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Autozulieferer Eberspächer Wildwest in Sindelfingen

08.04.2009 ·  Mitarbeiter des Autozulieferers staunten nicht schlecht, als sie zu Beginn dieser Woche an ihren Arbeitsplatz kamen und zwei Roboter fehlten. Der Grund: Das Unternehmen hat begonnen, sein Werk in Sindelfingen zu räumen - ohne jede Ankündigung.

Von Susanne Preuß, Stuttgart
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In der Region Stuttgart ist Eberspächer ein klangvoller Name, schon weil Miteigentümer Günther Baumann viele Jahre lang Präsident der IHK war, aber auch weil der Autozulieferer als innovatives Unternehmen gilt. Doch seit dieser Woche klingt Eberspächer eher nach Wildwest: Ohne jede Ankündigung räumte das Unternehmen sein Werk in Sindelfingen, weil die Aufträge für Auspuffanlagen fehlen.

An die Mitarbeiter hat in der Hektik keiner gedacht. Sie mussten am Montagmorgen feststellen, dass 2 von 14 Robotern schon abtransportiert und ein dritter verladen war. Wenn die Beschäftigten das überhaupt merkten, lag das daran, dass sie in den letzten Monaten offenbar ein ziemliches Misstrauen entwickelt hatten: Trotz Produktionspause hatten sich die Kollegen auf Kontrollfahrten verständigt - zu Recht, wie sich zeigte. „Da ist einiges extrem unglücklich gelaufen“, gibt eine Eberspächer-Sprecherin zu: „Man hat zu kurz nachgedacht.“

Es gibt nichts zu tun

Den 54 Beschäftigten war für die nächsten drei Wochen eine Zwangspause verordnet worden - ganz logisch eigentlich für einen Zulieferer, der just in sequence ans Band liefert, innerhalb von vier bis sechs Stunden, nachdem die Daimler-Computer den Bedarf melden. Da Daimler in Sindelfingen gerade alle Produktionsmitarbeiter auf Kurzarbeit Null gesetzt hat, gibt es auch für Eberspächer nichts zu tun. Eine typische Szene dieser Krise, mit der viele Autozulieferer konfrontiert sind, nicht nur die von Daimler.

Bei Eberspächer freilich weiß man längst, dass auch nach der Krise in Sindelfingen nicht mehr viel laufen wird. Die E-Klasse, die etwa die Hälfte des Geschäfts ausmachte, wird nach dem Modellwechsel nämlich vom Konkurrenten Boysen mit Auspuffanlagen ausgestattet. Für das übrige Auftragsvolumen lohnt sich ein Werk in Sindelfingen nicht mehr, die Produktion sollte nach Neunkirchen im Saarland verlagert werden. So weit waren die Umstände auch der Belegschaft bekannt. Am Freitag nach Ostern sollten darüber Gespräche geführt werden. „Das hätte eine saubere Abwicklung geben können, mit Interessenausgleich und ordentlicher Produktion bis zum letzten Tag“, erklärt Detlef Schwoon von der IG Metall.

„Der Kostendruck ist enorm“

Die Gelegenheit ist günstig, dachten die Schwaben aber letzte Woche: Roboter abbauen und andernorts aufbauen geht am besten, während die Produktion ruht, und auch in Neunkirchen herrscht mangels Nachfrage gerade verlängerte Oster-Ruhe. Am Freitagabend wurde entschieden, die Produktionsanlagen sofort zu verlagern. „Der Kostendruck ist enorm“, wirbt die Eberspächer-Sprecherin um Verständnis. In beiden Geschäftsbereichen, bei Abgasanlagen wie bei Fahrzeugheizungen, sei das Auftragsvolumen um 40 Prozent zurückgegangen. „Daher haben wir überall Probleme. Da kann man sich nicht konzentriert mit einem Thema beschäftigen.“ Jetzt freilich muss sich die Geschäftsführung persönlich kümmern, die Belegschaft verlangte eine Entschuldigung in aller Öffentlichkeit. Vertrauen entsteht wohl so schnell nicht mehr.

„Traue deinem Arbeitgeber nur so weit, wie du einen Elefanten werfen kannst“, hat Gewerkschafter Schwoon jetzt als Devise ausgegeben. Der Abtransport der Roboter wird erst einmal blockiert, bis ein Interessenausgleich verhandelt ist.

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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