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Automobile Opel trägt die Hauptlast der GM-Sanierung

12.10.2004 ·  Noch konzentrieren sich Spekulationen über Stellenabbau auf Trollhättan in Schweden und Rüsselsheim. Das Tauziehen lenkt aber von Plänen bei General Motors ab, die noch tiefgreifender sind: Bochum steht am schwächsten da.

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Die Adam Opel AG wird vermutlich die Hauptlast der Sanierung im Europageschäft von General Motors (GM) tragen. In der sowohl die Fahrzeugwerke Rüsselsheim, Bochum und Eisenach als auch das Komponentenwerk Kaiserslautern umfassenden Gesellschaft sollen 6.000 bis 7.000 der rund 32.000 Arbeitsplätze wegfallen. In ganz Europa gelten als neue Zielgröße 50.000 Stellen. Derzeit beschäftigt GM Europa 62.000 Menschen.

Entsprechende Planungen will der Autokonzern nach Informationen dieser Zeitung am kommenden Donnerstag bekanntgeben. Dann steht der Quartalsbericht von GM an, in dessen Rahmen auch Eckdaten für die Sanierung der europäischen Tochtergesellschaften Opel, Saab und Vauxhall erstmals offiziell benannt werden sollen. Details wolle man aber noch nicht nennen, verlautet aus Firmenkreisen.

Deshalb wird auch die Verteilung der Stellenstreichungen auf die einzelnen Standorte weiterhin Gegenstand von Spekulation bleiben. Offenbar ist nahezu jedes Werk in Europa von Kürzungen bedroht. Zudem sollen Stellen in Entwicklung, Vertrieb und Marketing wegfallen. Auch das Gemeinschaftsunternehmen zur Herstellung von Motoren und Getrieben mit dem italienischen Konzern Fiat soll betroffen sein. Als einigermaßen sicher vor Einschnitten gelten derzeit nur die Opel-Werke Eisenach und Gleiwitz in Polen.

Immer größere Verluste

Für den Freitag ist eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates von Opel vorgesehen. Im Anschluß sollen die Verhandlungen mit dem Betriebsrat intensiviert werden. Bis spätestens Ende November soll dann der gesamte Sanierungsplan stehen. Große Schwierigkeiten bereiten offenbar Arbeitsplatzgarantien und Standortsicherungsverträge, die - je nach Standort verschieden - noch mehrere Jahre die Mitarbeiter vor Kündigungen schützen.

GM dringt allerdings angesichts der immer größer werdenden Verluste auf einen schnellen Abbau des Personals und erwägt auch betriebsbedingte Kündigungen. "Uns bleibt keine Zeit", sagt ein Mitarbeiter. Die Verluste stiegen mit immer größerer Geschwindigkeit. Offiziell nimmt GM keine Stellung zur Ertragssituation. Inoffiziell werden Zahlen von 400 bis 500 Millionen Euro Verlust für das laufende Jahr herumgereicht. Der Betriebsrat sehe zwar die Schieflage des Unternehmens, werde sich Zugeständnisse aber nur durch weitreichende Garantien für die übrigbleibenden Mitarbeiter abhandeln lassen, heißt es.

Kein Geld für Sanierungen

Ob unter den Garantien Bestandsversprechen für die einzelnen Standorte sein werden, ist ungewiß. Derzeit konzentrieren sich alle Spekulationen auf die Werke Trollhättan (Schweden) und Rüsselsheim, die um die für 2007/2008 anstehende Produktion der künftigen Mittelklasse (Opel Vectra und Saab 9.3) konkurrieren. Das Tauziehen lenkt aber offenbar von Planungen ab, die noch tiefgreifender sind: Nach internen Berechnungen steht das Werk Bochum unter allen europäischen Standorten am schwächsten da.

"Wenn man alle Fakten in Betracht zieht, müßten wir Bochum schließen. Aber wie sollen wir das anfangen?" sagt ein Manager. Bochum habe wegen hoher Kosten und der altertümlichen Anordnung der Anlagen erhebliche Nachteile in Fertigung und Logistik. Das Werk müßte, um aktuellen Standards zu genügen, so modernisiert werden, wie in Rüsselsheim im Jahr 2002 für 750 Millionen Euro geschehen. Doch dafür stehe kein Geld zur Verfügung. Außerdem mache es keinen Sinn, denn GM müsse mangels Nachfrage in Europa mehrere hunderttausend Einheiten Produktionskapazität abbauen.

Einschnitte in Bochum gelten als hochgradig sensibel. Die Mitarbeiter haben in der Vergangenheit immer wieder ihre Streikbereitschaft bewiesen. Wegen der Vernetzung der Produktion mit anderen Werken genügt ein Ausstand von wenigen hundert Mitarbeitern, um die Fertigung von Opel in ganz Europa lahmzulegen.

Quelle: hap., Frankfurter Allgemeine Zeitung 12.10.2004
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