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Automobilindustrie Toyota bleibt vom Pech verfolgt

17.02.2010 ·  Die Pannenserie beim japanischen Autobauer reißt nicht ab. Jetzt erwägt Toyota den Rückruf seines Erfolgsmodells Corolla in den Vereinigten Staaten wegen möglicher Probleme mit der Servolenkung.

Von Carsten Germis, Tokio
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Der Vorstandschef des japanischen Autoherstellers Toyota, Akio Toyoda, hatte den Tag eigentlich als Tag der guten Nachrichten für sein krisengebeuteltes Unternehmen geplant. Doch sein Plan war schnell Makulatur. Denn statt der guten gab es wieder schlechte Nachrichten. Der Chef des Weltmarktführers wollte darüber berichten, wie Toyota künftig sicherere Autos bauen will. Nun droht dem Konzern neuer Ärger. Toyoda schickte seinen Stellvertreter vor.

Geprüft werden jetzt nämlich von den Behörden auch mögliche Mängel an den Lenkungen des Modells Corolla. Der Coralla ist das meistverkaufte Modell der Welt. Im Moment prüfe Toyota, ob wegen Problemen mit dem Lenkrad beim Corolla ein weiterer Rückruf nötig sei, sagte Vizepräsident Shinichi Sasaki am Mittwoch in Tokio. Sasaki ist für die Qualitätskontrolle verantwortlich.

„Nach unseren Erkenntnissen spürt der Fahrer beim Lenken einen Widerstand“, sagte Sasaki. Sollten sich diese Berichte als berechtigt erweisen und als Mangel herausstellen, werde Toyota auch diese Fahrzeuge in die Werkstätten rufen. Die Zahl der Beschwerden – größtenteils aus den Vereinigten Staaten – liege aber unter hundert.

Video: Toyota-Stadt hat den Blues

Fast neun Millionen Autos bereits zurückgerufen

Toyota hatte in den vergangenen Wochen weltweit bereits fast neun Millionen Autos wegen Problemen mit dem Gas- oder dem Bremspedal zurückrufen müssen. Das sind mehr Autos, als der weltgrößte Autohersteller 2009 verkaufte. Vor allem in Amerika hat das Image von Toyota als Hersteller sicherer Autos durch die Pannenserie schwer gelitten.

Der Konzern hat wegen des Einbruchs beim Verkauf seine Produktion drosseln müssen. In Texas und Kentucky plant Toyota, die Produktion im März für zwei Wochen einzustellen. Die amerikanische Regierung hat das japanische Unternehmen bereits mehrfach aufgefordert, die Schwierigkeiten zu beseitigen und die Sorgen seiner Kunden ernster zu nehmen. Der amerikanische Kongress plant dazu in der kommenden Woche eine öffentliche Anhörung. Toyoda bekräftigte am Mittwoch mehrfach, dass er nicht nach Washington reisen werde, um dort persönlich zu den Problemen Stellung zu nehmen.

Der Nordamerika-Chef von Toyota, Yoshimi Inaba, habe sein Vertrauen und sei der richtige Mann, „um die Fragen und Sorgen der Kongressabgeordneten“ zu beantworten, sagte Toyoda. Er und die japanische Konzernzentrale würden ihn dabei mit allen Kräften unterstützen. In den Vereinigten Staaten hatten mehrere Politiker Toyoda aufgerufen, persönlich zu der Anhörung am kommenden Mittwoch zu erscheinen. Zuvor war in Medien von angeblich 34 Toten in den vergangenen zehn Jahren im Zusammenhang mit Sicherheitsmängeln bei Toyotas berichtet worden.

„Wir haben nie etwas verschleiert“

Energisch wies Toyoda Vorwürfe zurück, das Unternehmen habe Erkenntnisse über Sicherheitsprobleme bewusst zurückgehalten und vertuscht. „Wir haben niemals etwas verschleiert“, sagte er. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt Informationen zurückgehalten. Und wir werden das auch in Zukunft nicht tun.“ Die amerikanische Behörde für Verkehrssicherheit hatte zuvor ein Ermittlungsverfahren aufgrund klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten eingeleitet und Unterlagen über die Rückrufaktionen in Japan angefordert.

Sie will herausfinden, ob Toyota schnell genug auf die gefährlichen Defekte reagiert hat. Toyoda räumte ein, dass er nach Beginn der Pannenserie nicht schnell genug öffentlich dazu Stellung genommen habe. Er habe über die Vorwürfe nachgedacht, die ihm gemacht worden sind, und werde das bei seinen künftigen Anstrengungen berücksichtigen, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Er kündigte an, persönlich die Arbeitsgruppe zu leiten, die die interne Qualitätskontrolle verbessern und die Reaktion des Unternehmens auf entdeckte Mängel beschleunigen soll. Die erste Sitzung soll am 30. März stattfinden. Regional werden Sicherheitsbeauftragte ernannt, die Hinweise und Beschwerden von Kunden umgehend an die Gruppe nach Japan weiterleiten. Toyota werde mehr Informationen sammeln und an die Kunden weitergeben. Die zweite gute Nachricht, die Toyoda für diesen Mittwoch vorbereitet hatte, ist, dass das Unternehmen künftig alle Modelle mit einem Sicherheitsbremssystem ausrüstet. Dieses Sicherheitssystem soll den Motor sofort abschalten, wenn der Fahrer mit den Füßen auf Bremse und Gaspedal gleichzeitig tritt. Das neue Sicherheitssystem soll auch von unabhängigen Gutachtern untersucht werden, kündigte Toyoda an.

In Japan hat sich das Unternehmen in ganzseitigen Anzeigen in lokalen und nationalen Tageszeitungen für den Rückruf von vier Hybrid-Modellen wegen Bremsenproblemen, darunter auch den Toyota Verkaufs- und Imageschlager Prius, entschuldigt. 70 bis 80 Prozent der Reparaturen seien bis Ende dieses Monats abgeschlossen, sagte Toyoda. Das Unternehmen werde sicherstellen, dass die Reparatur bei allen Autos so schnell wie möglich abgeschlossen werden kann. Toyota strenge sich sehr an, das verlorengegangene Vertrauen der Verbraucher wieder zurückzugewinnen.

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Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.

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