerika geöffnet worden. Allerdings ist die Zahl der Slots in Heathrow knapp, weil der Großflughafen trotz seiner rund 67 Millionen Passagiere im Jahr nur zwei Start- und Landebahnen hat.
Der kleinere britische Wettbewerber Virgin Atlantic lobte derweil die Einwände der EU-Kommission. BA und American würden zusammen ein „Monster-Monopol zum Nachteil der Kunden“ bilden, sagte Geschäftsführer Steve Ridgway. Nach Angaben von Virgin würden die beiden Fluglinien zusammen auf der wichtigsten Transatlantik-Verbindung zwischen Heathrow und dem John-F.-Kennedy-Flughafen in New York 62 Prozent der Sitzplatz-Kapazität kontrollieren.
Die beiden Fluggesellschaften haben seit Ende der neunziger Jahre schon zweimal vergeblich versucht, den Segen der Kartellbehörden für ein Zusammengehen zu bekommen. Analysten räumen BA und American Airlines jetzt jedoch bessere Chancen ein. „Die Auflagen dürften weniger hart ausfallen, weil die Luftfahrtbranche in der Krise steckt“, sagte Hartmut Moers von Sal. Oppenheim.
Es geht wirklich nur um slots in LHR
Christian Roigk (Dubai1)
- 27.10.2009, 06:49 Uhr
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