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Automobile Mitsubishi Motors wirft das Personal-Karussell an

03.04.2004 ·  Während die Großaktionäre an den Details des milliardenschweren Finanzierungskonzepts für Mitsubishi arbeiten, setzt sich bei dem angeschlagenen Autobauer das Personalkarussell in Bewegung.

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Beim angeschlagenen Autobauer Mitsubishi Motors Corp. (MMC) setzt sich das Personalkarussell in Bewegung. Während die beiden Großaktionärsgruppen Daimler-Chrysler und das Mitsubishi-Konglomerat an den Details des milliardenschweren Finanzierungskonzepts arbeiten und die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit herunterstufte, ist Vizepräsident Steven Torok mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen ausgeschieden.

Er war für das internationale Verkaufs- und Marketinggeschäft zuständig. Unter anderem fiel die hochdefizitäre Amerika-Sparte in seinen Bereich. Mit Bekanntgabe der Personalie stieg an der Tokioter Börse die MMC-Aktie um mehr als zehn Prozent.

Neuer Geschäftsplan kommt Ende des Monats

Wie Mitsubishi Motors mitteilte, wird ein Nachfolger erst mit dem neuen Geschäftsplan des Unternehmens benannt. Dieser solle Ende des Monats vorgestellt werden. Bis dahin werde Präsident und CEO Rolf Eckrodt den Aufgabenbereich Toroks übernehmen.

Daimler-Chrysler, das 37 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer hält, will Mitsubishi Motors mittelfristig enger an sich binden. Das Unternehmen soll bis 2007 wieder nachhaltig profitabel gemacht sein. In den kommenden Wochen soll die Führungsmannschaft schrittweise neu besetzt werden. Eckrodt, der seit Sommer 2002 an der Spitze von MMC steht, soll seinen Stuhl Ende Juni räumen. Sein Nachfolger steht allerdings noch nicht fest.

Smart-Chef Renschler ist heißer Kandidat

Als erster Anwärter gilt der Chef der Daimler-Tochtergesellschaft Smart, Andreas Renschler. Unter seiner Federführung war bis Ende vergangener Woche ein neuer Sanierungsplan für MMC ausgearbeitet worden. Demnach soll Japans viertgrößter Autobauer stärker in die weltweite Plattformstrategie von Daimler-Chrysler eingebunden werden. Renschler packt dem Vernehmen nach zur Zeit in Stuttgart seine Koffer für einen längeren Japan-Aufenthalt.

Dagegen kehrt der nun vor die Tür gesetzte Vizepräsident Torok nach Amerika zurück. Er wird zur Chrysler-Gruppe gehen. Torok war im Oktober 2000 in das MMC-Board entsandt worden. Im Rahmen des nun angepeilten Umbauprogramms fand sich sein Name ganz oben auf der Streichliste. Seit Sommer 2003 galt Torok als angeschlagen.

Damals waren im Amerika-Geschäft millionenschwere Ausfälle aus jahrelang laxen Kreditgeschäften in der Autofinanzierung bekanntgeworden. Monatelang war der zuständige Vorstand nicht gegen die potentiellen Fehlerquellen vorgegangen. Dazu zählten tiefgreifende Strukturprobleme. So bot MMC Verkaufs- und Kreditgeschäfte aus einer Hand an, ohne gleichwertige Controlling-Systeme installiert zu haben.

Hohe Verluste bei Mitsubishi

Das Amerika-Geschäft riß Mitsubishi Motors im Verlaufe des mittlerweile abgeschlossenen Geschäftsjahres tief in die Verlustzone. MMC wird für 2003 wohl einen operativen Verlust von umgerechnet 770 Millionen Euro ausweisen. So war in den zurückliegenden Wochen der gesamte Geschäftsplan auf den Prüfstand gestellt und überarbeitet worden. Das Ergebnis liegt auf den Tischen der Großaktionäre in Tokio und Stuttgart. Den Kleinaktionären werden sie Ende April auf einer außerordentlichen Hauptversammlung präsentiert.

Im Vorfeld stufte die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's die langfristige Kreditwürdigkeit von MMC zurück. Dabei arbeiten die Großaktionäre von Daimler-Chrysler und dem weitverzweigten Mitsubishi-Konglomerat momentan an den letzten Einzelheiten einer milliardenschweren Kapitalspritze. So sei Daimler-Chrysler unterwegs, genügend Geld zu generieren.

Die Unternehmen der Mitsubishi-Gruppe rückten im Rahmen des Hilfsprogramms für MMC derzeit "ganz eng zusammen", hieß es in Tokioter Finanzkreisen. Sie seien inzwischen bereit, Vorzugsaktien im Wert von mehr als einer Milliarde Euro von MMC zu übernehmen. Das Konglomerat wollte die Summe am Freitag nicht kommentieren. MMC hat bereits einen Kapitalbedarf von mindestens zwei Milliarden Euro angemeldet. Damit solle unter anderem die bereits eingeleitet Produktoffensive abgesichert werden.

Darüber hinaus seien erste Verhandlungen mit der Development Bank of Japan (DBJ) aufgenommen worden. Dabei gehe es um die Vergabe eines langfristigen zinsniedrigen Kredits. Seine Höhe beläuft sich dem Vernehmen nach auf umgerechnet bis zu 770 Millionen Euro. Wie es in Unternehmenskreisen weiter heißt, könnten auf diese Weise kurzfristige Kredite umgeschichtet werden.

"Das brächte uns an der Kreditfront erst mal etwas Ruhe", sagte ein Unternehmenssprecher. Entscheidungen seien allerdings frühestens Ende April mit der Vorlage des neuen mittelfristigen Geschäfts- und Finanzplans zu erwarten. Vorher interessiere auch die momentane Rückstufung der Kreditwürdigkeit kaum. "Mit den neuen Plänen wird die Grundlage für ein solides Rating gelegt", hieß es bei MMC.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2004, Nr. 80 / Seite 15 , fib.
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Von Holger Steltzner

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