07.02.2005 · Der Fehler an Dieseleinspritzpumpen von Bosch gilt als behoben. Schäden durch Rückrufe und Produktionsausfälle lassen sich leicht zu einem dreistelligen Millionenbetrag hochrechnen. Öffentliche Schuldzuweisungen gibt es schon.
Die Schwierigkeiten mit der fehlerhaften Dieseleinspritzpumpe des Zulieferers Robert Bosch sind behoben. Doch jetzt bahnt sich ein Streit um die Folgekosten der Panne an: Daimler-Chrysler gibt Bosch bereits eine Mitschuld an dem weltweiten Absatzeinbruch im Januar. Andere Autohersteller könnten genauso vorgehen. Und Bosch prüft, inwieweit Regreßforderungen gegenüber dem amerikanischen Lieferanten Federal Mogul, der für das fehlerhafte Bauteil verantwortlich sein soll, geltend gemacht werden können.
Den Imageschaden hat Bosch zwar, aber es ist schwierig, die Schuld eindeutig zuzuweisen. Der Autozulieferer selbst hat keine Fehler im Herstellungsprozeß gemacht: die Beschichtung auf einer Buchse ist schuld an den zu erwartenden Aussetzern der Einspritzpumpe. Federal Mogul wiederum, der Lieferant der Buchse, bezieht das Granulat für die Beschichtung vom Chemiekonzern Dupont.
Vorerst beeilt sich Bosch, darauf hinzuweisen, daß die Produktion fehlerfreier Common-Rail-Einspritzpumpen seit Freitag abend auf Hochtouren läuft. "Wir produzieren sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag", sagte eine Unternehmenssprecherin am Sonntag dieser Zeitung. Um den Lieferrückstand aufzuholen, würden nun alle verfügbaren Fertigungskapazitäten eingesetzt. Über alles andere, nämlich die Folgen der Panne, könne zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Der Fehler war vor einer Woche bekanntgeworden. Mehrere tausend Diesel-Autos können jetzt erst mit Verspätung gebaut werden.
Kleines Teil, verheerende Wirkung
Das nur 1,5 Zentimeter große Teil, das Bosch zum Bau der Hochdruckpumpen für Common-Rail-Dieseleinspritzsysteme verwendet hat, kostet nur ein paar Cent - seine Wirkung ist indes verheerend. Experten schätzen die Folgekosten durch Produktionsausfall in den Automobilwerken, Rückrufaktionen bei Kundenfahrzeugen und Umrüstungen in den Werkstätten auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Und das ist noch nicht alles. "Es ist zu befürchten, daß sich das ohnehin schon angespannte Verhältnis zwischen Herstellern und Zulieferern weiter verschlechtert", sagt Niels Hampel, Automobilexperte bei der Münchener Beratungsfirma MVI Group. "Eigentlich müßten beide Seiten jetzt an einem Strang ziehen und die Qualitätsanstrengungen über die Preisdiskussion stellen, um den Kundennutzen zu vergrößern."
Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Ein hemmungsloser Preiskampf beherrscht seit Jahren das Verhältnis zwischen Autoherstellern und Zulieferern. Selbst kleine Lieferanten müssen oft entgegen ihrer eigenen Planung Produktionen ins billigere Ausland verlagern oder an andere Lieferanten abgeben. Der Druck auf die Zulieferer ist groß, nicht zuletzt, weil die Hersteller selbst in einem gnadenlosen Wettbewerb stehen. Für einen Aufschrei unter den Zulieferern sorgte im vorigen Jahr noch der ehemalige Mercedes-Chef Jürgen Hubbert, als er pauschal eine Preissenkung um 15 Prozent innerhalb von drei Jahren forderte. "Von den Zulieferern werden Innovationen verlangt, gleichzeitig verfolgen die Konzerne eine höchst aggressive Einkaufspolitik", sagte Jörg Hofmann, Chef der IG Metall in Baden-Württemberg, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "In der Konsequenz führt das zu Pfusch."
Öffentliche Schuldzuweisungen unüblich
Vom Pfusch bei den Zulieferern hat der Kunde bisher kaum etwas erfahren. Denn in der Branche sind öffentliche Schuldzuweisungen unüblich. Das ist das Neue am Fall Bosch: Daimler-Chrysler nennt den schwäbischen Partner nun in aller Offenheit als Schuldigen für die Qualitätsprobleme. Die technischen Schwierigkeiten mit den Dieseleinspritzpumpen sollen sich nach Darstellung von Daimler-Chrysler auf die Verkaufszahlen im Januar niedergeschlagen haben. Am Freitag abend informierte das Unternehmen über den Rückgang der Absatzzahlen von Mercedes-Benz-Fahrzeugen um 12,1 Prozent. Nur noch 61 300 Wagen wurden international verkauft. Die Mercedes Car Group insgesamt, zu der auch Maybach und der Kleinstwagen Smart gehören, büßte 6,4 Prozent auf 71 900 Wagen ein. Besonders schlecht sah es in Deutschland aus: Hier gingen die Verkaufszahlen der Markengruppe um 15,8 Prozent auf 16 000 Fahrzeuge zurück. Ein Grund: die verzögerte Auslieferung von Fahrzeugen mit Dieselmotoren wegen fehlerhafter Pumpen von Bosch.
In der Tat mußte bei Mercedes-Benz die Produktion mehrere Tage angehalten werden. In dieser Woche läßt der Autokonzern im Sindelfinger Stammwerk die Produktion von Dieselwagen stoppen. "Wir werden am Montag und Dienstag in Sindelfingen nicht produzieren", sagte ein Unternehmenssprecher. In der darauf folgenden Woche sollen einzelne Produktionsschichten im Werk in Bremen ausfallen, im spanischen Werk Vitoria stehen die Bänder ebenfalls still. Daimler-Chrysler ist damit nicht allein. Auch BMW sieht sich wegen Bosch zu Produktionsstillegungen gezwungen. Von der Panne bei Bosch waren in geringerem Ausmaß auch Volkswagen und Audi betroffen sowie Opel und Saab.
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