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Autozulieferer Continental könnte bald Schaeffler führen

24.04.2009 ·  Die Familie Schaeffler hat sich mit der Übernahme von Continental übernommen. Geht es nach dem Willen von kreditgebenden Banken und Politik, kehrt sich die Übernahme um: Continental soll Schaeffler operativ führen - und retten.

Von Carsten Knop und Hendrik Ankenbrand
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Im Ringen um eine gemeinsame Zukunft der Autozulieferer Continental und Schaeffler wird nun auch intensiv über einen Zusammenschluss der beiden Konzerne unter der operativen Führung von Continental AG diskutiert. Wie es heißt, sollen sowohl die kreditgebenden Banken als auch die Politik diese Lösung favorisieren. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wullf wollte sich am Rande der Hauptversammlung des Autoherstellers Volkswagen gegenüber der F.A.Z. nicht konkret zu den Gerüchten äußern, ließ aber durchblicken, dass die Variante „nachvollziehbar“ ist.

Der Konzern mit dann gut 33 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 200.000 Beschäftigten bliebe börsennotiert. Die Familie Schaeffler, die eigentlich gerade erst Continental kreditfinanziert gekauft hat, sich dabei aber übernommen hat, könnte als Ankeraktionär engagiert bleiben. Die Banken würden Kredite in eine direkte Beteiligung an dem Konzern umwandeln – und könnten auf eine Wertsteigerung ihres Engagements in der Zukunft hoffen.

Conti-Chef Neumann will innerhalb von maximal 100 Tagen Gesamtkonzept vorlegen

Der Vorteil dieser Lösung wäre auch, dass von den Hilfen durch Banken und der Bundesregierung oder dem Land Niedersachsen nicht die Unternehmerfamilie Schaeffler, sondern ein neuer Großkonzern Conti/Schaeffler profitieren würde. Beide Konzerne sind zusammen mit mehr als 20 Milliarden Euro verschuldet. Schon in einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ hatte es geheißen, die Kreditgeber hätten inzwischen eingesehen, dass eine Rettung von Schaeffler und Continental ohne Abschreibungen auf ihre Forderungen nicht funktioniere. Die Politik habe sich festgelegt, nur Bürgschaften zu gewähren und sich nicht direkt an den betroffenen Unternehmen zu beteiligen.

Karl-Thomas Neumann, der Vorstandsvorsitzende von Continental, ging auf seiner Rede auf der Hauptversammlung seines Unternehmens in Hannover auf die Gerüchte nicht ein. Allerdings machte er deutlich, dass die Zeit dränge: „Leider ist auch heute noch nicht klar, in welcher Konstellation die Continental AG und die Schaeffler Gruppe künftig kooperieren werden“, sagte Neumann. Er sehe die stark gesunkene Eigenkapitalausstattung „gewiss nicht ohne Sorge“. Die mit den Banken zur Jahreswende neu ausgehandelten Zinskonditionen gäben dem Konzern bis Ende 2010 zwar „mehr Flexibilität“. Es fehle jedoch ein Gesamtkonzept, räumte Neumann ein. Dieses wolle er innerhalb von maximal 100 Tagen vorlegen.

Dann werde geklärt, ob Conti die Gummisparte abstoßen werde oder nicht. Jedoch ist die Ankündigung auch in Bezug auf die Fusionspläne mit Schaeffler zu verstehen. „Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ist machbar“, sagte Neumann.

„Arbeit für alle bei Continental lässt sich nicht herbeidemonstrieren“

Zunächst muss Conti angesichts der enormen Verluste aber seine Sparmaßnahmen erheblich ausweiten. Ende April würden 25.000 Mitarbeiter und damit mehr als die Hälfte der deutschen Continental-Beschäftigten in Kurzarbeit sein, sagte Neumann. Das wären 5000 Mitarbeiter mehr als derzeit. Weil dies jedoch nicht reiche, seien die Schließungspläne für die beiden Reifen-Werke im französischen Clairoix und in Hannover-Stöcken fixiert und würden nicht mehr geändert, sagte Neumann

Neumann wiederholte frühere Äußerungen, nach denen es zu den Schließungen keine betriebswirtschaftliche Alternative gebe. „Arbeit für alle bei Continental lässt sich nicht herbeidemonstrieren“, sagte er. Eine Erholung der Automobilindustrie auf das bisher bekannte Niveau werde Jahre dauern. „Deshalb haben wir keine Wahl: Wir müssen das Haus Continental kleiner machen, auch über Restrukturierungen“, sagte Neumann.

Continental drücken vor allem die Schulden aus der mehr als 11 Milliarden Euro teuren Übernahme des Autotechnikspezialisten VDO, die sich im Nachhinein als deutlich zu teuer herausgestellt hat. Zusammen mit den Schulden des Großaktionärs Schaeffler KG, der direkt und über ein Bankenkonsortium insgesamt 90 Prozent der Conti-Aktien hält und dies komplett fremdfinanziert hat, ergeben sich die Verbindlichkeiten von mehr als 20 Milliarden Euro.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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