10.07.2009 · Die Äußerung war deftig: Für „ein ziemlich starkes Stück“ hielte es der hessische Ministerpräsident Koch, wenn jemand ernsthaft eine Opel-Übernahme durch den chinesischen Autobauer BAIC erwäge. Damit stellt sich ein weiteres wichtiges Opel-Bundesland gegen die potentiellen Investoren aus China.
Das neue Angebot des chinesischen Autoherstellers Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC) für Opel stößt in der Politik weitgehend auf Widerstand. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) lehnt eine Übernahme von Opel durch BAIC ab. Es wäre „ein ziemlich starkes Stück“, wenn jemand ernsthaft an diese Lösung glaubte, wird Koch im „Hamburger Abendblatt“ zitiert. Der neue europäische Opel-Konzern könne nicht von einem chinesischen Unternehmen geführt werden, „das gerade 12.000 Autos pro Jahr produziert und noch nicht einmal über die Rückendeckung der chinesischen Regierung verfügt“, sagte Koch.
Er ist der Ansicht, der Einstieg des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna wäre „mit Blick auf die Zukunft von Opel, die Standorte und die Jobs in Deutschland und nicht zuletzt wegen der eingesetzten Steuergelder die beste Lösung“. Auch für Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (CDU) ist der Einstieg von BAIC der falsche Weg. „Mit BAIC habe ich als Investor für Opel ein Problem, weil die Chinesen Opel keine eigenständige Perspektive bieten“, sagte Posch dem „Handelsblatt“. „Damit erfüllt das Konzept der Chinesen nicht die Voraussetzungen, die wir an einen neuen Investor gestellt haben“, wird Posch weiter zitiert.
Auch andere Bundesländer gingen schon auf Distanz
Somit geht ein weiteres wichtiges Bundesland mit Opel-Standorten auf Distanz zu der Offerte der Chinesen. Hessen trägt allein 474 Millionen Euro zum staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro bei und ist damit eine gewichtige Säule im Rettungskonzept für den Rüsselsheimer Autohersteller. Zuvor hatten sich bereits Thüringen und Rheinland-Pfalz kritisch geäußert. Der Mainzer Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) bezeichnete das Angebot als „völlig indiskutabel“. Dem thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) zufolge ist die Entscheidung für Magna als Investor bereits gefallen. Er gehe davon aus, dass ausstehende Fragen bis zur nächsten Woche geklärt werden, berichtet die „Thüringer Allgemeine“.
Allerdings wird das chinesische Angebot nicht in allen Parteien abgelehnt. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, Otto Fricke (FDP), fordert eine genaue Prüfung der BAIC-Offerte. „Wenn die Bundesregierung nicht einmal das Gespräch mit den Chinesen sucht, riskiert sie ohne Not fast zwei Milliarden Euro Steuergeld“, sagte Fricke der „Rheinischen Post“. Während Magna für den Fall der Opel-Übernahme eine Bürgschaft von 4,6 Milliarden Euro verlangt, fordert BAIC rund 2,64 Milliarden Euro Staatsbürgschaft.
Der staatliche chinesische Autobauer BAIC bietet 660 Millionen Euro für einen Anteil an Opel in Höhe von 51 Prozent (siehe dazu auch: China konkretisiert Opel-Angebot). Der insolvente Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) würde den Vorstellungen der Chinesen zufolge mit 49 Prozent beteiligt, wenn die Vereinbarungen über die Opel-Patente BAIC zufriedenstellen. Das konkurrierende Angebot des kanadisch-österreichischen Magna-Konzerns, das derzeit von der deutschen Politik und dem Management von GM Europa noch favorisiert wird, sieht nur einen Anteil 35 Prozent für GM vor. 20 Prozent will Magna übernehmen, weitere 35 Prozent der russische Partner Sberbank, 10 Prozent gingen an die Opel-Mitarbeiter. BAIC will, wie es in einem Brief an GM heißt, gut 2 Milliarden Euro in den Bau eines Opel-Werks in China investieren.
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