06.05.2009 · Nach einer Fusion mit Opel will Fiat insgesamt zehn Werke schließen. Davon betroffen wären etwa 18.000 Beschäftigte. Auch Teilbereiche der Werke in Bochum, Kaiserslautern und Rüsselsheim stehen auf der Streichliste. Das geht aus einem internen Strategiepapier hervor, das der F.A.Z. vorliegt.
Von Andreas Mihm und Christoph RuhkampDie Übernahmepläne von Fiat für Opel und für die übrigen Europa-Aktivitäten von General Motors sind mit drastischen Sparmaßnahmen verbunden. Der italienische Konzern will zehn Autofabriken und Motorenwerke ganz oder teilweise schließen. Davon betroffen sind bei Fiat und GM/Opel zusammengerechnet etwa 18.000 der rund 108.000 Beschäftigten. Das geht aus einem internen Strategiepapier vom 3. April unter dem Titel "Project Football" hervor, das der F.A.Z. vorliegt. Fiat erklärte unterdessen, ein solcher Arbeitsplatzabbau und die genannten Werksschließungen seien nicht Teil eines von Fiat vorbereiteten Plans.
Nach einer Fusion sollen die GM-Endmontagewerke laut Strategiepapier an den englischen Standorten Luton und Ellesmere Port sowie im belgischen Antwerpen geschlossen werden. Das gleiche Schicksal droht den Fiat-Fabriken an den süditalienischen Standorten Pomigliano und Termini Imerese. Zusammengezählt nutzen Fiat und GM/Opel heute 23 Standorte, um fast 4 Millionen Autos zu produzieren. Die Hauptlast der geplanten Einsparungen würden England mit der Opel-Schwestergesellschaft Vauxhall und Italien tragen.
Deutschland ist in der Endmontage nicht von Schließungsplänen betroffen. Ganz oder teilweise geschlossen werden soll aber die Produktion von Motoren und Getrieben in Bochum, Kaiserslautern und Rüsselsheim. In diesen Unternehmensteilen arbeiten 3600 Beschäftigte. Die insgesamt zehn geplanten Schließungen sollen bis 2016 erfolgen, als Erstes das Werk in Antwerpen 2011.
Fiat will zusammen mit Opel und Chrysler einen der größten Autokonzerne der Welt schaffen. Das italienische Unternehmen beabsichtige, die traditionsreichen Autobauer zu einem einzigen Konzern zu verschmelzen, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne in Berlin. Die Opel-Werke in Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sollen erhalten bleiben, von der Schließung bedroht sein könnte das Werk in Kaiserslautern.
Rettung könnte teuer werden
Unterdessen bestätigte Magna erstmals offiziell sein Interesse an einer Minderheitsbeteiligung bei Opel. Die Pläne des kanadisch-österreichischen Zulieferkonzerns sind allerdings noch nicht so weit gediehen wie die von Fiat. Laut Branchenkreisen wird eine Kooperation mit dem russischen Autohersteller GAZ und der Sberbank angestrebt. Die Rettung Opels vor der Insolvenz könnte indes für den deutschen Steuerzahler teuer werden. Denn die Bundesregierung dürfte für den überwiegenden Teil der Milliarden-Staatsbürgschaften in Anspruch genommen werden, mit denen die Erwerber ihre Akquisition absichern wollen. Diese Einschätzung war am Dienstag aus Regierungskreisen zu hören.
Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte die staatlichen Bürgschaften für die Übernahme des Opel-Geschäfts von General-Motors zuvor auf 5 bis 7 Milliarden Euro beziffert. Da GM-Europa die meisten Arbeitsplätze in Deutschland habe, liege auf der Hand, dass Deutschland den größten Kostenanteil tragen müsse, hieß es in Berlin. Weitere GM-Aktivitäten sind über Belgien, Spanien, Großbritannien und Polen verstreut.
Guttenberg: Entscheidung fällt wahrscheinlich noch im Mai
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte angekündigt, man werde mit diesen Staaten über deren Beteiligung an Bürgschaften reden. Da Fiat und GM, aber auch Magna die Bundesregierung offenbar als Hauptansprechpartner sehen, müsste Berlin die Gespräche wohl koordinieren. Fiat wie Magna hatten zuvor deutlich gemacht, dass sie ohne eine Absicherung ihres Engagements durch staatliche Hilfen keine unternehmerische Verantwortung für Opel übernehmen wollten.
Marchionne stellte nach Irritationen klar, dass Fiat im Falle eines Einstiegs bei Opel alle vier deutschen Standorte, also auch Kaiserslautern, erhalten wolle. Guttenberg sagte, er halte es für möglich, die Zukunft von Opel im Laufe des Mai zu klären. Bis Ende Mai will auch die amerikanische Regierung über das weitere Vorgehen im Falle der Opel-Muttergesellschaft GM entscheiden. Sollte diese wie zuvor der Hersteller Chrysler Insolvenz anmelden, bedürfe es einer schnellen Auffanglösung für Opel. Fiat will sich auch an Chrysler beteiligen.
Der Bundesregierung käme ein Bietergefecht zwischen Fiat und Magna gelegen, weil das die Kosten der staatlichen Hilfe senken dürfte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |