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Automobile Volkswagen will zurück zur 35-Stunden-Woche

13.02.2006 ·  Das VW-Management will eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich durchsetzen. Um die Kosten zu senken, wird außerdem über die Schließung eines Montagewerks nachgedacht.

Von Johannes Ritter
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Die westdeutschen Mitarbeiter von Volkswagen sollen künftig deutlich länger arbeiten, ohne mehr zu verdienen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung strebt der Vorstand die Rückkehr zur 35-Stunden- und Fünf-Tage-Woche an - ohne Lohnausgleich.

Seit Anfang der neunziger Jahre wird in den westdeutschen VW-Werken an vier Tagen 28,8 Stunden in der Woche gearbeitet. Der frühere Personalvorstand Peter Hartz hatte dieses Arbeitsmodell einst eingeführt, um 30.000 Mitarbeiter vor der Entlassung zu bewahren. Die Wochenarbeitszeit von Entwicklern soll sogar von 30 auf 40 Stunden steigen.

Produktionskosten in Wolfsburg müssen sinken

Ein VW-Sprecher wollte diese Informationen nicht kommentieren.Die Verlängerung der Arbeitszeit ist Teil der Spar- und Restrukturierungspläne, die Europas größter Automobilbauer am vergangenen Freitag grob skizziert hat und über die nun mit Betriebsrat und IG Metall verhandelt werden soll. Wie berichtet, ist jeder fünfte der gut 100.000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen VW-Werken in Wolfsburg, Hannover, Braunschweig, Kassel, Emden und Salzgitter gefährdet.

Nun denkt der Vorstand darüber nach, die Kapazitäten im Fahrzeugbau um bis zu 20 Prozent zu kürzen. Dies bedeutete, daß ganze Werksteile geschlossen werden müßten. Die Schließung eines ganzes Werkes in Deutschland könnte möglicherweise über eine Absprache mit dem Betriebsrat verhindert werden: VW macht das Werk in Brüssel zu und verlagert die dortige Golf-Produktion nach Wolfsburg.

Dies rechnet sich aber nur, wenn zugleich die Produktionskosten dieses mit Abstand teuersten VW-Werkes sinken. Abgesehen von dem angestrebten Abbau von Überkapazitäten im Fahrzeugbau will sich VW von dem Großteil seiner Komponentenfertigungen trennen. Kostenvergleiche mit externen Anbietern haben gezeigt, daß zwei Drittel dieser Werke in Hannover, Kassel, Braunschweig und Wolfsburg nicht wettbewerbsfähig sind.

Kurze Arbeitszeit ist kostspielig

Am schlechtesten steht offenbar die Gießerei in Hannover da. Der Vorstand wolle diese Werke ausgliedern und Zulieferer verkaufen, heißt es. Derlei Ansinnen haben sich bei Konkurrenten, etwa bei Opel, freilich als schwierig erwiesen. In den westdeutschen Werken benötigt VW nicht nur doppelt so viele Stunden für den Bau eines Autos wie andere Volumenhersteller.

Mit 54 Euro je Stunde hat das Unternehmen zudem die höchsten Arbeitskosten in der Autoindustrie. Dies liegt zum Teil daran, daß VW nach Haustarif rund 20 Prozent mehr bezahlt als das, was gemäß Flächentarif erforderlich wäre.

Kostspielig ist vor allem, daß die Beschäftigten so kurz arbeiten. Den beträchtlichen Personalüberhang, der sich allein aus der Verlängerung der Arbeitszeit ergäbe, will der Vorstand ohne betriebsbedingte Kündigungen abbauen. Dies soll unter anderem über Altersteilzeit, Abfindungen sowie Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften bewerkstelligt werden.

Aus für Quersubventionen

Mit Ausnahme der Auto 5000 GmbH in Wolfsburg, die Pate stehen könnte für die Neuregelung der Arbeitszeiten, sind die westdeutschen VW-Werke Verlustbringer. Dem Vernehmen nach bescherten sie zuletzt insgesamt einen Verlust in hoher dreistelliger Millionenhöhe. Daß die Marke VW 2005 dennoch ein leicht positives Ergebnis geschafft hat, ist vor allem den Produktions- und Vertriebsgesellschaften im Ausland zu verdanken.

Und daß der Konzern im vergangenen Jahr bei Umsätzen von 95,3 (Vorjahr: 89) Milliarden Euro ein Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen von 3,1 (2) Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 1,1 (0,7) Milliarden Euro erzielt hat, resultiert in erster Linie aus den Gewinnen der Tochtergesellschaft Audi und der Finanzdienstleistungssparte.

Mit diesen Quersubventionen soll künftig Schluß sein. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh reagierte verhalten auf die internen Vorstandspläne: „Das Unternehmen muß uns erst mal vorstellen, was es analysiert hat. Danach müssen wir sehen, ob diese Schlüsse vom Betriebsrat mitgetragen werden.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2006
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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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