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Automobilindustrie Wer rettet Opel: Putin, Fiat oder ein Investor?

19.05.2009 ·  Die Zeit drängt: Der General-Motors-Tochter Opel geht das Geld aus. Wenn in dieser Woche niemand eine Absichtserklärung für die Übernahme abgibt, droht dem Unternehmen die Insolvenz. Aber mögliche Käufer sind klamm. Der Staat wappnet sich gegen das Schlimmste.

Von Winand von Petersdorff und Holger Appel
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Für die Adam Opel GmbH wird es eng. Wenn in der nächsten Woche kein möglicher Käufer eine Absichtserklärung für die Übernahme abgibt, droht Opel samt Muttergesellschaft General Motors in die Insolvenz gezogen zu werden. GM nähert sich bisher ungebremst der Insolvenz, die in der übernächsten Woche eingeleitet werden könnte.

Von einer solchen Absichtserklärung ist auch das derzeit diskutierte Treuhändermodell für die GM-Tochter Opel abhängig. Nach diesem Modell wird Opel aus der amerikanischen Muttergesellschaft herausgelöst, bei einem Treuhänder geparkt und mit einem Überbrückungskredit finanziert, für den der Staat bürgt. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) setzt die möglichen Investoren für Opel unter Druck, schnell Konzepte vorzulegen. So wird seine Äußerung gedeutet, Opel könne insolvent werden. In Berlin wächst der Ärger, dass immer noch keine Geschäftspläne für das Rüsselsheimer Unternehmen vorliegen.

Der kanadisch-österreichische Magna-Konzern ist seit Wochen mit großer Mannschaft in Rüsselsheim, um die Zahlenwerke zu prüfen. Er will, wie aus dem Umfeld zu hören ist, noch in dieser Woche sein eigenes Modell präsentieren. Kernstück ist ein Produktionsverbund, an dem sich auch Peugeot und Ford beteiligen könnten. Mit diesem Verbund will das Magna-Konsortium die Fabrikkapazitäten kostengünstig nutzen und Leerlauf vermeiden.

Zum Gespräch mit Putin

Unklar ist allerdings noch, wer die Partner im Magna-Konsortium sind. Magna-Chef Siegfried Wolf macht sich offenbar Hoffnungen, noch in dieser Woche zu einem Gespräch mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin zusammenkommen zu können. Putin soll die Finanzierung über die russische Sberbank sicherstellen und den russischen Automarkt öffnen. Aus dem Rennen ist offenbar der Milliardär Oleg Deripaska, der ebenfalls als Magna-Partner gehandelt wurde. Er kämpft selbst mit schweren finanziellen Problemen. Zum Konsortium dazustoßen könnten allerdings die europäischen Opelhändler, die Ende der Woche in Wien ein Finanzierungsmodell verabschiedet haben.

Der zweite mögliche Bieter Fiat weckt in Regierungskreisen Zweifel, ob seine Strategie Opel und seinen Standorten nützlich ist und ob seine Finanzkraft ausreicht.

Hoffnungen der Politik, des Unternehmens und des Betriebsrats richten sich noch auf zwei Finanzinvestoren: Die Industrieholding RHJ International aus Brüssel, deren Ko-Chef der früherere Bankmanager Leonard Fischer ist, hat offenbar nur noch geringen Appetit auf Opel. Ernsthafter scheinen aber die Ambitionen eines vierten europäischen Finanzinvestors zu sein, der aber noch nicht aus der Deckung gekommen ist.

Doppelrolle für die KfW

Selbst wenn in dieser Woche die Absichtserklärungen der möglichen Käufer zur Opel-Übernahme vorliegen sollten, sind die Probleme noch nicht zu Ende. Um Opel dann davor zu bewahren, mit General Motors in den Abgrund gerissen zu werden, strebt der Bund bisher die Treuhänderlösung an. Dafür werden Finanziers und ein Treuhänder gesucht. Auf die staatliche KfW-Bank wird nach Informationen der F.A.Z. eine Doppelrolle zukommen. Sie dürfte der Treuhändler werden, obwohl sie sich nicht nach dieser Aufgabe drängt. Die Frankfurter haben allerdings Übung in der Rolle als Bewahrer der staatlichen Aktienpakete von Post und Telekom.

Das Institut bereitet sich zudem darauf vor, bis Mittwoch der kommenden Woche mehrere hundert Millionen auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen, um im Fall der Fälle bis zu 50 Prozent der Zwischenfinanzierung bereitstellen zu können. Der Bund soll für die Summe bürgen. Am morgigen Montag wollen die Bundesregierung und die Bankführung Details der Kreditaufnahme klären.

Insgesamt werden für die Treuhänderlösung mehr als eine Milliarde Euro benötigt. Sollte die Investorensuche sich in die Länge ziehen, kann es auch deutlich mehr werden. Außer der KfW sollen jene Landesbanken Geld beisteuern, in deren Gebieten Opelfabriken stehen. Die Helaba hat schon ihre Bereitschaft erklärt, sich an einem Finanzkonsortium zu beteiligen. Die West LB, in deren Gebiet das Bochumer Werk steht, kämpft selbst mit finanziellen Schwierigkeiten.

Die Treuhänderlösung ist unsicher

Doch selbst wenn die Treuhänderlösung finanziert werden kann, ist sie unsicher. Denn die amerikanische Regierung als größter Gläubiger der Muttergesellschaft General Motors und die Konzernführung selbst müssen der Herauslösung von Opel zustimmen. Während die Konzernleitung im Prinzip dazu bereit ist, sperrt sich offenbar das amerikanische Schatzamt. Seine Bedenken lauten, durch die Treuhänderlösung würden den Gläubigern im Insolvenzfall Vermögenswerte entzogen. Bundeswirtschaftsminister Guttenberg versucht die Regierung an diesem Wochenende trotzdem für die Treuhänderlösung zu gewinnen.

Die Zeit drängt so, weil die Insolvenz von General Motors inzwischen nur noch schwer zu vermeiden ist. Der Schicksalstag ist der 26. September. Dann läuft ein Angebot an die Gläubiger, ihre Anleihen in Aktien umzutauschen, aus. Damit würde General Motors Schuldverschreibungen im Wert von 27 Milliarden Dollar in neues Eigenkapital umtauschen. Die Inhaber der Anleihen würden so eine Beteiligung von insgesamt zehn Prozent erwerben. Eine Vertretung der Bonds-Inhaber verlangt jedoch einen Kapitalanteil von 58 Prozent.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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