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Automobilzulieferer Manipulationsvorwurf gegen Continental

19.01.2005 ·  Ein vorderer Platz im Reifentest ist viel wert, schließlich informieren sich viele Käufer in solchen Ranglisten. Continental wird jetzt vorgeworfen, für Vergelichstests speziell präparierte Reifen geliefert zu haben.

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Der Continental AG, Hannover, wird vorgeworfen, für Vergleichstests manipulierte Reifen zur Verfügung zu stellen. In einem von der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" durchgeführten Vergleichstest hatte der Winterreifen Continental Viking Contact 3 den ersten Platz belegt. Später haben die Tester nach eigenen Angaben im Handel einen Serienreifen erstanden, dessen Eigenschaften von denen des Testreifens abwichen - und der in dieser Konfiguration den Vergleichstest nicht gewonnen hätte.

Genauso sei es der Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport" (Norwegen) ergangen, die speziell auf ihre Testbedingungen abgestimmte Reifen erhalten habe. "Continental scheut keinerlei Aufwand. Sie fertigen für jede Fachpublikation maßgeschneiderte Reifen, um die Tests zu gewinnen", schlußfolgert "Aftonbladet".

Vergleichstests beeinflussen die Kaufentscheidung

Für die Hersteller sind derartige Vergleichstests von großer Bedeutung. Wer auf den ersten drei Plätzen landet, kann mit signifikant höherem Absatz rechnen. Vor allem den Vergleichstests von Winterreifen messen die Hersteller hohe Bedeutung bei, weil die Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften genau zu dem Zeitpunkt erscheinen, an dem die Autofahrer umrüsten. Der Markt für Winterreifen beträgt allein in Deutschland fast 20 Millionen Stück. In der Branche wird geschätzt, daß davon rund 10 Prozent von "Wechselwählern" bestimmt werden, die sich durch Vergleichstests in ihrer Kaufentscheidung beeinflussen lassen.

Continental bestreitet den Vorwurf: "Bei uns wird nicht betrogen", sagt Unternehmenssprecher Rainer Strang. Continental gebe nur Reifen in Tests, die so später als Serienreifen auf den Markt kämen. Abweichungen könnten höchstens im Toleranzbereich auftreten, was an der zeitlichen Verzögerung zwischen Test und Markteinführung liege. Die von "Aftonbladet" angeführten Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, denn die Tester hätten bei ihrem Kauf im Handel eine andere als die zuvor getestete Reifendimension erstanden. "Andere Größen haben andere Eigenschaften", sagt Strang.

Continental hat keinen tadellosen Ruf

Der Konkurrent Pirelli stützt diese Argumentation: "Es gibt Varianten, die von außen kaum zu unterscheiden sind. Da kann es schon mal zu Verwechslungen kommen. Wir stellen Reifen des gleichen Typs in 8 bis 9 verschiedenen Versionen her, denn Audi hat andere Anforderungen als BMW oder Peugeot, Vorderradantrieb erfordert andere Reifen als Hinterrad- oder Allradantrieb", sagt Pirelli-Sprecher Felix Kinzer.

Allerdings hat Continental in der Branche keinen tadellosen Ruf. Beim ADAC, der auch für die Stiftung Warentest prüft und mit seinem Reifentest in Deutschland als Maßstab gilt, sei ein derartiger Fall auch schon vorgekommen, heißt es aus München. Der Reifen sei aus dem Test genommen worden. Die Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport" hatte 2001 Auffälligkeiten festgestellt. "Der Reifen fiel zunächst sehr positiv auf. Doch Wunder gibt es eben nicht. Nach wenigen Testrunden zeigte der Conti nicht den üblichen Verschleiß, sondern ein weit über die Grenze des Üblichen strapaziertes Profil mit Ausbrüchen", schrieben die Tester - und disqualifizierten den Reifen kurzerhand.

Betrugsvorwürfe hinter vorgehaltener Hand

Der ADAC versucht, Manipulationen aus dem Weg zu gehen, indem der Automobilclub seine Testreifen im Handel erwirbt. Das ist allerdings nicht immer möglich. Winterreifentests haben einen langen Vorlauf, sie werden im Frühjahr durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Serienproduktion in der Regel noch nicht angelaufen. Deshalb sind die Tester oft auf Zulieferungen der Hersteller angewiesen. Spätere Stichproben sollen sicherstellen, daß nicht geschummelt wird.

Hinter vorgehaltener Hand werden freilich immer wieder Betrugsvorwürfe herumgereicht. Auch die schwedischen Tester gehen davon aus, daß nahezu alle Hersteller mehr oder weniger geschickt versuchen, speziell präparierte Reifen in die Tests zu schicken. "Nur Michelin scheint nicht zu betrügen - womit sich erklären würde, warum die Franzosen recht selten Tests gewinnen", folgert "Aftonbladet".

Quelle: hap., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2005, Nr. 15 / Seite 17
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