Der Kurs der Porsche-Vorzugsaktien hat sich gestern deutlich erholt. Nachdem am Montag die Anleger schockiert auf die Nachricht reagiert hatten, daß der Stuttgarter Sportwagenbauer Großaktionär bei dem Wolfsburger VW-Konzern werden will und es zu Kursabschlägen im zweistelligen Bereich kam, zog der Kurs gestern schon wieder um gut 7 Prozent auf Werte um 650 Euro an.
Zuvor hatte Porsche-Finanzvorstand Holger Härter bei einer Veranstaltung mit Analysten in Siena gute Nachrichten verbreitet. „Porsche ist überzeugt, daß sich das Engagement bei Volkswagen gut rechnet und mittelfristig eine zweistellige Rendite auf das eingesetzte Kapital bringt“, sagte Härter gegenüber den Analysten. Diese Rendite berücksichtige sowohl die künftigen Dividendenzahlungen wie auch positive Synergieeffekte, die sich aus einer verstärkten Zusammenarbeit mit Volkswagen ergäben.
Ansehnliche Nettoliquidität bis 2007
Nach Angaben der Analysten von Sal. Oppenheim sagte Härter sogar, daß die VW-Beteiligung die Standardanforderungen an jedes Porsche-Investment erfülle, nämlich 15 Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital innerhalb von sieben Jahren. Die Suche nach Skaleneffekten sei einer der Impulse für den Einstieg bei dem deutlich größeren VW-Konzern gewesen, soll Härter weiter gesagt haben. Porsche habe aber keinesfalls die Absicht, bei Volkswagen ins Tagesgeschäft einzugreifen, wurde betont.
Porsche wolle 20 Prozent plus eine Aktie erwerben. Derzeit werde mit dem Volkswagen-Vorstand über die Möglichkeit verhandelt, die VW-eigenen Aktien zu kaufen. Offiziell hält Porsche noch nicht einmal 5 Prozent der VW-Anteile. Den Kaufpreis für das gesamte Paket von voraussichtlich rund 3 Milliarden Euro will Porsche aus den flüssigen Mitteln bezahlen, betonte ein Porsche-Sprecher am Dienstag.
Die Liquidität werde dadurch kurzzeitig zurückgehen. Finanzvorstand Härter habe vor den Analysten aber auch gesagt, aufgrund der guten Ertragslage und einem „anhaltend starken Cash-flow“ werde Porsche bereits im Geschäftsjahr 2006/2007 wieder eine „sehr ansehnliche Nettoliquidität“ haben. Die Realisierung aller geplanten Projekte sei nicht gefährdet.
Anleihen zur Verbesserung der Rendite
Weil Porsche-Finanzvorstand Härter den Analysten gegenüber nicht gänzlich ausschließen wollte, daß Porsche eine Anleihe auflegen könnte, kursierten schnell entsprechende Berechnungen. Bei Sal. Oppenheim wurde spekuliert, daß die Anleihe ein Volumen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro haben könnte, da Porsche ausdrücklich eine durchschnittliche Liquidität von 2 Milliarden Euro halten wolle. Porsche kommentierte dies nicht.
Das ertragreiche Familienunternehmen, das kein Rating vorweisen kann, hat aber bereits in der Vergangenheit mehrere Anleihen begeben, die unter Liquiditätsgesichtspunkten nicht notwendig gewesen wären, sondern eher im Hinblick auf Währungsabsicherung und eine weiteren Verbesserung der Rendite plaziert wurden.
Im vergangenen Frühjahr nahm Porsche im Wege einer Privatplazierung 625 Millionen Dollar am amerikanischen Kapitalmarkt auf. Dies war die größte Kapitalaufnahme dieser Art, die ein deutsches Unternehmen jemals in Amerika durchgeführt habe, hieß es damals. Daneben hat Porsche zwei Anleihen im Volumen von 556 Millionen Euro im Markt.
