02.09.2005 · Um die Kosten einzudämmen, erhöhen die Autoproduzenten den Preisdruck auf ihre Zulieferer. Experten befürchten, daß viele mittelständische Betriebe auf der Strecke bleiben.
Die Einsparmöglichkeiten der deutschen Autozulieferer scheinen längst ausgereizt: Sie haben die Produktion ins Ausland verlagert, sie haben in Deutschland Arbeitszeiten verlängert und Löhne gesenkt.
Doch die großen Autobauer - allen voran Volkswagen und DaimlerChrysler - erhöhen den Druck weiter: Eine neue Preisrunde könnte vor allem für kleinere Zulieferer hier zu Lande das Aus bedeuten. „Die Mehrzahl wird 2006 bluten müssen“, prognostiziert Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Er sieht die Existenz vor allem von mittelständischen Betrieben in Gefahr, die vielfach nur von einem großen Auftraggeber leben.
„Ein Preisdiktat darf es nicht geben“
„Ein Preisdiktat der Hersteller an die Zulieferer darf es nicht geben“, fordert Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Die Zulieferindustrie habe sich gegen Preissenkungen nie gesperrt, wenn diese durch eigene Produktivitätsfortschritte wieder erwirtschaftet würden könnten. Preissenkungen allein auf Kosten der Marge dürfe es nicht geben. „Das raubt uns unsere Zukunftsfähigkeit und gefährdet die Existenz der Unternehmen“, warnte Gottschalk.
Die Zulieferer lehnen weitere Preiszugeständnisse ab und werfen den Autobauern vor, die Probleme auf ihre Kosten lösen zu wollen. „Die Probleme der Hersteller mit ihren Kosten sind doch hausgemacht“, kritisiert Klaus Urbat, Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie, im Gespräch mit Reuters. „Sonst hätte Toyota als leuchtendes Vorbild in der Branche die selben Nöte, da alle Hersteller nahezu die selben Zulieferer haben“, sagte er.
Die Zulieferbranche mit ihren 329.300 Beschäftigten ist in Deutschland stark mittelständisch geprägt. Jeder zweite Arbeitsplatz in der deutschen Autoindustrie entfällt auf die Zulieferer, die 2004 zusammen 65,4 Milliarden Euro umsetzten.
VW will fünf Milliarden Euro sparen
Die Sitten werden rauer: Allein bei der Marke VW will der als Sanierer zu Volkswagen geholte Vorstand Wolfgang Bernhard fünf Milliarden Euro sparen. Durch Preiszugeständnisse sollen die Lieferanten drei Milliarden dazu beisteuern. Die Tatsache, daß der neue DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche vorerst auch die Leitung der mit Absatzproblemen kämpfenden Nobelmarke Mercedes mit übernimmt, beunruhigt die Zulieferer nicht weniger. Zetsche ist noch aus seiner Zeit an der Spitze von Chrysler als „Preissenker“ berüchtigt. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt erwarten Zulieferer, daß Zetsche seine Pläne lüftet. Schon Zetsches Vor- Vorgänger Jürgen Hubbert hatte auf Preissenkungen gedrängt, über ein Sparprogramm für Mercedes wird seit Monaten spekuliert.
Das weckt auch den Unmut der Lieferanten über die eigenen Kunden: „Die müßten eigentlich mal vor der eigenen Haustür kehren und sagen, was sie besser machen können“, fordert Peter Paul Moll, bis vor kurzem Chef des oberbayerischen Herstellers von Autositzheizungen WET Automotive und jetzt im Aufsichtsrat des Unternehmens. Er prangert an, daß die Autohersteller an „allzu luxuriöse Tarifverträge“ mit ihren Belegschaften gebunden sind. Unangenehme Entscheidungen dürften nicht auf Lieferanten abgewälzt werden, sagte Moll.
Weitere Produktionsverlagerungen nach Osteuropa
Der Nürnberger Bordnetz-Hersteller Leoni profitiert noch von lang laufenden Verträgen mit den Autoherstellern, hat also Zeit, um sich anzupassen. „Die Schraube ist schon in den vergangenen Jahren sehr hart angezogen worden“, sagt Leoni-Vorstandschef Klaus Probst. Bislang hätten die Automobilzulieferer aber immer noch Mittel und Wege gefunden, den Preisdruck durch eigene Kostensenkungen abzufedern. Doch in Zukunft müsse sich die Preissenkungsspirale langsamer drehen. „Es ist einfach nicht denkbar, daß das in dieser jährlichen Dimension so weitergeht.“
Rekordgewinne vieler großer und börsennotierter Lieferanten scheinen den Klagen allerdings zu widersprechen. Unternehmen wie Leoni, der Reifen- und Elektroniklieferant Continental oder die auf Zylinderkopfdichtungen spezialisierte ElringKlinger gelten bei Experten als finanziell stark genug, um durch Innovationen und Effizienzsteigerungen auch eine verschärfte Preisrunde zu überstehen. Effizienzsteigerung heißt bei ihnen häufig Verlagerung von Produktion ins Ausland. Bosch hat sich das bereits zum Prinzip gemacht: Innovative Produkte, für die die Hersteller hohe Preise zu zahlen bereit sind, werden in Deutschland gefertigt. Werden sie zum Standard, geht die Produktion nach Osteuropa oder Indien.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,29 $ | −0,52% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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