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Automobile Neue Sparrunde bei Volkswagen

06.06.2005 ·  Volkswagen will in den nächsten drei Jahren 4 Millarden Euro einsparen. Dies kündigt der Vorstandsvorsitzende Pischetsrieder in einem Interview mit der F.A.Z. an. Allein die Personalkosten sollen um eine Milliarde Euro sinken. Die Marke VW soll 2005 aus der Verlustzone fahren.

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Volkswagen verschärft den Sparkurs: „Bis 2008 könnten nochmals mehr als 4 Milliarden Euro Ergebnisverbesserungsmaßnahmen nötig sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder dieser Zeitung. Er will das Effizienzsteigerungsprogramm „For Motion“ fortsetzen, mit dem bis Ende dieses Jahres 3,1 Milliarden Euro eingespart werden sollen. Eine Entscheidung über den Budgetplan kündigt Pischetsrieder für November an.

Europas größter Automobilkonzern reagiert damit auf die anhaltend schlechte Ertragslage. Der Gewinn geht seit drei Jahren zurück. Im ersten Quartal 2005 hat Volkswagen nur dank der Finanzdienstleistungssparte unter dem Strich noch einen kleinen Überschuß ausgewiesen. Pischetsrieder sagte, daß die mehr als 4 Milliarden Euro, die von 2006 bis 2008 ergebniswirksam werden sollen, aus Einsparungen und Leistungsverbesserungen resultieren würden. Bei den Materialkosten will er allein im nächsten Jahr mehr als eine Milliarde Euro einsparen; eine weitere Milliarde Euro soll bei den Personalkosten wegfallen. Die Kernmarke VW soll schon bald wieder aus der Verlustzone kommen: „Das schaffen wir in diesem Jahr.“

Fertigungsstandorte vorerst nicht gefährdet

Dennoch rückte Pischetsrieder von dem ursprünglichen Renditeziel ab: Nach früheren Ankündigungen von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sollte Volkswagen 2006 die im Automobilgeschäft angestrebte Kapitalrendite von 9 Prozent erreichen. Auf die Frage, ob dies noch zu schaffen sei, sagte Pischetsrieder: „Nein, das ist unrealistisch.“ Im vergangenen Jahr lag die Kapitalrendite (definiert als operatives Ergebnis nach Steuern im Verhältnis zum investierten Vermögen) bei 1,2 Prozent.

Trotz Überkapazitäten von 1 Million Autos im Jahr steht die Schließung eines Werkes derzeit nicht an. Aber einen solchen Schritt schloß Pischetsrieder nicht grundsätzlich aus: „Es kann ja sein, daß ein Standort nachhaltig nicht in der Lage ist, den Weltmarkt profitabel zu bedienen. Dann müßten wir handeln.“ Im Wettbewerb aller Standorte gilt Brüssel als Wackelkandidat. Das Werk, in dem Golf und Lupo gebaut werden, hatte Ende vorigen Jahres die Produktion des Jetta an Mexiko verloren. Auch der Lupo gilt seit Einführung des Kleinwagens Fox aus Brasilien als Auslaufmodell. Dafür darf Brüssel nun einen Bruchteil des erfolgreichen Audi A3 fertigen, doch reicht die Produktionsmenge von weniger als 20.000 Fahrzeugen im Jahr bei weitem nicht aus, um den Standort auszulasten.

Hoffnung auf Unterstützung aus Abu Dhabi

Um die Auslastung im Stammwerk Wolfsburg spürbar zu erhöhen, will Pischetsrieder den geplanten Kompaktgeländewagen dort bauen lassen - jedoch zu niedrigeren Kosten. Angestrebt wird deshalb eine Neuauflage des Entlohnungsmodells „5.000 mal 5.000“, das bei dem ebenfalls in Wolfsburg gebauten Minivan Touran erhebliche Kostenvorteile bringt. „Nicht eins zu eins“, wie Pischetsrieder sagte, „aber in den Grundzügen.“

Im „5.000 mal 5.000“-Tarif des Touran werden die Beschäftigten nicht nach Arbeitszeit, sondern nach der vorgegebenen Produktionsmenge bezahlt. Das ist günstiger als der VW-Haustarif. Während bei der Touran-Fertigung jedoch neue Arbeitskräfte eingestellt wurden, müßte das Tarifmodell in der geplanten Geländewagen-Produktion auf bestehende Tarifverträge angewendet werden.

Veränderungen sind überdies auch im Aktionärskreis möglich. Nach Aussage Pischetsrieders könnte es doch noch zu einem Einstieg Abu Dhabis bei VW kommen. Beide Seiten hätten nach wie vor Interesse an einem Engagement. Die Araber könnten das von VW gehaltene 10-Prozent-Paket eigener Aktien erwerben „oder auf andere Weise VW-Aktionär werden. Aber sie wollen nicht durch die Hintertür herein“, sagte der Volkswagen-Chef.

Das vollständige Interview lesen Sie im Wirtschaftsteil der F.A.Z. vom 7. Juni 2005, Seite 18

Quelle: rit., hpe., hst. / F.A.Z., 7. Juni 2005
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