03.11.2004 · Im Tarifstreit bei Europas größtem Autobauer Volkswagen haben sich Management und Gewerkschaft auf einen Kompromiß geeinigt und geben den Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie bis zum Jahr 2011.
Der Tarifstreit bei Volkswagen ist beendet. Europas größter Automobilkonzern hat sich mit der IG Metall auf einen Kompromiß geeinigt, mit dem die 103000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen VW-Werken bis 2011 gesichert werden sollen. Im Gegenzug akzeptierte die Gewerkschaft nach rund 27-stündigen Verhandlungen am Mittwoch in Hannover eine Nullrunde bei Löhnen und Gehältern bis Ende Januar 2007. Die Beschäftigten erhalten im März 2005 aber eine Einmalzahlung von 1000 Euro.
Bundeskanzler Schröder lobte die Übereinkunft: „Ich unterstütze die Einigung in vollem Umfang“, sagte der Bundeskanzler. „VW zeigt, wie es geht.“ Das Ergebnis bringe Arbeitsplatzsicherheit und sichere gleichzeitig die Investitions- und Innovationsfähigkeit des Unternehmens. Für VW gebe es nun mehr Sicherheit in seiner wirtschaftlichen Kalkulation.
Kursabschläge an der Börse
Zusammen mit weiteren Zugeständnissen der IG Metall, die viele Forderungen des VW-Vorstands akzeptiert hat, führt der Tarifabschluß bei Volkswagen von 2006 an zu einer Senkung der Arbeitskosten um gut eine Milliarde Euro. Bis 2011 will der Autobauer, dessen Konzerngewinn zuletzt kräftig eingebrochen ist und der mit der Kernmarke VW sogar Verlust macht, den Personalaufwand um 30 Prozent oder 2 Milliarden Euro senken. Mit dem gefundenen Kompromiß leitet VW schrittweise den Ausstieg aus dem teuren Haustarifvertrag ein, nach dem die Mitarbeiter gut 20 Prozent mehr verdienen als in der Metallindustrie gemäß Flächentarif üblich ist.
Bundeswirtschaftsminister Clement (SPD) zeigte sich erleichtert über die Einigung: „Das ist ein sehr wichtiges, sehr positives Signal für den Standort Deutschland.“ Es zeige auch im Ausland, daß Deutschland solche Probleme ohne einen gravierenden Arbeitskampf lösen könne. Der Autoverband VDA sprach von einem positiven Zukunftssignal. „Uns fällt ein tonnenschwerer Stein vom Herzen“, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. An der Börse wurde der Kompromiß dagegen mit deutlichen Kursabschlägen quittiert. Die VW-Aktie verlor mehr als 3 Prozent und war damit größter Verlierer im Deutschen Aktienindex. Börsianer kritisierten vor allem die lange Garantie zur Sicherung der Arbeitsplätze als zu „unflexibel“ für VW. Nach der von VW zugesagten Beschäftigungssicherung sind betriebsbedingte Kündigungen bis 2011 ausgeschlossen.
IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine bezeichnete die Einigung als „fairen Kompromiß“, für den die Gewerkschaft aber auch „einige Kröten“ habe schlucken müssen. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 4 Prozent mehr Lohn gefordert. Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters sprach von einem „Kompromiß mit Augenmaß“. Das Ergebnis wahre die Interessen der Beschäftigten und des Unternehmens, wobei es auch „Wermutstropfen“ gegeben habe. Dazu gehöre etwa, daß Neueinstellungen zu anderen Konditionen als den jetzt bestehenden erfolgten. Nach Angaben von VW werden neue Mitarbeiter künftig gemäß Flächentarif bezahlt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,20 | −1,07% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,40 $ | −1,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?