09.09.2009 · Sollte der Verwaltungsrat von GM tatsächlich entscheiden, Opel im Konzern zu behalten, dann stünden die Amerikaner vor erheblichen Finanzierungsproblemen. GM würde dafür bis zu 6,1 Milliarden Dollar benötigen. Ende November wird auch der Kredit über 1,5 Milliarden Euro von Bund und Länder fällig.
Von Christoph Ruhkamp und Roland LindnerDass die Bundesregierung und General Motors (GM) sich bisher nicht über den richtigen Eigentümer für Opel einigen können, stellt beide Seiten vor ein Dilemma. Denn Ende November wird der Kredit über 1,5 Milliarden Euro fällig, den Bund und Länder dem Autohersteller im Juni gegeben haben. Gezahlt werden müssen dann auch 6,5 Prozent Zinsen, wie aus Kreisen der Opel-Treuhand berichtet wird. Der Kredit sei zu fast 100 Prozent mit Vermögen des Unternehmens als Pfand besichert, darunter Grundstücken und Fabriken.
Sollte der Verwaltungsrat von GM nach seiner Sitzung an diesem Mittwoch tatsächlich durchblicken lassen, dass der Konzern Opel selbst behalten will, dann stünden die Amerikaner vor einem erheblichen Finanzierungsproblem. „GM bräuchte dann zunächst einmal einen konkreten Finanzierungs- und Geschäftsplan für Opel“, sagte Thomas Schäfer, der Verhandlungsführer der vier Bundesländer mit Opel-Standorten, der F.A.Z. Einen solchen Plan habe der Verwaltungsrat aber bisher nicht vorweisen können.
Finanzierungszusagen nur für den Verkauf an Magna
Das Problem: Bund und Länder haben eine Finanzierungszusage von 4,5 Milliarden Euro nur für den Fall gemacht, dass GM sich für den Verkauf von Opel an den Autozulieferer Magna entscheidet. Keine staatlichen Hilfen aus Deutschland soll es geben, wenn Opel bei GM bleibt oder an den Finanzinvestor RHJI verkauft wird.
GM wäre zwar dem Vernehmen nach bereit, rund 1 Milliarde Euro aus der eigenen Kasse für Opel aufzubringen und hofft zudem auf ergänzende Staatskredite über eine weitere Milliarde Euro aus Spanien, England und Polen. Aber auch diese Summe würde bei weitem nicht für die Sanierung von Opel ausreichen, wenn der Staatskredit zurückgezahlt werden muss.
Dann droht ein Milliardenloch. Einerseits ist es zwar unwahrscheinlich, dass die deutsche Politik Opel ohne Not in die Insolvenz schicken würde. Aber auszuschließen ist diese Option nach der Bundestagswahl nicht mehr, weil dann der Einfluss der Arbeitnehmervertreter auf die Politik deutlich schwindet. Zumal sich die Liquiditätssituation von Opel sehr schnell zuspitzen könnte, sobald die Lieferanten ab November aus Verunsicherung Vorkasse für ihre Lieferungen verlangen.
Bei einem Verbleib von Opel im Konzern würde GM wohl mit bis zu 6,1 Milliarden Dollar in bar deutlich mehr Mittel benötigen als bisher angenommen, wie aus einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG für den Verwaltungsrat hervorgeht, der der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstagabend vorlag. Die bisher von GM kalkulierten Zusatzkosten von 4,65 Milliarden Dollar seien „übertrieben optimistisch“ gewesen, heißt es in dem KPMG-Bericht.
Verbleib von Opel im Konzern wäre auch politischer Zündstoff
Dass der GM-Verwaltungsrat klar für den Verbleib von Opel im Konzern plädiert, gilt als unwahrscheinlich – weil dies einem Gesichtsverlust für viele deutsche Politiker gleich käme: Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew haben sich stets für den Investor Magna eingesetzt. Zudem wäre mit hartem Widerstand der Gewerkschaft und der Betriebsräte zu rechnen, die schon mehrfach damit drohten, ihren Lohnverzicht von rund 300 Millionen Euro jährlich wieder rückgängig zu machen, wenn nicht an Magna verkauft wird. Als denkbar gilt indes, dass GM eine verklausulierte Absage an Magna formuliert.
Die Alternative, Opel zu behalten, hätte auch für GM in Amerika den meisten politischen Zündstoff. Nach dem im Juli beendeten Insolvenzverfahren gehört der Autokonzern mehrheitlich der amerikanischen Regierung, die schon rund 50 Milliarden Dollar in das Unternehmen gesteckt hat. GM hat sich vorgenommen, bis Juli 2010 wieder an die Börse zu gehen und mit dem eingesammelten Geld einen Teil der Staatskredite zurückzuzahlen. Ein Festhalten an Opel hieße, dass GM entgegen der Planung noch einen weiteren Sanierungsfall im Konzern hätte – neben dem ohnehin stark restrukturierungsbedürftigen Stammgeschäft in Amerika. GM ist auf seinem Heimatmarkt noch immer in äußerst schwacher Verfassung, wie die jüngsten Absatzzahlen unterstreichen: Während der gesamte Automarkt in Amerika im August dank der staatlichen Abwrackprämie gegenüber dem Vorjahr einen leichten Zuwachs bei den Verkaufszahlen erlebt hat, stürzte der Absatz bei GM um 20 Prozent ab.
Obamas Regierung hält sich demonstrativ raus
Trotz der politischen Dimension der Entscheidung hält sich die amerikanische Regierung demonstrativ aus dem Geschehen um Opel heraus. Präsident Barack Obama hat sich seit dem Ende der Insolvenz zumindest nicht öffentlich in Entscheidungen bei GM eingemischt – ganz anders als in den Monaten vorher, als er zum Beispiel den Rücktritt des damaligen Vorstandsvorsitzenden Rick Wagoner erzwungen hat. Die öffentliche Zurückhaltung von Obama dürfte mit vielfach geäußerten Befürchtungen zu tun haben, GM könnte als Staatskonzern allzu sehr in die politischen Mühlen geraten und dabei in seiner Sanierung behindert werden. Speziell mit Blick auf Opel ließ die Regierung verlauten, der Präsident wolle GM die Entscheidungen über sein Geschäft selbst überlassen. Sollte aber tatsächlich ein Votum für einen Verbleib von Opel im Konzern getroffen werden, dürfte mit kritischen Stimmen aus der Politik zu rechnen sein, die fürchten, amerikanische Staatshilfen könnten nach Europa abfließen.
Die Hängepartie um Opel ist eine der ersten großen Bewährungsproben für den GM-Vorstandschef Fritz Henderson, der Wagoner beerbt hat. Sie unterstreicht, dass Henderson bei der Führung von GM unter strenger Aufsicht des neu besetzten Verwaltungsrats steht, anders als sein Vorgänger Wagoner, dessen Kurs vom früheren Verwaltungsrat meist widerstandslos abgesegnet wurde. Der neue Verwaltungsrat unter Führung von Ed Whitacre hatte sich bei seiner Sitzung vor wenigen Wochen geweigert, sich für einen der beiden Interessenten für Opel zu entscheiden, nachdem Henderson die zwei Konzepte vorgestellt hatte. Stattdessen wurde Henderson zum Nachsitzen geschickt und beauftragt, die Option eines Festhaltens an Opel eingehender zu prüfen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |