28.01.2005 · Mitsubishi Motors muß den dritten milliardenschweren Sanierungsplan in Angriff nehmen: Der Autohersteller aus Japan erwartetet einen Rekordverlust von 3,5 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr.
Die Mitsubishi Motors Corp. wird nach einem angekündigten Rekordverlust von 3,5 Milliarden Euro im laufenden Geschäftsjahr unter neuer Führung den dritten milliardenschweren Sanierungsplan in Angriff nehmen.
Nachdem die Restrukturierung durch die deutsche Daimler-Chrysler AG im Frühjahr 2004 abbrach und der von MMC anschließend aus eigener Kraft versuchte Umbau scheiterte, stehen dem verlustreichen Autobauer nun frische Mittel in Höhe von 2 Milliarden Euro zur Verfügung (F.A.Z vom 27. Januar). Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte MMC 3,5 Milliarden Euro seitens seiner japanischen Großaktionäre und externer Geldgeber erhalten. Die Wende zum Besseren hatte das dem Autobauer allerdings nicht gebracht. Vielmehr steckt Mitsubishi tiefer denn je in der Verlustzone.
Daimler-Chrysler zog die Reißleine
So werden CEO Yoichiro Okazaki durch Takashi Nishioka und Präsident Hideyasu Takaya durch Osamu Masuko von der Mitsubishi Corp. abgelöst. Wie das Unternehmen zum Wochenausklang erklärte, geht es für das im März beendete Geschäftsjahr bei Erlösen von 2 Billionen Yen (15 Milliarden Euro) und einem 132 Milliarden Yen (990 Millionen Euro) umfassenden Betriebsverlust von einem Nettofehlbetrag von 472 Milliarden Yen (3,5 Milliarden Euro) aus.
Bisher hatte es mit einem Minus von 1,7 Milliarden Euro gerechnet. Im Vorjahr erlitt es einen Fehlbetrag von 1,6 Milliarden Euro. Dem waren ein handfestes Finanzdebakel in Amerika und das Hervortreten eines weit in die neunziger Jahre zurückreichenden Mängelskandals in Fernost vorausgegangen. Daraufhin zog der damalige Großaktionär und strategische MMC-Partner Daimler-Chrysler die Reißleine. Die Deutschen stellten alle finanziellen Hilfen ein und zogen ihre Sanierungsmannschaft aus Tokio ab.
Mehrere neue Modelle
Seitdem taumelt MMC am Abgrund. Der Absturz ist nur durch einen eiligst aufgestellten eigenen Rettungsplan sowie die finanzielle Hilfe der Unternehmen des weitverzweigten Konglomerats verhindert worden. Auch diesmal stehen dem angeschlagenen Autobauer Firmen wie die Mitsubishi-Tokyo-Finanzgruppe, das Handelshaus Mitsubishi Corp. und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bei. Sie werden dem Autobauer frische Mittel von 270 Milliarden Yen (2 Milliarden Euro) bereitstellen. Im Gegenzug erhalten sie MMC-Vorzugsaktien. Mitsubishi Heavy, aus dem MMC 1970 hervorgegangen war, wird seinen derzeitigen Chairman Nishioka zu MMC schicken und seinen Anteil an stimmberechtigten Aktien von knapp 10 auf 15 Prozent erhöhen. Gleichzeitig fällt der Anteil von Daimler-Chrysler unter die heutigen 24 Prozent.
Darüber hinaus wurden für MMC neue Kreditlinien im Wert von weiteren 2 Milliarden Euro eröffnet. Auch werden in den kommenden Wochen Altschulden in Höhe einer halben Milliarde Euro in Eigenkapitalanteile umgewandelt. Mit diesem Finanzmanöver sowie einer überarbeiteten Produkt- und Geschäftsstrategie wird für 2006 anvisiert, einen Nettogewinn von 8 Milliarden Yen (60 Millionen Euro) und im darauffolgenden Jahr von 41 Milliarden Yen (300 Millionen Euro) auszuweisen. Dabei sollen in zwei Jahren international 1,5 Millionen Autos abgesetzt werden. In diesem Jahr werden 1,3 Millionen Einheiten verkauft. Künftig stehen geländegängige Fahrzeuge im Mittelpunkt der Produktstrategie. Auch bringt MMC eigenen Angaben nach in den kommenden Monaten mehrere neue Modelle heraus.
Die Aktie verliert zwei Prozent
Um die Kapazitäten besser auszulasten, wird es sich stärker als bisher als Auftragsfertiger verstehen. So soll unter anderen für Marken wie Nissan oder Peugeot-Citroën produziert werden. Mit den Franzosen wollen die Japaner Anfang Februar einen Vertrag unterzeichnen. Weitere Kooperationen könnten folgen.
Unbenommen dessen will MMC auch in Zukunft global aufgestellt sein. Von keinem der großen Märkte gebe es einen Rückzug, hieß es. In Amerika werden Teile der in den vergangenen Jahren ausgereichten und heute als problematisch geltenden Kundenkredite an das Bankhaus Merrill Lynch abgetreten. In Europa und in China peilt MMC an, seine bereits erzielten Gewinne zu erhöhen. In Japan versucht es, das angekratzte Image aufzupolieren. An der Börse wurden die angekündigten Pläne vorsichtig aufgenommen. Der Aktienkurs gab zwei Prozent nach.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,08 | −1,01% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2448 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,48 $ | −1,28% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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