23.04.2004 · Trotz des Entschlußes die finanzielle Unterstützung für Mitsubishi zu beenden, schließt Finanzvorstand Manfred Gentz gemeinsame Projekte dennoch nicht aus.
Die Strategie von Daimler-Chrysler in Asien muß völlig neu überdacht werden, nachdem der Stuttgarter Autokonzern dem japanischen Autobauer Mitsubishi die Unterstützung aufgekündigt hat: Als Partner, die gemeinsam den asiatischen Automarkt bearbeiten, können die beiden Autohersteller nicht mehr gesehen werden. Zwar betonte Finanzvorstand Manfred Gentz während einer Telefonkonferenz, alle laufenden Projekte seien vertraglich abgesichert und würden fortgeführt.
Dazu zählt unter anderem der mit Mitsubishi gemeinsam entwickelte viersitzige Smart, der in diesen Tagen auf den Markt kommt, aber auch Projekte mit Chrysler. Möglicherweise werde es künftig sogar weitere gemeinsame Projekte geben, auch im Interesse von Mitsubishi, stellte Gentz in Aussicht. Allerdings räumte Gentz ein, daß die Asien-Strategie überdacht werden müsse: "Mitsubishi war ein wichtiger Teil unserer Strategie", sagte Gentz. Aber das bedeute nicht, daß der Kurs völlig falsch gewesen sei.
Investoren zweifeln
Erklärtes Ziel von Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp war es, aus dem Stuttgarter Automobilkonzern eine "Welt AG" zu bauen, die in allen wichtigen Märkten der Welt mit starken Marken und einem kompletten Produktprogramm quer durch alle Fahrzeugkategorien präsent sein soll. Investoren zweifeln am Sinn dieser Strategie, seit die 1998 übernommene Chrysler-Sparte dem Konzern Milliardenverluste bescherte und sich bei Mitsubishi immer neue Problemfelder auftaten. Das Engagement bei Mitsubishi hat Daimler-Chrysler seit dem Einstieg vor vier Jahren mindestens 2,5 Milliarden Euro gekostet. Ob das personelle Konsequenzen rechtfertige, wollte Finanzvorstand Manfred Gentz nicht ausschließen: "Darüber zu entscheiden ist allein Sache des Aufsichtsrats", sagte Gentz zurückhaltend.
An der Börse kamen die Nachrichten aus Stuttgart sehr gut an: Der Aktienkurs von Daimler-Chrysler kletterte am Freitag im Verlauf um 7 Prozent auf 38,50 Euro. Mit der Entscheidung werde eine große Verlustquelle trockengelegt und zugleich die Gefahr einer erheblichen Liquiditätsbelastung gebannt, lobte Albrecht Denninghoff, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank. Während Michael Punzet von der Landesbank Rheinland-Pfalz es nun für möglich hält, daß sich Daimler auch von Chrysler trennt, hält Denninghoff dies für wenig wahrscheinlich: "Dank des Rückzugs bei Mitsubishi gibt es jetzt mehr Kapazitäten, um sich um Chrysler zu kümmern." Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft DWS, sagte: "Es ist sehr positiv zu bewerten, daß das Unternehmen die Flexibilität und die Kraft hat, eine Fehlentscheidung zu revidieren."
Seit dem Zusammenschluß mit Chrysler im Mai 1998 hat die Daimler-Aktie 60 Prozent an Wert verloren. In der gleichen Zeit legten die Kurse von BMW und Porsche um 14 und 127 Prozent zu; Volkswagen verlor 48 Prozent. Bei BMW setzte der Aufwärtstrend freilich erst ein, nachdem man sich im Jahr 2000 von dem großen Problemkind Rover getrennt hatte. Dieses fehlgeschlagene Engagement hat BMW insgesamt 4,1 Milliarden Euro gekostet. Inzwischen konzentrieren sich die Bayern erfolgreich auf die organische Erweiterung ihrer Produktpalette. Das Geschäft mit Oberklassefahrzeugen ist vergleichsweise konjunkturresistent und beschert hohe Margen. Daher zählt BMW mit einer Umsatzrendite vor Steuern von 8 Prozent zu den profitabelsten Autoherstellern Europas. Porsche steht mit 17 Prozent noch besser da. Das Unternehmen hat sich nie an der Akquisitionsfront vergriffen und konzentriert sich ganz auf das lukrative Sport- und Geländewagensegment.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,39 | −0,33% |
| Dow Jones | 12.408,60 | −0,09% |
| EUR/USD | 1,2366 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 102,30 $ | −0,92% |
| Gold | 1.540,00 $ | 0,00% |
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