27.09.2006 · Sportwagenbauer Porsche kann sich über sein zwölftes Rekordjahr in Folge freuen. Doch Vorstandschef Wiedeking ist zurückhaltend mit positiven Prognosen. Die Bescheidenheit hat Tradition: Bei Porsche ist man mittlerweile gewohnt, die Vorhersage zu übertreffen.
Nach dem zwölften Rekordjahr in Folge gibt der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche sich für die Entwicklung im neuen Geschäftsjahr zunächst zurückhaltend. Der Umsatz sei 2005/06 um 10,6 Prozent auf einen Rekordwert von 7,27 Milliarden Euro gestiegen, teilte Porsche am Mittwoch mit.
Das Ergebnis habe - unter anderem durch den Verkauf der Cabriodach-Tochter CTS und Effekte aus dem Einstieg bei Volkswagen - noch stärker zugelegt, hieß es. Der Gewinn vor Steuern liegt damit bei mindestens 1,37 Milliarden Euro nach 1,24 Milliarden im Jahr zuvor. Konkrete Zahlen nannte Porsche nicht. Analysten rechneten mit 1,44 Milliarden Euro.
Erstmals mehr als 100.000 Autos pro Jahr
Aber auch ohne Sondereffekte wäre der Gewinn dank eines Mehr an teureren Modellen gestiegen, teilte der hoch rentable Nischenanbieter mit. Mit 96.794 Autos, einem Plus von 9,5 Prozent, übertraf Porsche sein Absatzziel von deutlich mehr als 90.000 Einheiten deutlich. Erstmals baute der Konzern dabei mehr als 100.000 Autos in einem Jahr.
Für das seit August laufende Geschäftsjahr 2006/07 rechne Porsche damit, „beim Absatz das außerordentliche Niveau des abgelaufenen Geschäftsjahres mindestens zu erreichen“, hieß es in der Mitteilung. Erst 2009, mit der Einführung der vierten Baureihe, des viertürigen Sportwagens Panamera, sei der nächste Absatzschub zu erwarten.
Traditionelle Bescheidenheit
Die Porsche-Aktie gab ihre Kursgewinne ab und notierte mit knapp 818 Euro leicht im Minus. LRP-Analyst Michael Punzet sagte: „Die Zahlen sind auf den ersten Blick etwas enttäuschend, da wir mit mehr als 100.000 abgesetzten Fahrzeugen gerechnet hatten.“ Dagegen sagte Ulrich Horstmann von der BayernLB: „Ich bin positiv überrascht. Langfristig gesehen hat sich das Bild nicht verändert. Das Statement ist einen Tick vorsichtiger. Aber der Push kommt erst, wenn sie die neue Modellreihe auf dem Markt haben.“
Vorstandschef Wiedeking gibt sich zu Beginn des Jahres stets zurückhaltend mit Zukunftsprognosen, um Spielräume nach oben zu haben. Letztlich gelingt es Porsche aber seit Jahren, sich von der schleppenden Branchenkonjunktur abzukoppeln und stets mehr Fahrzeuge abzusetzen.
Mehrere positive Sondereffekte
Zum Rekordgewinn trugen mehrere positive Sondereffekte bei: der Verkauf von CTS an den kanadischen Zulieferer Magna brachte 170 Millionen Euro ein. Zudem berücksichtigt Porsche seit kurzem seine gut 21-prozentige Beteiligung am Wolfsburger VW-Konzern in der Bilanz. Aus einer Option für den Kauf weiterer VW-Aktien bis zu einer Sperrminorität von 25,1 Prozent dürfte Porsche Analysten zufolge nach dem Kursanstieg bei VW ebenfalls einen Gewinn geschlagen haben.
Als Belastung mußte Porsche Kosten für die Entwicklung des Panamera sowie für einen Schadstoffe und Kraftstoff sparenden Elektro-Benzin-Motor hinnehmen. Konzernchef Wendelin Wiedeking hat dafür einen dreistelligen Millionenbetrag veranschlagt.
Cayenne-Verkauf litt wegen hoher Benzinpreise
Der Traditionshersteller profitierte 2005/06 vom Marktstart teurerer Varianten seines Sportwagen-Klassikers 911 und der Boxster-Variante Cayman. Der Absatz des 911 legte dank Turbo und GT3 um 24 Prozent zu. 14.000 verkaufte Cayman ließen die Verkaufszahlen der Boxster-Reihe um 55 Prozent nach oben schnellen, vom Boxster selbst wurden 23 Prozent weniger verkauft.
Auch der in die Jahre gekommene Geländewagen Cayenne war mit einem Absatzrückgang von 19 Prozent auf 34.100 Fahrzeuge weniger gefragt. Das vor allem in den Vereinigten Staaten verkaufte Modell litt unter den dort steigenden Kraftstoffpreisen. Dennoch wollte Porsche anders als die amerikanischen Hersteller die Käufer nicht mit Rabatten locken. Starke Wachstumsraten verzeichnete Porsche in Schwellenländern wie China oder Rußland und im Nahen Osten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,82 | −1,03% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,40 $ | −1,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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