11.03.2006 · Das neue Golf-Modell soll ein Jahr früher produziert werden als bisher geplant. Mit diesem Schritt will Volkswagen die eigene Sanierung vorantreiben. Entsprechende Medienberichte wurden von VW bisher aber nicht bestätigt.
Im Zuge der VW-Sanierung soll der neue Golf ein Jahr früher als geplant auf den Markt kommen und preiswerter gefertigt werden. Der Golf 6 solle bereits von Mitte 2008 an verkauft werden, hieß es am Samstag in Unternehmenskreisen. Der Golf ist das wichtigste Modell des Wolfsburger Autobauers.
Laut einem Bericht der Magazins „Der Spiegel“ will Markenchef Wolfgang Bernhard zudem die Lohnkosten drücken. Unterdessen berichtete das Magazin „Focus“, im Machtkampf an der Volkswagen-Spitze habe sich Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch bei Vorstandschef Bernd Pischetsrieder entschuldigt. Piëch hatte die anstehende Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder als „offene Frage“ bezeichnet und auf eine starke Opposition der Arbeitnehmervertreter hingewiesen. Dies war als Demontage Pischetsrieders durch Piëch gewertet worden.
„Modelloffensive“ im kommenden Jahr
Bei der Produktion des neuen Golf will Markenchef Bernhard teure Fehler seiner Vorgänger ausbügeln. Der Golf 5 ist seit dem Herbst 2003 auf dem Markt. In Unternehmenskreisen hieß es, bei der Fertigung des Golf 6 gebe es noch erhebliches Potential, um Kosten einzusparen. Zudem solle das Modell eine „deutlich andere Optik“ erhalten. Ende 2007 wolle VW eine „Modelloffensive“ starten. Dabei dürfe der neue Golf, der ursprünglich 2009 auf dem Markt kommen sollte, nicht fehlen. VW gab dazu bisher keine Stellungnahme ab.
Weiteren Medienberichten zufolge sollen die VW-Arbeiter künftig für das gleiche Geld 35 statt 28,5 Stunden arbeiten. Die Lohnkosten bei VW lägen derzeit bei 54,69 Euro pro Stunde. Bei der VW-Tochter Audi seien es 40,65 Euro. Weil dann mehr Fahrzeuge gebaut werden könnten, für die es kaum Absatzchancen gebe, müßten mindestens 20.000 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Ein VW-Sprecher wollte auch diese Bericht nicht kommentieren.
Die Konzernspitze hatte Mitte Februar ein tiefgreifendes Sanierungsprogramm für die ertragsschwache Marke VW angekündigt. Davon könnten in den kommenden drei Jahren rund 20.000 Beschäftigte betroffen sein, hieß es. Zu den Schwerpunkten des Programms zählen etwa geringere Arbeitskosten und eine Neuordnung der Komponentenfertigung. Die Volkswagen-Spitze sieht ohne die grundlegende Sanierung der Kernmarke VW die Zukunft des gesamten Konzerns in Gefahr.
Machtkampf entschärft?
Im Machtkampf in der VW-Führung hat Aufsichtsratschef Piëch Vorstandschef Pischetsrieder versichert, er stehe hinter ihm und werde im Aufsichtsrat auch für einen neuen Vertrag stimmen. Piëch habe Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) - den beiden Vertretern der Großaktionäre - versichert, er habe Pischetsrieder nicht schaden und nur auf den Widerstand der Arbeitnehmervertreter hinweisen wollen. Am 20. April soll in einer Sondersitzung des Aufsichtsrats über die Verlängerung des Vertrags für Pischetsrieder abgestimmt werden. Sowohl Wiedeking als auch Wulff sollen verlangt haben, Piëch dürfe keine weiteren Angriffe fahren. Dies habe dieser auch zugesagt. Auch zu diesen Meldungen nahm VW bisher keine Stellung.
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