04.05.2006 · Volkswagen Brasilien muß mit einer drastischen Senkung der Lohnkosten und einem Zurückfahren der Exporte den Gewinn steigern. Im Rahmen der globalen Sanierung könnte eine von fünf Fabriken geschlossen werden.
Der deutsche Automobilhersteller Volkswagen hat nach der Bekanntgabe des Sparprogramms in Deutschland in Brasilien die Streichung von „Tausenden“ Stellen in den nächsten zwei Jahren angekündigt. Außerdem werde die Möglichkeit erwogen, eine der insgesamt fünf Fabriken im südamerikanischen Land zu schließen, hieß es in der in der Firmenzentrale von VW do Brasil in Sao Paulo veröffentlichten Mitteilung.
„Unser Mutterhaus in Deutschland meint, daß wir hier in Brasilien eine Fabrik zu viel haben“, sagte der Präsident des Tochterhauses, Hans-Christian Maergner. Man wolle auf jeden Fall die Personalkosten für die neue Modelle um 25 Prozent senken (siehe dazu auch die Video-Nachricht von der VW-Hauptversammlung: Video: VW-Chef behält Einzelheiten der Sanierung für sich).
Sorge um 6000 Arbeitsplätze
Maergner wies darauf hin, daß VW die höchsten Lohnkosten von allen Autobauern in Brasilien habe. „Wir können nicht sagen, wie viele Arbeiter entlassen werden“, sagte er. Die Metallarbeiter-Gewerkschaften in Taubate und Sao Bernardo im Land Sao Paulo, wo Volkswagen-Fabriken angesiedelt sind, teilten mit, man befürchte die Streichung von mehr als 6000 der insgesamt 22.000 Stellen bei VW do Brasil. VW hat diese Zahl dementiert.
Nach der Vertragsverlängerung für VW-Chef Pischetsrieder geht das Tauziehen um ein neues Sanierungsprogramm in eine weitere Runde. Auch bei der Hauptversammlung stellte Pischetsrieder keine Konzepte für die angeschlagene Kernmarke VW vor.
Die Gewerkschaften kündigten Protestdemonstrationen an. Das Unternehmen betonte allerdings, man wolle im Falle von Stellenstreichungen mit den Gewerkschaften verhandeln. „Volkswagen do Brasil glaubt, daß Streichungen in der Produktion sowie von Tausenden von Stellen unvermeidlich sind“, hieß es.
Bei einer Betriebsversammlung entschied die Belegschaft, vorerst keine Überstunden mehr zu leisten. Belegschaftsvertreter aus Brasilien sollen vom kommenden Montag an mit ihren deutschen VW-Kollegen über das weitere Vorgehen beraten. Im April hatte die VW-Firmenleitung in Wolfsburg bekannt gegeben, bei einer globalen Umstrukturierung sei der Wegfall von bis zu 20.000 Jobs geplant.
Laut Maergner wird VW do Brasil frühestens 2007 wieder Gewinne erzielen, aber nur dann, wenn die Bemühungen um Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und um Kostensenkungen erfolgreich sind. Der Präsident von VW do Brasil sagte zudem eine Senkung der Exportzahlen um 40 Prozent bis 2008 im Vergleich zu 2005 voraus. Im vergangenen Jahr wurden rund 260.000 Fahrzeuge ins Ausland verkauft. Wesentliche Exportmärkte sind Latein- und Nordamerika sowie Europa.
Größter Fahrzeug-Exporteur Brasiliens
VW ist seit Jahren der größte Fahrzeug-Exporteur Brasiliens. Das Unternehmen wurde aber vom Anstieg der heimischen Währung Real im Vergleich zu Euro und Dollar in den vergangen drei Jahren besonders hart getroffen. In den vergangenen Tagen wurde der Dollar um 2,06 Real notiert. Das ist der niedrigste Wechselkurs der amerikanischen Währung in den vergangenen fünf Jahren. Neben der Real-Stärke sei VW do Brasil auch von Kostenanstiegen bei Personal und Rohstoffen getroffen worden, erklärte Maergner.
VW do Brasil hat nach jüngsten Zahlen einen Anteil von 22,3 Prozent am brasilianischen Fahrzeugmarkt. Es beschäftigt rund 22.000 Mitarbeiter. Brasilien ist mit rund 307.000 Auslieferungen der drittgrößte Markt für den Volkswagen-Konzern. Volkswagen do Brasil produziert rund 500.000 Fahrzeuge jährlich.
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