06.01.2004 · Die Autokonzerne befürchten 2004 härtere Preiskämpfe. Es bestehe die Gefahr, daß die Rabattschlachten in Amerika nach Europa getragen würden, sagte VW-Chef Pischetsrieder. FAZ.NET-Spezial zur Auto-Show Detroit.
Der Automobilkonzern befürchtet, daß sich der Preiskampf in Europa in diesem Jahr deutlich verschärfen wird. Es bestehe die Gefahr, daß die Rabattschlachten in Amerika nach Europa getragen würden, sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder dieser Zeitung. Gleichwohl will sich Pischetsrieder keinesfalls auf dieses "ökonomisch halsbrecherische Spiel" einlassen: "Wir machen da nicht mit."
Das vierte Quartal 2003 ist offenbar analog zu den Erwartungen des Volkswagen-Vorstands verlaufen: Es gebe keinen Grund, von der bisherigen Ergebnisprognose abzuweichen, sagte Pischetsrieder. Der Konzern hatte Ende Oktober erklärt, daß das Betriebsergebnis 2003 um etwas mehr als die Hälfte einbrechen werde. Dafür macht der Vorstand neben dem starken Euro vor allem die hohen Vorleistungen für neue Modelle, Sonderabschreibungen auf Luxuswagen (Phaeton, Bentley) sowie Restrukturierungsaufwendungen in Brasilien verantwortlich.
Pischetsrieder rechnet mit Erholung des deutschen Marktes
Nach dem "für alle Hersteller schweren Jahr 2003" erwartet Pischetsrieder im laufenden Jahr zumindest in Deutschland eine Erholung: Bei den Neuzulassungen rechnet er mit einem Anstieg auf rund 3,4 Millionen Fahrzeuge gegenüber 3,25 Millionen im zurückliegenden Jahr. "Früher oder später müssen doch die Leute ihr Geld ausgeben", sagte Pischetsrieder mit Blick auf die hohe Sparquote in Deutschland.
Nach den Planungen des Konzernchefs soll Volkswagen stärker wachsen als der Gesamtmarkt, was vor allem dem neuen Golf geschuldet ist. Der Kompaktwagen, der traditionell den größten Ergebnisbeitrag liefert, soll in diesem Jahr 600000 Mal verkauft werden. An diesem Ziel hält VW unbeirrt fest, obwohl der Anlauf nicht plangemäß verlaufen ist: Statt der avisierten 135.000 konnten bis Ende 2003 nur rund 110.000 Einheiten produziert werden. Dies entspreche zwölf Produktionstagen, die leicht im laufenden Turnus aufgeholt werden könnten, sagte Vertriebsvorstand Detlef Wittig.
Bei den Kundenaufträgen liege man im Plan, versicherte Wittig, ohne Zahlen zu nennen. Zugleich gab er allerdings zu, daß er insgeheim auf einen größeren Nachfrageschub gesetzt hatte: Mit dem neuen Golf habe man bislang leider nicht - wie erhofft - den gordischen Knoten zerschlagen.
Keine Preisnachlässe für den Golf
Obwohl sich viele Kaufinteressenten wegen der allgemein schlechten Wirtschaftslage zurückhalten, will VW den Golf-Absatz keinesfalls über Preisnachlässe ankurbeln. Eher sei man gegebenenfalls bereit, die Produktion zurückzufahren, sagte Wittig. Nach dessen Einschätzung gewähren die Wettbewerber in Europa (allen voran die Franzosen) schon heute Preisnachlässe von durchschnittlich 9 bis 10 Prozent.
VW liege bei etwa einem Drittel dieses Wertes, hieß es in Detroit. In Amerika, wo die großen Hersteller wie General Motors, Ford und Chrysler den Absatz ihrer Fahrzeuge durchschnittlich mit jeweils 4700 Dollar fördern (VW liegt nach eigenen Angaben bei 1300 Dollar), summieren sich die Kaufanreize auf 13 Prozent der Neuwagenpreise, ermittelte das Marktforschungsinstitut CNW Research. Trotz der Beteuerungen einiger amerikanischer Konzernvorstände, daß es so nicht weitergehen könne, sieht VW momentan keine Anzeichen für eine Entschärfung des Preiskampfes in Übersee.
Tuareg mit Wachstumschancen
Volkswagen habe 2003 seinen Marktanteil im rückläufigen amerikanischen Personenwagen-Geschäft gehalten, sagte Pischetsrieder. Er wertete dies als Beweis dafür, daß die Strategie, die dortigen Rabattschlachten nicht mitzumachen, richtig sei. Auch im laufenden Jahr soll die Marktposition gehalten werden, gab Pischetsrieder als Ziel vor.
Gute Wachstumschancen sieht Pischetsrieder vor allem für den Touareg, der als sogenanntes Sports Utility Vehicle (SUV) in Amerika zu dem Segment der leichten Nutzfahrzeuge gezählt und daher steuerlich begünstigt wird. Aber auch beim Phaeton hat er nach eigenem Bekunden "hohe Erwartungen". Die Edellimousine, die VW wegen der Dollarschwäche und des generell niedrigeren Preisniveaus für Oberklassewagen rund 20000 Euro billiger anbietet als in Deutschland, soll in Amerika 2500 bis 3000 Abnehmer finden.
Pischetsrieder hält an Phaeton fest
"Der Phaeton ist sehr wichtig für die VW-Marke", verteidigte Pischetsrieder den umstrittenen Vorstoß in die Luxusklasse, der VW 2003 teuer zu stehen kommt. Wie berichtet, muß der Konzern im vierten Quartal Sonderabschreibungen auf aktivierte Entwicklungsaufwendungen in der Größenordnung von 500 Millionen Euro vornehmen, weil sich besonders der Phaeton, aber auch der Bentley Arnage deutlich schlechter als ursprünglich geplant verkaufen.
Dennoch hält Pischetsrieder am Phaeton fest: "Wir werden einen Erfolg daraus machen und nicht auf halbem Weg umkehren." Dabei sei nicht entscheidend, wieviel Phaetons am Ende verkauft würden. Viel wichtiger sei das Ziel, mit Hilfe des Phaetons die Preisposition der gesamten Markengruppe, die heute 8 Prozent über dem Wettbewerb liege, zu halten.
Pischetsrieder bekräftigte, daß die große Preislücke zwischen Passat und Phaeton geschlossen werden soll. "Im April werden wir entscheiden, wie dieses Modell, das gewiß keine konventionelle Stufenhecklimousine wird, aussehen soll."
Es gebe zwei verschiedene Grundrichtungen, in die es gehen könne: Entweder werde der - intern C1 genannte - Wagen aus einem allradgetriebenen Audi Quattro abgeleitet. Oder man greife auf den Heckantrieb von Maserati zurück. Den Entwicklungsaufwand für dieses Fahrzeug, das voraussichtlich 2007 in Serie gehen soll, veranschlagt Pischetsrieder auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,08 | −1,01% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2448 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,48 $ | −1,28% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?