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Automobile Volkswagen: 700.000 Euro Betriebsratsspesen

15.07.2005 ·  In der VW-Affäre sind neue Einzelheiten bekannt geworden. Demnach verbuchte der Betriebsrat in den vergangenen zwei Jahren 700.000 Euro Spesen. Rechnungen oder Quittungen liegen für die Summe nicht vor.

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In der VW-Affäre um Betrugs- und Untreuevorwürfe sowie angebliche „Lustreisen“ von Betriebsräten sind neue Einzelheiten bekannt geworden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hat der frühere Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer 700.000 Euro als Eigenbelege für Betriebsratsspesen abgerechnet.

Wirtschaftsprüfer von KPMG untersuchten derzeit, ob davon auch Luxusreisen finanziert worden seien, hieß es am Freitag aus dem Umfeld des VW-Konzerns. VW- Markenchef Wolfgang Bernhard erklärte unterdessen, er erwarte eine Verschärfung der Krise bei der verlustreichen Konzern-Kernmarke, falls nicht gegengesteuert werde.

Eigenbelege statt Rechnungen und Quittungen

Auch die „Neue Presse“ in Hannover hatte über eine ähnliche Summe, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre mit Eigenbelegen abgerechnet wurde, berichtet. Eigenbelege werden ausgestellt, wenn keine Quittungen oder Rechnungen vorliegen. Gebauer war in der VW- Personalabteilung für die Beziehungen für den Betriebsrat zuständig.

Rechtlich gesehen müßten die Belege nicht kontrolliert werden, hieß es im Konzern-Umfeld. Die vorhandenen Belege lägen der Staatsanwaltschaft Braunschweig vor. Ein Justizsprecher wollte dies nicht bestätigen: „Wir lassen uns nicht in die Karten schauen.“

Staatsanwaltschaft mit dem Verlauf der Ermittlungen zufrieden

Gebauer und der frühere Skoda-Personalchef Helmuth Schuster sollen ein Geflecht von Tarnfirmen aufgebaut und Gelder, die VW oder Skoda zustanden, auf eigene Konten umgeleitet haben. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen die beiden früheren VW-Manager wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue.

Justizsprecher Klaus Ziehe sagte am Freitag: „Wir sind zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Ermittlungen.“ Die Ermittler hätten sich zunächst auf Untreuevorwürfe gegen Schuster und Gebauer konzentriert. Mehrere Zeugen wurden vernommen. Details nannte Ziehe nicht. Die Vorgänge bei VW werden außerdem von der Innenrevision des Konzerns sowie von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG untersucht.

Markenchef Bernhard fordert Zugeständnisse

Zur Lage der Konzern-Kernmarke sagte VW-Markenchef Bernhard der Mitarbeiter-Zeitung „Autogramm“: „So gut wie es uns jetzt geht, wird es uns die nächsten drei Jahre nicht mehr gehen. Und es geht uns nicht gut.“ Bernhard weiter: „Wir haben uns die Frage gestellt: Was müssen wir leisten, um die nächsten Jahre zu überstehen.“ Das Ergebnis sei das Sparprogramm von sieben Milliarden Euro. Er kündigte für das zweite Halbjahr 2006 ein Programm mit „Verkaufsförderungen“ in Höhe von 40 Millionen Euro an, mit dem der Absatz der in Wolfsburg gefertigten Modelle angekurbelt werden soll. Details nannte er nicht. In Wolfsburg wird vorrangig der Golf V gefertigt.

Branchenkreisen zufolge will der ganze Autokonzern in den kommenden drei bis vier Jahren insgesamt rund zehn Milliarden Euro einsparen. Bis Ende 2008 soll das konzernweite Nettoergebnis dadurch um vier Milliarden Euro verbessert werden. 2004 war der Konzerngewinn erneut deutlich gesunken. Das neue Sparprogramm soll im November dem Aufsichtsrat zur Zustimmung vorgelegt werden.

Betriebsrat lehnt „einseitigen“ Sparkurs ab

Den Betriebsrat forderte Bernhard zu Zugeständnissen beim geplanten Bau des Golf-Geländewagens in Wolfsburg auf. „Für den Markterfolg fehlen uns noch rund 850 Euro Kostensenkung pro Fahrzeug, die wir produktseitig nicht mehr schließen können. Zur Zeit laufen die Gespräche mit dem Betriebsrat, diese 850 Euro mit Maßnahmen zu belegen.“ Bis zum 20. August müsse es ein Ergebnis geben, damit der Geländewagen beschlossen werden könne. „Jede Verzögerung schadet dem Produkt und nützt unseren Wettbewerbern“, sagte Bernhard.

Der VW-Gesamtbetriebsrat äußerte sich am Freitag nicht direkt zu den Forderungen Bernhards. In einer Erklärung hieß es, der Sparkurs dürfe nicht „einseitig“ zu Lasten der Belegschaft gehen. Bestehende Verträge müßten eingehalten werden. Der Gesamtbetriebsrat stehe aber dazu, daß die „Strukturen und Prozesse“ bei der Marke Volkswagen verändert werden müßten, um die Kosten zu optimieren. Nach dem Sommerurlaub würden die Einzelheiten mit Vorstand und Management diskutiert.

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Von Heike Göbel

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