10.01.2005 · Die Auto Show in Detroit überrascht mit vielen Neuheiten. Audi hat den Allroad Quattro dabei, VW präsentiert einen Jetta und den New Beetle Ragster. Mercedes zeigt die neue M-Klasse.
Von Roland Lindner, DetroitDie Vereinigten Staaten sind und bleiben das Land der großen Pritschenwagen (Pick-ups), Geländesportwagen (Sport Utility Vehicles, SUV) und Trucks. Dennoch oder gerade deshalb hätte die Geländewagenversion Formore des Kleinwagens Smart zum Star der Detroit Auto Show werden können. Der Formore sollte seine Weltpremiere eigentlich auf der Messe haben, die am Sonntag begonnen hat. Mehr noch: Der Formore sollte der maßgeschneiderte Start sein, mit dem die nach SUVs verrückten Amerikaner an die Marke herangeführt werden sollten. Der Smart wird seit vergangenem September zwar mit Erfolg in Kanada verkauft, im Nachbarland gibt es das Auto aber noch nicht. Überraschend hieß es dann im Dezember, daß die Formore-Premiere in Detroit gestrichen wird.
Es war eine neue Hiobsbotschaft für die verlustbringende Marke im Daimler-Chrysler-Konzern, deren Zukunft seit der Bemerkung des damaligen Finanzvorstands Manfred Gentz, es müßten alle Optionen geprüft werden, mehr denn je in den Sternen steht. Offiziell hieß es von Daimler-Chrysler lapidar, der Verzicht auf den Messeauftritt sei nicht gleichbedeutend mit der Entscheidung, den Formore nicht zu bauen. Tatsächlich wurden auf dem amerikanischen Automarkt in jüngerer Zeit einige der größten Erfolgsgeschichten von Kleinwagenserien geschrieben, und insofern hätte auch der Smart beste Voraussetzungen gehabt. Einer dieser Verkaufsschlager ist der Mini aus dem Hause BMW, der im Jahr 2003 auf den Markt kam und sich bis heute sehr gut verkauft.
Die Zukunft gehört dem Retro-Design
Im vergangenen Jahr fiel vor allem der japanische Hersteller Toyota mit seiner neuen Markenfamilie Scion auf: Von dem Scion gibt es drei Modelle, alle kosten deutlich weniger als 20.000 Dollar, und sie haben ein gewagtes Design (der Scion xB ist so eckig, daß man ihn schon "Toaster auf Rädern" genannt hat). Toyota hat den Scion nach einer Testphase in Kalifornien erst im Juni 2004 im ganzen Land auf den Markt gebracht und im Gesamtjahr insgesamt 100.000 Stück verkauft; deutlich mehr als geplant. Auch das kleine Hybrid-Auto Prius verkauft sich in Amerika immer besser. Der deutsche Hersteller Audi will die Popularität von kleineren Autos in Detroit ausnutzen und wird den Amerikanern erstmals den A3 zeigen.
Auto Show: Weltneuheiten in Detroit
Außer mit kleinen Autos kann man in Amerika weiterhin mit Autos im Retro-Design punkten. Die im Herbst auf den Markt gebrachte Neuauflage des Mustang, eines Kultsportautos aus den sechziger Jahren, ist für Ford zum Beispiel ein großer Erfolg geworden und hält sich nur kurz in den Verkaufsräumen der Autohändler. Auf der Automesse in Los Angeles in der vergangenen Woche war Retro ein beherrschendes Thema: Ford stellte eine Cabrio-Version des Mustang vor, General Motors (GM) präsentierte den HHR, der sehr stark an den PT Cruiser von Chrysler erinnert. Der PT Cruiser selbst hat sich nach einer zwischenzeitlichen Flaute im vergangenen Jahr wieder etwas erholt. Ein bißchen in die Retro-Kategorie paßt auch der Überraschungserfolg des vergangenen Jahres, der Chrysler 300 mit seinem wuchtigen verchromten Kühlergrill. In Detroit wird Chrysler versuchen, eine weitere legendäre Marke aus den sechziger Jahren wiederzubeleben, und den früheren Zweitürer-Sportwagen Dodge Charger in einer Viertürer-Variante vorstellen.
Vorjahrestraum beerdigt
Trotz solcher Trends und trotz der derzeit hohen Benzinpreise sind es am Ende aber immer noch die großen Autos, die das Geschehen auf dem amerikanischen Automarkt dominieren. Die beiden meistverkauften Fahrzeuge des vergangenen Jahres waren Pick-ups, die F-Serie von Ford und der Chevrolet Silverado von GM. Auch die Ausstellungshallen in Detroit werden deshalb mit Neuvorstellungen von Trucks und SUVs gut gefüllt sein. In diesem Marktsegment fehlen auch die ausländischen Hersteller längst nicht mehr. Honda wird zum ersten Mal einen Pick-up-Truck vorstellen und folgt damit anderen japanischen Produzenten, die den amerikanischen Herstellern in einem ihrer Paradesegmente seit einiger Zeit Konkurrenz machen.
Und natürlich wird es eine ganze Serie von neuen SUVs oder sogenannten Crossover-Autos geben, also Modellen, die eine Kombination aus unterschiedlichen Kategorien wie SUV, Minivan oder Pick-up sind. Tendenziell scheinen die Transporter in diesem Jahr optisch nicht mehr ganz so brachial daherzukommen wie in der Vergangenheit.
Wie auf jeder größeren Messe werden schließlich auch in Detroit die Konzeptautos für Aufsehen sorgen, also zukunftsgerichtete Modelle, über deren Serienfertigung noch nicht endgültig entschieden ist. Chrysler wird zum Beispiel den extrem flachen Sportwagen "Firepower" mit 425 PS zeigen, der in die Fußstapfen der legendären GM-Marke Corvette treten soll. Dem pompösen Auftritt auf der Messe folgt allerdings oft genug und sehr schnell ein sang- und klangloses Ende. So hat Chrysler vor wenigen Tagen aus Kostengründen entschieden, den Supersportwagen ME Four-Twelve mit 850 PS nicht auf den Markt zu bringen, der im vergangenen Jahr für Furore gesorgt hatte. Das Modell war ein Lieblingsprojekt des später ausgeschiedenen Daimler-Chrysler-Vorstands Wolfgang Bernhard.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.381,33 | −0,92% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2443 | −0,36% |
| Rohöl Brent Crude | 105,40 $ | −1,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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