20.04.2005 · Volkswagen hat den operativen Gewinn im ersten Quartal dank weiterer Sparerfolge gesteigert und die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten damit leicht übertroffen.
Der Autobauer Volkswagen hat im ersten Quartal sein operatives Ergebnis um 135 Millionen Euro oder 41,2 Prozent auf 464 Millionen Euro verbessert. Der Umsatz fiel um 2,4 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro, wie der Hersteller am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. Analysten hatten im Durchschnitt einen operativen Gewinn vor Sondereinflüssen von 445 Millionen Euro erwartet.
Der Konzern hielt an der Prognose fest, daß sich das Ergebnis auch über das ganze Jahr gesehen verbessern werde, „um wie viel, hängt von heute nicht prognostizierbaren externen Umständen ab“, hieß es in der Kurzfassung des Zwischenberichtes, der einen Tag vor der Hauptversammlung veröffentlicht wurde. Der vollständige Bericht ist für den 29. April angekündigt. Der Konzern erklärte, daß die wichtigsten Automärkte schwierig in das Jahr 2005 gestartet seien. Wegen der schwachen Wirtschaftslage werde sich daran die nächsten Monate auch nichts ändern. „Wir gehen davon aus, daß sich der Preisdruck unvermindert fortsetzen wird“, erklärte Volkswagen. Außerdem lasteten weiter ungünstige Wechselkursrelationen und hohe Kosten für Vormaterial wie Stahl auf der Industrie.
VW-Chef redet die Lage nicht schön
Die Aktionäre werden an diesem Donnerstag in Hamburg vor allem bittere Realitäten zu hören bekommen: Die Traditionsmarke VW schreibt rote Zahlen, dazu die Absatzkrise in China und den Vereinigten Staaten, ein strikter Sparkurs und obendrein ein Gewinneinbruch im Gesamtkonzern um fast ein Drittel.
Doch anders als beim Konkurrenten Daimler-Chrysler halten sich Aktionärsschützer und Fondsgesellschaften mit scharfer Kritik an Vorstand und Aufsichtsrat zurück. Was auch daran liegen mag, daß VW-Chef Bernd Pischetsrieder nicht versucht, Baustellen schönzureden. Und davon hat Europas größter Autobauer einige.
China-Geschäft macht keine Freude mehr
Einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs zufolge droht Volkswagen in diesem Jahr in China ein Verlust von mehr als 400 Millionen Euro - optimistisch geschätzt. Da reibt sich so mancher Aktionär die Augen. War VW nicht die unangefochtene Nummer eins im Reich der Mitte, dem Land mit dem schier unendlichen Potential?
Pischetsrieder wird den Aktionären erklären müssen, wie sich die Wolfsburger, die mehr als ein Jahrzehnt einen meilenweiten Vorsprung vor der Konkurrenz hatten, sich in eine solch mißliche Lage manövrieren konnten.
VW Fox: Endlich wieder ein Volkswagen
Doch auch zu Hause läuft nicht alles rund: Den Aktionären macht die Kernmarke Sorgen, allen voran das Brot- und Butter-Auto Golf. Zu teuer für die breite Masse, schimpft Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Selbst Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Walter Hirche (FDP) monierte kürzlich, daß VW die höheren Preise längst nicht mehr mit besserer Qualität rechtfertigen könne. Schließlich lägen die Japaner in der Pannenstatistik vorn. „Die Menschen haben nicht mehr so viel Geld in der Tasche, daß sie aus reiner Sympathie ein deutsches Auto kaufen.“ Der Konzern hat reagiert und das Billigauto Fox ab 8.950 Euro ins Rennen geschickt. „Schau an, das Volk soll also wieder Volkswagen fahren“, frotzelt DSW-Sprecher Kurz.
Luxuswagen bringen weder Glück noch Gewinn
Fragwürdig finden die Aktionärsschützer den Hang der Wolfsburger zum Prestige. Die PS-starken Schlitten wie der Phaeton, Bentley oder der Supersportflitzer Bugatti waren eine Herzensangelegenheit des technikverliebten Porsche-Enkels Ferdinand Piëch, der nun im Aufsichtsrat sitzt.
Doch der Phaeton ist alles andere als ein Renner. Um die eigens gebaute Gläserne Manufaktur in Dresden auszulasten, soll dort demnächst auch ein Bentley vom Band laufen. Auch dieser Luxuswagen hat dem Konzern bislang weder Glück noch einen Cent Gewinn gebracht.
VW-Tochter Audi zeigt, daß es anders geht
Daß der Glanz der Edelkarossen auf die übrige VW-Flotte abstrahlt, bezweifelt Kurz. „Ein Polo-Fahrer denkt sich doch nicht, daß er ein Tausendstel Bugatti fährt.“ Der Name Volkswagen werde nie mit Luxus assoziiert. „VW wird in Deutschland immer Golf und Käfer bleiben und da gehören sie auch hin.“
Daß es auch anders geht, zeige die VW-Tochter Audi. Die Ingolstädter rasen trotz Konjunkturschwäche von einem Absatzrekord zum nächsten. Für Kurz besteht das Erfolgsrezept in der konsequenten Modellpalette, die sich nicht in Bereiche verfährt, wo sie nichts zu suchen habe.
Keine rote Zahlen im laufenden Jahr
Während die Ingolstädter Tochter glänzt, braucht der Lack des Gesamtkonzerns dringend eine Politur. VW-Chef Pischetsrieder tritt zunächst noch kräftiger als bisher auf die Kostenbremse. Denn daß der Konjunkturmotor Volkswagen aus dem Tal zieht, daran mag der Bayer nicht glauben. „Für die nahe Zukunft gehen wir nicht davon aus, daß sich die Rahmenbedingungen signifikant verbessern oder der konjunkturelle Aufschwung am deutschen Markt eintreten wird“, sagte er bei der Vorlage der Bilanz Anfang März.
Das erste Quartal sei „nicht befriedigend“, hatte er die Aktionäre damals vorgewarnt. Rote Zahlen müssen die Anteilseigner aus Wolfsburg im laufenden Jahr aber immerhin nicht befürchten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,82 | −1,03% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,40 $ | −1,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?