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GM-Europachef Nick Reilly „Wir 'müssen' keine Opel-Standorte schließen“

20.11.2009 ·  Der amerikanische Autokonzern General Motors hält es für möglich, im Rahmen der Sanierung von Opel alle Fabriken zu erhalten. Das sagte der neue GM-Europachef Nick Reilly im Gespräch mit der F.A.Z. Es gebe verschiedene Wege, Kapazitäten abzubauen. Werksschließungen seien dafür nicht unbedingt notwendig.

Von Christoph Ruhkamp und Carsten Knop
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Der amerikanische Autokonzern General Motors hält es für möglich, im Rahmen der Sanierung von Opel alle Fabriken zu erhalten. „Wir ,müssen‘ überhaupt keine Standorte schließen. Was wir tun müssen, ist einen Teil der Kapazität abbauen“, sagte der neue GM-Europachef Nick Reilly im Gespräch mit der F.A.Z. Es gebe verschiedene Wege, dies zu tun. Werksschließungen seien dafür nicht unbedingt notwendig.

Damit hat sich Reilly dem Plan des abgewiesenen Kaufinteressenten Magna angenähert. Noch im Juni hatte GM selbst die Schließung der Fabriken in Antwerpen, Bochum und Eisenach geprüft. Um die jetzt geplante Sanierung umzusetzen, hofft der Konzern aber auf Staatskredite über 3,3 Milliarden Euro und muss deshalb Rücksichten nehmen.

Reilly: 2011 soll Opel wieder Gewinne erwirtschaften

In den laufenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften und Regierungen in Deutschland, Spanien und England will Reilly die Details der Restrukturierung in wenigen Wochen klären. „Dann müssen wir den Sanierungsplan bis spätestens Mitte Dezember vollenden und veröffentlichen“, sagte der Manager. Den binnen eines Jahres notwendigen Stellenabbau bezifferte er auf 9000 bis 10.000 der insgesamt 46.000 Stellen in Europa.

Im Jahr 2011 soll Opel wieder aus der Verlustzone kommen und 2012 einen „ordentlichen Gewinn“ erzielen. Den mit der Belegschaft vereinbarten Verzicht auf jährlich 265 Millionen Euro Lohn hält Reilly für ausreichend. Nach Informationen der F.A.Z. aus dem Betriebsrat wird sogar zum 1. Dezember das Weihnachtsgeld in voller Höhe von 63 Millionen Euro ausgezahlt.

„Wir können es gut verstehen, dass Frau Merkel enttäuscht war“

Zu der Frage, ob es einen Dissens zwischen Bund und Ländern über Staatshilfen gibt, traut sich Reilly keine Einschätzung zu. „Bisher habe ich nur Herrn Brüderle persönlich getroffen. Die Ministerpräsidenten werde ich erst Anfang nächster Woche das erste Mal sehen.“ Es gebe jedenfalls keine Absage des Bundes für Staatshilfe.

„Der Bund ist sehr interessiert daran, dass Opel eine Zukunft hat“, sagte Reilly. Zugleich entschuldigte er sich bei Bundeskanzlerin Angela Merkel für die unerwartete Absage des Verkaufs an Magna: „Wir können es gut verstehen, dass Frau Merkel enttäuscht war. Dennoch hoffe ich, dass sie Opel weiter als ein für Deutschland wichtiges Unternehmen einstufen wird und uns unterstützen wird.“

In dem für Montag geplanten Treffen mit den EU-Kommissaren und Wirtschaftsministern will Reilly erklären, warum GM sich entschieden hat, Opel zu behalten. „Zudem wollen wir den Regierungen darlegen, wie unser Plan in den Grundzügen aussehen könnte.“ Reilly wies den Vorwurf zurück, die Staatshilfe der einzelnen Regierungen könnte den Sanierungsplan beeinflussen: „Das trifft nicht zu.“

Ausschnitte aus dem Gespräch:

Herr Reilly, die Entscheidung von GM, Opel zu behalten, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel völlig unvorbereitet getroffen. War das klug?

Nein, das war sehr unglücklich. Aber es war eine Entscheidung des Verwaltungsrats. Wir konnten sie unmöglich länger geheim halten, weil ja jeder auf das Ergebnis wartete. Wir bedauern das sehr. Wir können es gut verstehen, dass Frau Merkel enttäuscht war. Dennoch hoffe ich, dass sie Opel weiterhin als ein für Deutschland wichtiges Unternehmen einstufen wird und uns unterstützen wird.

[...]

Manfred Wennemer, bis vor kurzem ein Mitglied des Opel-Treuhandbeirats, hält die Staatshilfe für Opel für unvereinbar mit einem vernünftigen Sanierungsplan ...

Diese Einschätzung teile ich nicht. GM würde gar nicht mehr existieren, wenn wir in Amerika keine Staatshilfe erhalten hätten. Ganz nebenbei haben sehr viele Unternehmen aus der Autoindustrie Staatshilfe erhalten. Da geht es nicht nur um Kredite, sondern auch um Abwrackprämien und Kurzarbeitergeld.

Besteht nicht die Gefahr, dass jedes einzelne Land mit einem Opel-Standort sich Arbeitsplätze durch Staatshilfen erkauft?

Wenn es so laufen würde, wäre das sehr dumm und kurzsichtig. Wir sind ein europäisches Unternehmen und wollen transparente europäische Entscheidungen treffen. Wir werden einige harte Entscheidungen treffen müssen, die einige Länder härter treffen als andere. Ich kenne das, weil ich vor einigen Jahren ein Vauxhall-Werk in England schließen musste.

Wie viele Fabriken müssen Sie jetzt schließen?

Wir „müssen“ überhaupt keine Standorte schließen. Was wir tatsächlich tun müssen, ist, einen Teil der Kapazität abzubauen. Wir müssen einen Teil der strukturellen Kosten abbauen. Und es gibt verschiedene Wege, dies zu tun. Es geht nicht notwendigerweise um ganze Werke. Über die Details möchte ich noch nicht sprechen. Aber wenn wir zehn Werke haben und wollen 20 Prozent der Kapazität abbauen, heißt das nicht, dass wir zwei Fabriken schließen müssen.

Wird die Staatshilfe für Opel nicht einfach die Sanierung auf die lange Bank schieben, so dass es in einigen Jahren zur nächsten Krise kommt?

Hinter dieser Frage steckt die Annahme, dass die Staatshilfe unseren Plan direkt beeinflusst. Das trifft aber nicht zu. Wir müssen eine 3,3 Milliarden Euro teure Sanierung finanzieren. Als GM in Amerika in die Insolvenz ging, hatten wir keinerlei Geld vom Mutterkonzern für das Europageschäft verfügbar. Auch die Kreditmärkte waren uns verschlossen. Um die Zukunft von Opel sichern zu können, mussten wir einen anderen Investor finden. Das waren natürlicherweise die Regierungen - und neue externe Partner. Seit GM die Insolvenz verlassen hat, wurde dem Konzern wieder einige Flexibilität gegeben, einen Teil des Geldes von GM auch außerhalb der Vereinigten Staaten einzusetzen - wenn es Sinn macht, um GM als globales Unternehmen zu stärken.

[...]

Das vollständige Interview mit Nick Reilly lesen Sie am Freitag in der F.A.Z.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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