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Autozulieferer : Bosch braucht neue Zünder

Der Dieselskandal beschert der gesamten Autoindustrie ein Glaubwürdigkeitsproblem. Auch Bosch, dem größten Lieferanten von Dieseltechnologie. Bild: dpa

Bosch baut in Dresden eine neue Chipfabrik - für rund eine Milliarde Euro. Der Konzern soll so auch zum Gegenspieler von Google werden. Aber die Dieselkrise ignoriert man in Stuttgart immer noch. Ein Kommentar.

          Da ist er wieder, der gute alte Bosch, der tut, was man von ihm erwartet: investieren und Arbeitsplätze schaffen, möglichst in Deutschland, möglichst in hochinnovative Produktion, für das Beste vom Besten. An diesem Montag präsentiert sich der Stuttgarter Traditionskonzern genau in dieser Verfassung: Bosch-Vorstandsvorsitzender Volkmar Denner hat den Bau eines Halbleiterwerks in Dresden für rund eine Milliarde Euro verkündet. Die Investition ist ein wichtiges Signal. Die Chips aus der Dresdner Fabrik sind unter anderem Bausteine für die Mobilität der Zukunft. Man braucht sie, um Fahrzeuge schlau zu machen und zu vernetzen, damit sie immer selbständiger werden und letztlich autonom fahren können.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Die Fabrik von Bosch ist ein Sinnbild für die Hoffnung, dass die deutsche Autoindustrie den Wandel schafft oder sogar maßgeblich vorantreibt und damit den Wohlstand hierzulande erhält. Eine trügerische Hoffnung, fürchten Pessimisten. Sie verweisen darauf, dass Internetkonzerne wie Apple oder Google oder auch ganz neue Wettbewerber den Autokonzernen den Rang ablaufen könnten. Dass Newcomer wie Tesla oder auch die Deutsche Post mit dem Bau von Elektrofahrzeugen schnelle Erfolge feiern, lässt erahnen, dass die Gefahr real ist.

          Geschickte Inszenierung des Wandels

          Bosch selbst steht im Zentrum dieses Umbruchs. Auch wenn an Tagen wie diesen die heile Welt greifbar nah scheint, so ist das vor allem einer geschickten Inszenierung zu verdanken. Die Stuttgarter programmieren Mobilitäts-Apps, nehmen den Autofahrern das Parkplatzsuchen ab und zeigen den Haushaltsroboter Kuri, um sich als Pionier auf wichtigen Zukunftsfeldern zu präsentieren.

          Immer klarer wird so die Strategie, die der seit nun fünf Jahren amtierende Konzernchef Volkmar Denner verfolgt. Er hat die Chancen der Vernetzung erkannt und will aus Bosch quasi einen Google-Antipoden bauen. Weil der Konzern ja nicht nur Weltmarktführer für Autoteile ist, sondern auch Waschmaschinen und Heizungen, Rasenmäher, Bohrhämmer und Sicherheitstechnik liefert, kann Bosch zumindest theoretisch schnell der Allround-Helfer für alle werden, wenn die Dinge mit künstlicher Intelligenz aufgerüstet und vernetzt werden, und daran wird vehement gearbeitet.

          Glaubwürdigkeitsproblem dank Dieselskandal

          Bevor es aber so weit kommen wird, muss Bosch die Dieselkrise überstehen, und das verschweigt man in Stuttgart geflissentlich. Am Anfang tat man den Dieselskandal noch als VW-Thema ab. Doch inzwischen hat die ganze Autoindustrie ein Glaubwürdigkeitsproblem, und wo immer von Manipulation von Abgaswerten die Rede ist, taucht der Name Bosch auf – selbstverständlich, denn Bosch ist der größte Lieferant von Dieseltechnologie. Ob der Zulieferer von den Manipulationen wissen musste oder sie sogar selbst mitgestaltet hat, bleibt für Außenstehende undurchschaubar.

          In Stuttgart werden alle Vorwürfe mit Schweigen quittiert. Man will den hochbezahlten Schadensersatzjägern aus Amerika keine Angriffsflächen für ihre Klagen bieten, lautet die Logik hinter diesem Verhalten. Es ist wohl auch aus der Erkenntnis geleitet, dass jede negative Schlagzeile die Unruhe vergrößern dürfte. Allein 50.000 Mitarbeiter von Bosch sind mit Dieseltechnik beschäftigt, noch. Ein Personalabbau ist wohl nur eine Frage der Zeit. Denn die Nachfrage nach Dieselautos lässt deutlich nach. Und bald, so unken Branchenkenner, könnte man auch Manipulationen bei Benzinmotoren finden.

          Das Vertrauen der Kundschaft aufrechterhalten

          Die Abkehr vom Verbrennungsmotor wird auf diese Weise stärker beschleunigt, als es der deutschen Autobranche recht sein kann, weil der Markt für Batteriefahrzeuge oder andere alternative Antriebe erst noch erobert werden muss, auch gegen neue Wettbewerber. Das Kunststück wird sein, noch lange möglichst viel mit der bewährten Technik zu verdienen. Dazu muss das Vertrauen der Kundschaft in die Zukunftsfähigkeit des Verbrennungsmotors aufrechterhalten werden, während behutsam das Interesse an neuen Technologien geweckt wird.

          Das Risiko, dass das misslingt, ist groß, vor allem, weil politische Entscheidungen erheblichen Einfluss haben können. Selbstbewusst nimmt Bosch aber in Anspruch, auch in der künftigen Autowelt die Nummer eins unter den Zulieferern zu sein, gleichgültig, ob die Marktführer dann noch dieselben sind wie heute. Der Bau einer zweiten Chipfabrik passt in diese Strategie.

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          Die nächste große Investition könnte der Einstieg in die Fertigung von Batteriezellen sein. Die Prüfung dieses Vorhabens wird knifflig. Denn dabei geht es um viele Milliarden Euro, und Bauruinen kann Bosch sich nicht leisten, auch wenn der Traditionskonzern finanziell immer noch solide dasteht. Für die Entscheidungsfindung wäre es sicher hilfreich, wenn es die Last des Dieselskandals nicht gäbe, wenn nicht Schadensersatzzahlungen und sogar Strafen drohten, wenn nicht Personalabbau und Rochaden im großen Stil vorbereitet werden müssten, wenn nicht so viele Kräfte mit den eigenen und den staatsanwaltlichen Ermittlungen der Manipulationsvorwürfe gebunden wären. Unabhängig von Schuld oder Reue gilt aber wohl: Der Schaden kann nur mit Angriff begrenzt werden. Alles andere käme einer Kapitulation gleich.

          Quelle: F.A.Z.

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