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Autozulieferer Staatshilfe für Schaeffler und Conti geplant

26.01.2009 ·  Kaum ist der Machtkampf im Aufsichtsrat vorüber, gerät die Continental-Übernahme durch Schaeffler in neue Turbulenzen. Bayern und Niedersachsen sind offenbar bereit, mit Bürgschaften auszuhelfen, um einen Stellenabbau durch eine Schieflage oder einen Notverkauf von Unternehmensteilen zu verhindern.

Von Johannes Ritter
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Die Bundesländer Bayern und Niedersachsen erwägen offenbar, den hochverschuldeten Unternehmen Schaeffler und Continental unter die Arme zu greifen. Dahinter steckt die Furcht, dass eine Schieflage oder ein Notverkauf von Unternehmensteilen einen erheblichen Stellenabbau zur Folge haben könnte. Auf welche Art und in welcher Höhe die Staatshilfe gewährt werden könnte, ist noch unklar. Im Gespräch sind Bürgschaften für die Konzerne, die bei den Banken mit rund 22 Milliarden Euro in der Kreide stehen. Schaeffler ist seit Anfang Januar mit 49,9 Prozent an Continental beteiligt, kontrolliert aber de facto 90 Prozent des Kapitals. Wegen der deutlich verschlechterten Geschäftslage dürfte Schaeffler Probleme haben, die Verpflichtungen aus den Kreditverträgen zu erfüllen, heißt es in gutinformierten Kreisen.

Ob auch der Bund zu Hilfe eilt, ist offen. Theoretisch denkbar ist eine Einflussnahme über die Beteiligung des Bundes an der Commerzbank. Dank der Übernahme der Dresdner Bank ist sie der mit Abstand größte Kreditgeber. Insgesamt sollen Commerzbank und Dresdner Bank rund 5 Milliarden Euro an Schaeffler und Conti ausgereicht haben.

Klare Anzeichen einer politischen Einflussnahme

Der am Samstag im Continental-Aufsichtsrat erzielte Kompromiss, mit dem der Machtkampf um Continental beendet wurde, trägt schon Anzeichen einer politischen Einflussnahme. Der von Schaeffler zuletzt als „Saboteur“ beschimpfte Hubert von Grünberg gibt zwar den Aufsichtsratsvorsitz der Continental AG ab. Er bleibt aber Mitglied im Kontrollgremium und übernimmt überdies eine besondere Rolle: Grünberg soll ein unternehmerisches Konzept für die Gummisparte (Reifen und Schläuche) entwickeln, die nun als rechtlich selbständige Einheit aufgestellt werden soll. Damit treffen Conti und Schaeffler die Voraussetzungen für einen Verkauf der Sparte, die ihren Hauptsitz und ihren Geschäftsschwerpunkt in Hannover.

Angeblich fürchtet Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, dass sie diesen bei einem Verkauf an einen anderen Reifenherstellers verlieren könnte. In unternehmensnahen Kreise wurde am Sonntag kolportiert, dass sich das Land Niedersachsen mit der Idee beschäftige, sich notfalls selbst an der Gummisparte zu beteiligen, gegebenenfalls zusammen mit einem Finanzpartner. Zu einem späteren Zeitpunkt, so die Überlegung, ließe sich diese Einheit dann an die Börse bringen. In Wulffs Umfeld wurde allerdings dementiert, dass es derartige Überlegungen gibt. Die Gewährung von Bürgschaften für die Gummisparte hält man in der schwarz-gelben Landesregierung aber offenbar für denkbar.

Automobiltechniksparten werden verzahnt

Der Continental-Aufsichtsrat hat ferner beschlossen, die Automobiltechniksparten der beiden Unternehmen zu verzahnen. Dieses Geschäft hat seinen Schwerpunkt in Frankfurt und Regensburg, Schaeffler selbst sitzt in Franken. Offiziell ist nur von einer Kooperation die Rede. De facto zielen die Unternehmen darauf ab, die Sparten zusammenzuführen. Dabei werde Continental nicht, wie von Grünberg befürchtet, einseitig belastet. „Conti wird von Schaeffler nicht mit Schulden überfrachtet werden“, sagte dessen Vorstandschef Karl-Thomas Neumann gegenüber dieser Zeitung. Zu den Details der Vereinbarung wollte sich Neumann allerdings noch nicht äußern. Er sprach lediglich von einer „sehr guten Lösung“ und fügte hinzu: „Ich bin zufrieden.“

Schaeffler zieht mit vier Vertretern aus den eigenen Reihen in den Continental-Aufsichtsrat ein: die Eigentümer Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, der Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger sowie Rolf Koerfer. Der auf Übernahmen spezialisierte Jurist Koerfer soll den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen und ihn auch über die Continental-Hauptversammlung am 23. April hinaus behalten.

Für die Schaeffler-Fraktion werden wohl folgende Herren den Aufsichtsrat schon in Kürze verlassen: Peugeot-Chef Christian Streiff, Magna-Manager Jürgen Stockmar, Unternehmensberater Fred Steingraber und der Niederländer Jan Oosterveld. Die übrigen sechs Anteilseignervertreter, die von der Hauptversammlung im April neu gewählt werden müssen, sollen von einem Nominierungsausschuss benannt werden. Dieser besteht fortan aus vier Mitgliedern. Zwei davon darf Schaeffler entsenden, vermutlich werden es Koerfer sowie Maria-Elisabeth Schaeffler sein. Bei den beiden externen Vertretern im Nominierungsausschuss dürfte es sich um den früheren Dresdner-Bank-Vorstand Bernd Voss und den ehemaligen Allianz-Vorstand Diethart Breipohl handeln.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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