Home
http://www.faz.net/-gqi-xr15
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Automobilindustrie BMW prüft Produktion weiterer Modelle in Amerika

 ·  Vertriebschef Robertson hält es für denkbar, Dreier und Fünfer in den Vereinigten Staaten zu produzieren. Schließlich bleibe Amerika auf absehbare Zeit der größte Markt für Oberklassehersteller.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Der Münchener Autohersteller BMW erwägt eine Ausweitung der Produktion in Amerika. Denkbar und grundsätzlich sinnvoll sei sowohl die Herstellung des am meisten verkauften BMW-Dreier-Modells als auch des höherwertigen Fünfers in den Vereinigten Staaten, sagte Vertriebschef Ian Robertson am Rande der Automesse in Detroit. Es gebe zwar keine konkreten Pläne, aber „ich würde das keinesfalls ausschließen“, sagte der Manager, denn Amerika bleibe auf absehbare Zeit der größte Markt für Oberklassehersteller. BMW sei dort auch jetzt schon stark verwurzelt.

Im Werk in South Carolina rollen schon jetzt die Modelle X3, X5 und X6 vom Band. Außerdem gibt BMW in Amerika jedes Jahr mehr als 5 Milliarden Dollar für den Einkauf von Komponenten aus. „Jedenfalls wäre die Produktion zusätzlicher Modelle nicht unbedingt ein Problem. Die Fabrikhalle in Spartanburg bietet dafür noch genug Platz“, sagte Robertson.

Dennoch ist die Ausweitung der Produktion in Amerika heikel. Denn wenn BMW von den genannten Modellen nicht noch deutlich mehr als bisher in Amerika verkauft, würde eine solche Produktion auch die Verlagerung von Arbeitsplätzen von Deutschland nach Amerika bedeuten. BMW beschäftigt hierzulande drei Viertel der Mitarbeiter, verkauft hier aber nur 18 Prozent seiner Autos. Der Stuttgarter Konkurrent Daimler hat bereits angekündigt, bis 2014 einen Teil der Produktion seines am meisten verkauften C-Klasse-Modells nach Tuscaloosa in Alabama zu verlegen. Für die Autokonzerne ist ein solcher Schritt attraktiv, weil sie so die Nachteile von Währungskursschwankungen vermeiden und Produktionskosten sparen. Doch in der Belegschaft von Daimler trafen die Pläne auf Empörung und zeitweilige Arbeitsniederlegungen. Erst eine Arbeitsplatzgarantie für das Stammwerk in Sindelfingen sorgte wieder für Ruhe.

Doch für BMW wäre eine weitere Produktionsverlagerung auch ein logischer Schritt. „Wir wollen in den Ländern, in denen wir Autos verkaufen, Teil der Gesellschaft sein“, sagte Robertson. BMW versuche immer eine Balance zwischen Absatz und Produktion in den einzelnen Ländern herzustellen. Das gelte etwa auch für China, wo die Produktion ausgebaut werde. Ausnahme sei der Euro-Raum. Denn hier könne BMW von Deutschland in alle Länder außer Großbritannien ohne die Inkaufnahme von Währungsrisiken exportieren.

In Amerika hat der BMW-Konzern den Absatz im vergangenen Jahr von 242.000 auf 266.000 Autos gesteigert. Das entsprach einem unveränderten Marktanteil von 2,3 Prozent. Robertson bezeichnete die Vereinigten Staaten als zweite Heimat von BMW. Gerade erst sei die Investition von einer Milliarde Dollar in das Werk in Spartanburg für die Produktion des neuen X3 abgeschlossen worden. Die Fabrik dort habe eine besondere Rolle als Kompetenzzentrum für alle Autos der X-Serie im Konzern. Die Ausweitung der Kapazität in Spartanburg um die Hälfte schaffe 1600 zusätzliche Arbeitsplätze. Die zusätzliche Kapazität werde dort gebraucht, weil Amerika der größte Markt für BMW außerhalb Deutschlands bleibe.

2010 war für BMW das zweitbeste Absatzjahr in der Geschichte des Unternehmens. Insgesamt verkaufte der Konzern 1,46 Millionen Autos – ein Zuwachs um fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verteidigte BMW abermals seine Position als größter Oberklassehersteller der Welt. Wichtiger Grund für den Verkaufserfolg sind laut Vertriebschef Robertson die neuen Modelle. BMW sei mit dem X1, dem Mini Countryman und dem Rolls-Royce Ghost in neue Segmente des Marktes vorgestoßen. Das große und besonders teure Siebener-Modell, das sich besonders gut in China verkauft, habe im vergangenen Jahr einen Absatzrekord erzielt. Und auch die Marke Mini habe mehr Autos verkauft als jemals zuvor. Für 2011 nannte Robertson drei Ziele: BMW wolle mehr als 1,5 Millionen Autos verkaufen. Außerdem solle jede der drei Konzernmarken BMW, Mini und Rolls-Royce einen Absatzrekord aufstellen. Des Weiteren werde BMW seinen Marktanteil ausweiten und der führende Oberklassehersteller bleiben. Die Modell-Familie der Marke Mini bekommt Zuwachs. Hinzukommen soll der „Paceman“, ein Coupé auf Basis des Mini-Geländewagens Countryman, wie Robertson erklärte. Mit dem Paceman, der auf der „North American International Auto Show“ als Studie vorgestellt wird, gebe es dann sieben Mini-Modelle. In den vergangenen Jahren wurde das Mini-Portfolio schrittweise ausgebaut. Zuletzt wurden ein Coupé und ein Roadster angekündigt, die 2011 und 2012 auf den Markt kommen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Hoffnungswert Konsum

Von Philip Plickert

Den meisten deutschen Kosumenten scheint die Euro-Krise weit weg. Sie geben ihr Geld mit vollen Händen aus. Doch kann der private Konsum die entscheidende Stütze der Konjunktur werden? Mehr 19 7

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --