16.11.2006 · Bei der Aufsichtsratsitzung von Porsche steckte die Überraschung in einer Pflichtmitteilung: Der Vorstand und Aufsichtsrat von Porsche soll einen Milliardenspielraum bekommen. Der wiederum würde für eine Mehrheitsübernahme von VW ausreichen.
Von Susanne Preuß, StuttgartDie Überraschung ist Porsche wieder einmal geglückt. Erwartet wurde von der Aufsichtsratssitzung von Porsche am Mittwoch, daß wieder einmal (genauer: zum zwölften Mal) neue Rekordwerte für den Gewinn verkündet würden sowie die Vertragsverlängerung für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking um weitere fünf Jahre.
Doch der eigentliche Coup versteckte sich mitten in der Pflichtmitteilung: Porsche plant, sich von der Hauptversammlung genehmigtes Kapital in so großem Umfang bewilligen zu lassen, daß Vorstand und Aufsichtsrat einen Spielraum für riesige Transaktionen hätte, selbst für eine Mehrheitsübernahme von Volkswagen. Diese würde nach aktuellem Kursniveau bis zu 12 Milliarden Euro kosten.
Zukäufe mit symbolischem Wert
Eilig hat es Porsche mit Sitz in Zuffenhausen aber nicht. Offiziell handelt es sich nur um einen Vorratsbeschluß: „Derzeit bestehen keine Pläne, den Anteil an VW über 29,9 Prozent aufzustocken“, lautet die offizielle Sprachregelung, freilich durchaus mit Betonung auf „derzeit“. Aktuelle Zukäufe - seit Mittwoch hat Porsche ja bereits 27,4 Prozent der Aktien - sind ohnehin von symbolischem Wert und sollen Porsches Vormachtstellung untermauern.
Die Stimmrechte der Volkswagen-Aktionäre sind aber durch das VW-Gesetz auf maximal 20 Prozent begrenzt, so daß Porsche noch keine Dominanz hat, im Gegenteil: Das VW-Gesetz sichert Niedersachsen sogar eine Sperrminorität zu. Doch diese Sonderregelung gilt nicht als konform mit dem EU-Recht. Im nächsten Jahr, so die Erwartung, dürfte der Europäische Gerichtshof (EuGH) das Gesetz kippen. Eine Verhandlung zu dem Thema ist für den 12. Dezember anberaumt.
VW bald wieder ein Familienunternehmen
Formal muß ohnehin erst noch die Hauptversammlung über das genehmigte Kapital entscheiden. Bei der Veranstaltung am 26. Januar in der neuen Porsche-Arena in Stuttgart sind zwar heftige Diskussionen darüber zu erwarten, weil eine Milliardeninvestition bei einem Massenhersteller natürlich keine sichere Geldanlage ist. Doch nur Vorzugsaktionäre werden diskutieren.
Alle stimmberechtigten Stammaktien aber liegen bei den Familien Porsche und Piëch, weshalb die Zustimmung als sicher gelten kann. Was danach passiert, ist reine Spekulation. Analysten halten es durchaus für denkbar, daß Porsche bald die VW-Mehrheit übernimmt und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch aus Volkswagen letztlich wieder ein Familienunternehmen macht.
Nur eine Drohkulisse
Andere Szenarien gehen von kleineren Schritten aus in der Annahme, daß Porsche das Risiko scheut, den Wolfsburger Konzern in der eigenen Bilanz voll konsolidieren zu müssen. Porsche könnte ein Übernahmeangebot für VW zu einem sehr niedrigen Preis vorlegen und damit bezwecken, daß zunächst nur wenige Aktionäre ihre Aktien andienen, überlegt beispielsweise Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim.
Danach sei Porsche frei, ohne weitere Meldepflicht den Anteil an VW zwischen 30 und 50 Prozent schwanken zu lassen. Manche Beobachter nehmen sogar an, daß Porsche mit der Vorbereitung einer Kapitalerhöhung nur eine Drohkulisse aufgebaut habe, um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren: „Porsche kann ja nicht sicher sein, ob Niedersachsens Ministerpräsident Wulff noch einen Investor findet, der sich mit 10 Prozent einkauft.“
„Zu teuer, um Herrn Wulff einen Gefallen zu tun“
Bei MAN habe Wulff schließlich schon angeklopft - um dann aber zu hören, daß die Bayern eine Investition über 2 Milliarden Euro „doch etwas zu teuer finden, um Herrn Wulff einen Gefallen zu tun“. Als sicher kann gelten, daß die Porsche-Stammaktien im Familienbesitz bleiben. Die Erhöhung des Stammkapitals wäre also allein von den Familien Porsche und Piëch zu stemmen.
Sollte der Kapitalrahmen vollständig ausgenutzt werden, wären allein dafür 4 Milliarden Euro nötig. Ob die Familien so viel Geld liquide haben, ist nicht bekannt. Zum Vermögen der Familie gehört neben dem Stuttgarter Autohersteller auch die Porsche Holding in Salzburg, die als größter VW-Händler gilt. Zudem hat jedes einzelne der rund 30 Familienmitglieder ein eigenes Vermögensportfolio, beginnend bei Hotels und Seilbahnen, Touristenschiffen und Flughafen-Anteilen bis zur schweizerischen Uhrenmanufaktur Eterna.
Optionen gekauft, als der Kurs noch halb so hoch war
Beim Finanzvorstand von Porsche, Holger Härter, laufen die Vorbereitungen für die Transaktionen bereits - was auch immer die Familien vorhaben, denn er ist Spezialist für Kurssicherungen. Einen deutlich dreistelligen Millionenbetrag hat Porsche auf der Ergebnisseite für das Geschäftsjahr 2005/2006 (31. Juli) allein den Kurssicherungsgeschäften für VW-Aktien zu verdanken, weil Porsche Optionen gekauft hat, als der Kurs noch halb so hoch war wie heute.
Wie viele Call Optionen zu welchem Preis sich Porsche bereits über den aktuellen Kapitalanteil von 27,4 Prozent hinaus gesichert hat, darüber schweigt sich Porsche aus. Prinzipiell, so heißt es nur, seien alle Kurssicherungsgeschäfte an den Geschäftszielen zu orientieren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,20 | −1,07% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,40 $ | −1,36% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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