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Automobile VW entschärft den Rückzug aus Belgien

27.11.2006 ·  Die Einschnitte im VW-Werk in Brüssel werden möglicherweise nicht so drastisch ausfallen wie ursprünglich geplant. Der designierte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn erwägt ernsthaft, ein neues Modell in Brüssel fertigen zu lassen.

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Die Einschnitte im VW-Werk in Brüssel werden möglicherweise nicht so drastisch ausfallen wie ursprünglich geplant. Der designierte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn erwägt ernsthaft, ein neues Modell in Brüssel fertigen zu lassen. "Wir werden den Gewerkschaften bei der nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag eine Produktidee präsentieren", sagte ein VW-Sprecher am Sonntag, ohne Angaben zur Identität des Modells und zu den Folgen für die Beschäftigung in Brüssel zu machen.

Volkswagen hatte am vergangenen Dienstag angekündigt, das Brüsseler Werk drastisch herunterzufahren. Die dortige Golf-Produktion soll komplett in das Stammwerk nach Wolfsburg sowie in das sächsische Mosel verlagert werden. Dies hätte zu einem Abbau von rund 3800 der 5300 Mitarbeiter geführt. Zur Begründung verwies VW auf hohe Überkapazitäten in Westeuropa. Das Brüsseler Werk, das zu den teuersten im VW-Verbund zählt, galt schon seit Jahren als gefährdet. Fachleute hatten die Restrukturierungspläne daher als Zwischenschritt hin zu einer Schließung dieses Standortes interpretiert.

Ausgleich für Brüssel

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, der auch dem Europäischen Konzernbetriebsrat vorsitzt, hatte bereits gefordert, in Brüssel müsse als Ausgleich für den Verlust des Golf ein anderes Fahrzeug gebaut werden, um den Standort langfristig zu sichern. Damit reagierte er indirekt auf Vorwürfe belgischer Gewerkschaftler, die IG Metall habe die Brüsseler "verraten" und verfolge nur nationale Interessen.

Das Fahrzeug, das Winterkorn überraschend nach Brüssel bringen will, kommt nicht von VW, sondern von deren Tochtergesellschaft Audi, die Winterkorn seit Jahren führt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um den Kleinwagen A1. Der noch bis zum Jahresende amtierende VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte den Bau des A1 stets abgelehnt, weil Audi damit direkt im - ohnehin hart umkämpften - Kerngebiet des Mutterhauses wildern würde.

Rückendeckung der belgischen Regierung erhofft

In den bevorstehenden Verhandlungen wird Winterkorn mit Sicherheit versuchen, Arbeitnehmern und Gewerkschaften Zugeständnisse abzuringen, die zu einer Verringerung der Arbeitskosten in Brüssel führen könnten. Auch muß er eine Lösung finden, wie die Zeitspanne bis zum möglichen Produktionsstart 2009 überbrückt werden kann: Die Golf-Produktion wird binnen weniger Monate abgezogen.

Offenbar hofft Winterkorn auf Rückendeckung der belgischen Regierung. Nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" will er Ministerpräsident Guy Verhofstadt dazu bewegen, eine Auffanglösung finanziell zu unterstützen. Selbst wenn der A1 nach Brüssel kommt, wird es zu einem Personalabbau kommen. Von seinem solchen Fahrzeug lassen sich nur 100.000 bis 150.000 Einheiten im Jahr verkaufen. Das reicht längst nicht aus, um die Kapazitäten in Brüssel auszulasten.

Unterdessen berichtet die Zeitschrift "Focus", daß die Staatsanwaltschaft Braunschweig den ehemaligen Betriebsratschef Klaus Volkert nun auch zur Rolle des langjährigen Vorstandschefs und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch in der VW-Affäre befragen will. Hintergrund soll eine Aussage des Mitbeschuldigten Klaus-Joachim Gebauers sein, der zufolge Volkert gedroht haben soll, er werde auf niemanden mehr Rücksicht nehmen, auch nicht auf Piëch.

Quelle: F.A.Z., 27.11.2006, Nr. 276 / Seite 13
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Von Heike Göbel

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