15.05.2006 · Der japanische Automobilkonzern Toyota prüft die Entwicklung eines Billigautos nach dem Vorbild des Dacia Logan. „Wir diskutieren das derzeit sehr intensiv“, sagte Toyotas Europa-Chef Shinichi Sasaki der F.A.Z.
Der japanische Automobilkonzern Toyota prüft die Entwicklung eines Billigautos nach dem Vorbild des Dacia Logan. "Wir diskutieren das derzeit sehr intensiv", sagte Toyotas Europa-Chef Shinichi Sasaki der F.A.Z. Ein Auto, das wie der Logan für rund 5000 Euro in osteuropäischen Märkten verkauft werden könnte, würde die Wachstumsstrategie der Japaner im Volumensegment abrunden.
„Für solch ein Auto bräuchten wir noch eine andere Marke“, sagte Sasaki. Toyota steht nach seinen Worten für Qualität und Technologie, nicht aber für einen niedrigen Preis. Im Luxussegment ist der nach General Motors zweitgrößte Autohersteller der Welt bereits mit der Marke Lexus auf Erfolgskurs.
Potential für „Low-cost-cars“
In den Gedankenspielen der Toyota-Manager könnte nun Aygo als Einstiegsmarke in Frage kommen - analog zur Toyota-Marke Scion auf dem amerikanischen Markt. Bisher ist Aygo nur die Bezeichnung für das kleinste Auto in der Modellpalette, das Toyota zu Preisen ab 8950 Euro anbietet. Sasaki ist mit dem Erfolg des Aygo sehr zufrieden. Doch ein vergleichbares Auto wie der Dacia Logan fehlt seiner Meinung nach im Toyota-Angebot. Schließlich zeige der Logan das Potential für sogenannte "Low-cost-cars". Der Logan ist von Renault-Nissan als "Auto für 5000 Euro" für die Schwellen- und Entwicklungsländer konzipiert worden, wurde im ersten Jahr fast 170.000mal verkauft und soll vom Jahr 2010 an in mehreren Karosserievarianten jährlich die Millionengrenze erreichen. Inzwischen findet die Billigmarke aus Rumänien nach verhaltenem Start sogar in Deutschland Zuspruch. "Wir haben das Verkaufsziel in diesem Jahr von 4000 auf 6000 Einheiten angehoben", sagte ein Renault-Sprecher der F.A.Z.
Sollte sich Toyota ebenfalls für ein Billigauto entscheiden, würde das neue Werk in Rußland als Produktionsstätte in Frage kommen, sagte Sasaki. In St. Petersburg entsteht in diesen Tagen das neunte Toyota-Werk auf dem europäischen Kontinent. Es wird 2007 in Betrieb gehen. In dem Montagewerk mit einer Jahreskapazität von 50000 Einheiten soll zunächst eine Stufenheckversion gebaut werden, die Teile dafür kommen noch aus Japan. "Grundsätzlich verfolgen wir die Strategie, unsere Autos nah am Kunden zu bauen", sagte Sasaki.
Kein Montagewerk in Deutschland
Daß Deutschland die Ausnahme von dieser Strategie ist, soll auch so bleiben. Damit dementierte Sasaki entsprechende Gerüchte, wonach Toyota ein neues Montagewerk auf dem größten Automarkt Europas bauen könnte: "Wir produzieren für Westeuropa in Frankreich und in England. Das genügt uns, allerdings werden wir die Fertigungskapazität erhöhen." So soll im französischen Werk die Produktion des Toyota Yaris von derzeit 220000 auf 270 000 Stück ausgebaut werden. Parallel dazu wird die Kapazität in England, wo der Toyota Corolla und der Avensis vom Band rollen, von 250000 auf 285000 Einheiten aufgestockt.
Erkennbar ist der Versuch des japanischen Unternehmens, sich stärker als europäischer Autobauer zu positionieren. "Für uns ist es wichtig, daß wir Autos für Europa designen und, noch wichtiger, sie hier auch bauen." In diesem Jahr soll die Produktion in Europa auf 806.000 Fahrzeuge zulegen, nachdem im Vorjahr 638000 gebaut wurden. Zudem will Toyota hierzulande zusehends als Technologie-Marke wahrgenommen werden. Mit dem Hybridfahrzeug Prius, das von einem Verbrennungs- und einem Elektromotor angetrieben wird, hat sich Toyota bereits als Ökomarke profiliert. Auch aus diesem Grund bauen die Japaner ihre Geschäfte mit deutschen Zulieferern aus. "Ein Viertel unserer europäischen Zulieferer sind deutsche Firmen", sagte Sasaki und nannte beispielhaft die großen Zulieferer Robert Bosch und Continental. Schon heute kauft Toyota für rund eine Milliarde Euro bei deutschen Zulieferern ein. "In dem Maße, wie wir wachsen, nehmen auch die Gelegenheiten für zusätzliche Geschäfte zu", sagte er.
Die Japaner sind entschlossen, in diesem Jahr in Europa eine Million Fahrzeuge der Marke Toyota plus 45.000 Autos der Luxusmarke Lexus zu verkaufen. Davon werden etwa drei Fünftel in den europäischen Werken von 55.000 Beschäftigten hergestellt werden. Im ersten Quartal setzte der japanische Konzern mit 278680 Autos 4 Prozent mehr ab als vor einem Jahr. Der Marktanteil beträgt 5,5 Prozent.
An der Kapazitätsgrenze
An die Kapazitätsgrenze ist Toyota bei der Herstellung von Motoren gestoßen. Sasaki bestätigte umfassende Gespräche über eine Ausweitung der Motorenproduktion: "Wir müssen rasch eine Entscheidung treffen, denn derzeit importieren wir Motoren aus Japan, und das ist auf Dauer zu teuer." Der Europa-Chef bevorzugt den Ausbau einer der beiden bestehenden Fabriken in Polen. Doch auch einen Werksneubau schloß er nicht aus. "Sollten unsere Kunden verstärkt Autos mit den großen V6- und V8-Motoren verlangen, sind wir innerhalb von zwei Jahren in der Lage, ein weiteres Werk in Europa zu bauen", sagte Sasaki. "Wir müssen das nicht fünf Jahre im voraus ankündigen", fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu. Eine neue Fabrik müßte jährlich mehr als 100000 Motoren produzieren. Das polnische Werk in Jelcz-Laskowice hat eine Kapazität von 180.000 Dieselmotoren pro Jahr.
| Name | Kurs | Prozent |
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