11.09.2009 · Welche Erleichterung: Die Bundeskanzlerin kann ihren Wahlkampf ungestört von schlechten Nachrichten über Opel führen. Bravo! Doch ist Beifall wirklich angebracht? Oder ist das schöne Bild vom edlen Retter Magna eher so etwas wie eine Auto-Suggestion?
Von Carsten KnopWelche Erleichterung: Die Bundeskanzlerin kann ihren Wahlkampf ungestört von schlechten Nachrichten über Opel führen. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident muss nach dem nun doch angekündigten Verkauf von Opel an den Zulieferer Magna nicht die Schließung des Werks in Bochum befürchten.
Damit bekommen auch die Mitarbeiter, allen voran der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz, ihr Wunschergebnis, für das sie so wacker gekämpft haben. Zu verdanken haben die Deutschen das nur der Standhaftigkeit aller Beteiligten, der frühen Festlegung auf Magna, der Klarheit und Geduld, die Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Steinmeier an den Tag gelegt haben. Jetzt hat Opel eine Perspektive, steht gar vor einem Neuanfang in größerer Unabhängigkeit von GM und wird mit den russischen Partnern von Magna die Märkte im Osten erobern. Bravo! Bravo?
Von Klarheit kann keine Rede sein
Leider entspricht das Bild nicht der Wirklichkeit. Es ist so etwas wie Auto-Suggestion, was die Kanzlerin ihren Wählern mit Blick auf die sogenannte Rettung von Opel seit Monaten zumutet. Von Klarheit kann auch jetzt keine Rede sein. Erleichterung ist deshalb fehl am Platz, jedenfalls aus Sicht der deutschen Steuerzahler, die nun für eine Finanzierung in Höhe von 4,5 Milliarden Euro geradestehen müssen.
Mittelfristig gilt das auch aus der Perspektive der Opel-Beschäftigten: Denn die Zusammenarbeit von Magna, Opel und GM ist nach wie vor mit der Schwierigkeit riesiger Überkapazitäten in der Autoindustrie konfrontiert. Der russische Automarkt, angeblich die große Hoffnung für die Zukunft, liegt am Boden. Der europäische Markt wurde von Abwrackprämien hochgepäppelt; einen Hersteller von Klein- und Mittelklasseautos wie Opel wird der Bumerang des Auslaufens der Prämie besonders treffen. Opel steht vor harten Jahren.
Zudem ist die Magna-Lösung ein Plan, der den Opel-Mitarbeitern in Großbritannien, Belgien und vielleicht auch in Polen und Spanien größere Opfer abverlangt als den Deutschen – was dort auf wenig Gegenliebe stoßen wird. Und: Niemand weiß, was die Russen wirklich vorhaben, welche Nachforderungen sie stellen werden. Dass die Amerikaner damit Schwierigkeiten hatten, ist kein Wunder. Dass sie jetzt doch einen weiteren Schritt in Richtung Magna gehen, zeigt nur eines: Ihnen fehlt einfach das Geld, um Opel weiter an sich zu binden. Auch das ist kein Grund zur Erleichterung.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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