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Autosalon am Lac Léman Genf wird zur Messe „grüner“ Autos

05.03.2007 ·  Als VW auf dem Genfer Automobilsalon vor einem Jahr den Polo „Blue Motion“ vorstellte, interessierte das die wenigsten. Auf der diesjährigen Autoschau wird das Thema Umweltschutz dagegen eine ganz zentrale Rolle spielen.

Von Henning Peitsmeier
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Der Autosalon in Genf steht in diesem Jahr im Zeichen des Klimaschutzes. Und Volkswagen hatte den Trend zu umweltverträglichen Autos schon ein Jahr früher erkannt: Auf der Schweizer Automesse stellte der damalige Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder ein neues Drei-Liter-Auto vor, den Polo „Blue Motion“, er redete über Biokraftstoffe und Ökobilanzen - und fand mit seiner grünen Botschaft kaum Gehör.

Das war vor genau einem Jahr. Pischetsrieder ist inzwischen seinen Job los. Doch das Thema Umweltschutz wird auf der diesjährigen Autoschau am Lac Léman eine ganz zentrale Rolle spielen.

Kohlendioxidarmer Passat „Blue Motion“

Seit Wochen reden Automanager über den Kohlendioxidausstoß ihrer Fahrzeuge so selbstverständlich wie früher nur über Spaltmaße oder Drehmoment. Pischetsrieders Nachfolger an der Spitze von Volkswagen, Martin Winterkorn, wird auf dem 77. Genfer Automobilsalon (8. bis 18. März) nun einen VW Passat „Blue Motion“ präsentieren, der so wenig Kohlendioxid ausstößt wie kein anderes Fahrzeug seiner Klasse.

Auf exakt 5,1 Liter Diesel kommt die Limousine nach Herstellerangaben, entsprechend niedrig ist die CO2-Emission von lediglich 136 Gramm je Kilometer. Damit kommt der Passat nah an den Durchschnittsgrenzwert von 130 Gramm, den Neuwagen bis zum Jahr 2012 erreichen sollen. Bisher verfehlen die Modellpaletten der Autohersteller diese Grenze noch deutlich (siehe Grafik). Und darüber spricht man in Genf.

Toyota zeigt die nächste Hybrid-Generation

Der Ökoanstrich ist neu für das Branchentreffen am Fuße des Montblanc. Eigentlich ist der Autosalon als Messe bekannt, auf der die Autokonzerne gern ihre großen Studien und Exponate vorstellen und auf der kleine, unabhängige Designfirmen einen Blick in die automobile Zukunft werfen. Preiswerte Ökoautos standen früher meist im Schatten eleganter Luxuslimousinen. Rund 770.000 Besucher werden sich an den Ständen der 250 Aussteller ein Bild davon machen, wohin die Reise im Autojahr 2007 geht. Das Kalkül der Aussteller ist einfach: In Zeiten des Klimawandels schauen die Käufer bei Neuwagen nicht nur auf Prestige und Pferdestärken, sondern achten auf die Verbrauchswerte. Und so rücken sparsame Autos stärker ins Blickfeld.

Weil spätestens seit der Klimadiskussion der Hybridantrieb Thema ist, nutzen die Asiaten die Automesse, um ihren Vorsprung in dieser Technologie zu demonstrieren. Toyota zeigt schon die nächste Generation der Otto-Elektromotoren-Kombination, die von 2008 an in der Neuauflage des Prius zum Einsatz kommen soll. Die Toyota-Luxusmarke Lexus bringt den Antriebszwitter in ihrem Oberklasse-Modell LS 600h: Die Verbindung von V8-Benziner und Elektromotor soll die Limousine mit rund 450 PS antreiben - zu Verbrauchswerten eines Sechszylinders.

Auch Kia kommt mit einem Hybridantrieb

Honda stellt ein Hybrid-Sportcoupé vor, das als Studie debütiert. Und sogar die Koreaner, die bisher nicht als Technologieführer auffielen, mischen mit: Kia stattet das Kompaktmodell Rio in der Vorserie mit einem Hybridantrieb aus. Damit treffen sie den Zeitgeist: In Deutschland erwägt laut einer Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest schon jeder vierte Autofahrer die Anschaffung eines Hybridfahrzeugs.

Die deutschen Hersteller können solche Autos noch nicht anbieten. Zwar haben BMW und Daimler-Chrysler angekündigt, ihre Zusammenarbeit bei Hybridantrieben ausbauen zu wollen. Aber ihre Kombination von Benzin- und Elektromotor wird wohl erst in den kommenden drei Jahren zur Marktreife entwickelt sein.

Vieles in Genf ist Zukunftsmusik

Dennoch ist auch auf den Ständen der Deutschen viel „Grünes“ zu sehen. Audi stellt das Serienmodell A3 mit einem 1,9-Liter-Dieselmotor vor, der nur 119 Gramm Kohlendioxid ausstoßen soll. Und Mercedes-Benz zeigt erstmals die besonders umweltverträgliche „Bluetec“-Abgasreinigungstechnik in Kombination mit einem verbrauchsoptimierten Vierzylindermotor. Die Vision „C 220 Bluetec“ blickt dabei acht Jahre voraus und zeigt, wie im Jahr 2015 die für alle Neufahrzeuge weiter verschärfte Abgasnorm Euro 6 erfüllt werden kann. Dass Hybrid- und Dieselmotor nicht die einzigen Alternativen sind, wollen die Schweden beweisen. Saab präsentiert ein Ethanol-Fahrzeug mit 300 PS. Das Konzept-Auto Saab 9-5 „Bio Power 100“ verfügt über einen Ottomotor, der für den Betrieb mit reinem Ethanol (E100) ausgelegt wurde.

Vieles in Genf ist Zukunftsmusik. Die Realität auf Europas Straßen sieht anders aus. In den jüngsten Zulassungszahlen hat sich die CO2-Diskussion noch nicht niedergeschlagen. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg ist der Trend zu großen, leistungsstarken Autos ungebrochen. So verzeichnete das Segment der sportlichen Geländewagen (SUV) im Februar einen Zuwachs von 2,8 Prozent. Noch stärker legten die Sportwagen zu. Immerhin: Der sparsame Dieselmotor wird nun häufiger nachgefragt. 48,7 Prozent der Neuwagen sind mit einem Selbstzünder ausgerüstet.

Quelle: F.A.Z., 05.03.2007, Nr. 54 / Seite 15
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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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