31.01.2005 · Die Qualitätsprobleme beim Zulieferer Bosch haben weitreichende Konsequenzen: Nicht nur BMW, auch Daimler-Chrysler muß wohl seine Produktion anhalten. Noch ist unklar, wer zahlen muß.
Nach BMW will nun auch Daimler-Chrysler die Diesel-Produktion wegen einer fehlerhaften Einspritzpumpe von Bosch stoppen: Am Montag und Dienstag in der kommenden Woche werden keine Dieselmodelle im Werk Sindelfingen produziert, wie unternehmensnahe Kreise berichteten.
Ein Daimler-Chrysler-Sprecher lehnte am Montag in Stuttgart auf Nachfrage eine Stellungnahme ab. Er sagte, wegen des Lieferengpasses würden zur Zeit im Werk Sindelfingen und Bremen verstärkt Benzinmodelle gefertigt. „Wir halten die Produktion aufrecht.“ Der Daimler-Chrysler-Sprecher sagte, der Autobauer sei zuversichtlich, die Produktionsrückstände aufholen zu können. Von dem Problem seien die C-, E- und S-Klasse betroffen.
Keine Aussagen über Entschädigungen
Bei der betroffenen Dieselpumpe gab es nach Angaben von Bosch bei einem Zulieferteil Probleme mit der Beschichtung. Ein Bosch-Sprecher sagte, es werde versucht, daß Problem kurzfristig zu lösen. Die Qualitätssicherung von Bosch habe nicht versagt. Man sei zuversichtlich, daß man die Schwierigkeiten kurzfristig beheben und den Lieferengpaß damit beenden könne.
Wieviel der Pumpen insgesamt von den Qualitätsproblemen betroffen sind, und ob Bosch möglicherweise die Hersteller entschädigt, wollte der Sprecher nicht sagen. Dem Vernehmen nach bereitet ein Teil des Einspritzsystems Probleme, das Bosch bei einem anderen Zulieferer zukauft. Bosch wollte das nicht bestätigen: „Jetzt Schuld zuzuweisen bringt niemandem was“, sagte der Sprecher.
Panke: „Die Situation ist ungemütlich“
BMW-Chef Helmut Panke erklärte, daß es wegen der Probleme bei Bosch bei rund 3.600 Neuwagenkunden zu Lieferverzögerungen kommen werde. Wann die betroffenen Kunden ihre Fahrzeuge ausgeliefert bekommen, lasse sich noch nicht sagen.
„Die Situation ist ungemütlich“, sagte Panke. Er schloß Regressansprüche nicht aus: „Wir lösen erst die Probleme und regeln dann, wer zahlt.“ Wegen des fehlerhaften Bauteils mußte der Konzern die Werksferien in Werk Dingolfing um drei Tage verlängern, da der Fertigungsprozeß laut Panke nicht auf die Schnelle umgestellt werden konnte.
VW baut die Pumpe nur beim Phaeton ein
Auch Audi ist von den Lieferproblemen bei Bosch betroffen, allerdings in geringem Ausmaß, wie ein Sprecher des Ingolstädter Autobauers sagte. Es gebe keine Auswirkungen auf die Produktion oder die Auslieferungen. Von dem Fehler seien nicht alle Motoren betroffen, nur bestimmte Chargen. Die Fahrzeuge würden fertig gestellt und das defekte Teil ausgetauscht, sobald es verfügbar sei. Angaben über Stückzahlen wollte der Sprecher nicht machen; sie lägen aber deutlich geringer als bei den Mitbewerbern, sagte der Audi-Sprecher.
Volkswagen ist nur im geringen Ausmaß betroffen. Bei der Marke VW wird dieser Motor nur im Topmodell Phaeton eingebaut, aber laut Sprecher gibt es dort kein „Volumenproblem“. Grundsätzlich hat sich der Volkswagenkonzern für eine andere Diesel-Technik entschieden als Mercedes oder BMW: Volkswagen setzt auf die Pumpe-Düse-Technik, die mehrere Pumpen für das Einspritzen des Diesels in die Zylinder vorsieht. Mercedes und BMW haben sich für die „Common Rail“-Technik entschieden, die mit einer Pumpe auskommt.
Keine Unterbrechungen bei Opel
Der Autobauer Opel ist von den Problemen mit Einspritzpumpen für Sechs-Zylinder-Dieselmotoren primär nicht betroffen. Wie Firmensprecher Karl Mauer berichtete, stammen die Dieselpumpen für die bei Opel eingesetzten Sechs-Zylinder-Motoren von einem japanischen Hersteller. Opel verwende allerdings für die 1,9-Liter-Dieselmaschine von Astra und Vectra eine Bosch-Pumpe für Vier-Zylinder-Motoren. Diese sei mit der größeren Pumpe in ihrer Konstruktion identisch.
Derzeit würden bei Opel Tests durchgeführt, ob die bekannten Probleme auch bei dieser Pumpe aufträten. So lange dies nicht geklärt sei, habe Opel die Fertigung zahlreicher Dieselfahrzeuge zurück gestellt, sagte Mauer. Diesel-Fahrzeuge mit der fraglichen Pumpe an Bord würden bis zur Klärung nicht ausgeliefert. Zu Produktionsunterbrechungen werde es aber nicht kommen.
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