20.05.2005 · Eckhard Cordes, der neue Mann an der Spitze von Mercedes, über die Rückrufaktion bei der Kernmarke, die Zukunft von Smart und Maybach und anspruchsvolle Ziele bei Daimler-Chrysler.
Qualitätsprobleme, Gewinneinbruch, schleppende Nachfrage: Eckhard Cordes, der neue Chef der Mercedes Car Group, kämpft an vielen Fronten, um die Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach aus der Krise zu führen.
Das Rüstzeug bringt der 55 Jahre alte Manager mit. Cordes gilt als "Schrempps Mann für schwierige Fälle". Bevor er im Oktober an die Spitze von Mercedes berufen wurde, hatte er das verlustreiche Lastwagengeschäft saniert. Jetzt muß er nicht nur das Image von Mercedes wieder aufpolieren, sondern auch die Profitabilität steigern. Cordes hat eine Qualitätsoffensive angekündigt und will, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, nicht notwendige Kosten in den Fahrzeugen abbauen. Am sehr ambitionierten Ziel einer Umsatzrendite von 7 Prozent hält er fest.
Herr Cordes, der heutige Volkswagen-Vorstand Wolfgang Bernhard soll Mercedes als Sanierungsfall bezeichnet haben. Hat er Ihnen damit den Weg bereitet?
Unabhängig davon, was Herr Bernhard gesagt haben soll, ist es meine Aufgabe, die Mercedes Car Group zur unumstrittenen Nummer eins zu machen. Dabei kann ich voll auf unsere Mitarbeiter bauen: Wir haben eine hervorragende Mannschaft, in der enormes Potential steckt.
Heißt das, Sie wollen BMW bei der Rendite überholen?
Der Beste zu sein bedeutet mehr, als eine gute Rendite zu haben. Da geht es um das gesamte Image. Dazu gehören vor allem auch attraktive Produkte mit einer Top-Qualität, hochmotivierte Mitarbeiter und eine exzellente Führung - mit klar definierten gemeinsamen Zielen. Und auf die Frage: Welches Auto würden Sie gern fahren? sollen möglichst viele Menschen "Mercedes" antworten.
BMW hat heute schon eine Umsatzrendite von 7 Prozent, und Sie wollen diesen Wert bis 2007 erreichen. Selbst das halten manche Experten für zu ambitioniert.
Ich bleibe bei diesem Ziel! Ziele müssen anspruchsvoll sein.
Für dieses Ziel wollen Sie drei Milliarden Euro einsparen. Wie weit sind Sie damit?
Mit unserem Ergebnisverbesserungsprogramm "Core" sind wir für 2005 im Zielkorridor. Ich gehe davon aus, daß wir Ende Juli mehr über die ersten Erfolge berichten können. Wir haben mehrere Arbeitspakete definiert, vom Produktportfolio über die Materialkosten und die Produktivität in den Fabriken bis zu allgemeinen Verwaltungskosten. Da solche Programme leben, haben wir jetzt auch Smart als weiteres Arbeitspaket dazugenommen. Insgesamt wollen wir eine Ergebnisverbesserung von drei Milliarden Euro erzielen. Intern streben wir deshalb Ergebnisverbesserungen von vier Milliarden Euro an, denn alle Erfahrung zeigt, daß 20 bis 25 Prozent der geplanten Maßnahmen nicht realisiert werden können. Denn so etwas läuft niemals so, daß man am Schreibtisch sitzt und sagt: So, jetzt sparen sie 8,9375 Prozent Kosten.
Wo, in welchen Bereichen sind Sie schon fündig geworden?
Ich greife nur ein Beispiel heraus: Wir gehen kritisch durch alle Produktprojekte. Jetzt haben wir entschieden, einen sportlichen Geländewagen unterhalb der M-Klasse zu bringen. Dafür werden wir andere Projekte nicht realisieren oder weiterführen: Der ursprünglich geplante McLaren-Sportwagen P8, aber auch der Smart Formore kommen nicht, der Smart Roadster wird eingestellt.
Stehen weitere Modelle zur Disposition?
Das werden wir zu gegebener Zeit entscheiden und mitteilen. Grundsätzlich sind wir mit unserer aktuellen Modellpalette sehr gut aufgestellt. Uns geht es darum, Komplexität dort zu reduzieren, wo es für den Kunden nicht spürbar ist und sich in niedrigeren Kosten ausdrückt. Außerdem standardisieren wir bei Komponenten. Eine perfekte Klimaanlage kann durchaus in ihrer Grundkonzeption bei verschiedenen Modellen gleich sein. Der sportliche Geländewagen, der 2008 anläuft, ist das erste Auto, das in seiner Kostenstruktur die eingeleiteten Maßnahmen vollständig reflektiert.
Steht Ihrem Kostensenkungsprogramm die noch von Ihrem Vorgänger Jürgen Hubbert ausgehandelte Job-Garantie bis 2012 im Weg?
Wir haben einen zukunftsweisenden Vertrag abgeschlossen. Teil dieses Vertrags ist, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Wir nutzen eine Vielzahl von Flexibilisierungsinstrumenten und können in jedem Fall auf sozialverträgliche Art reagieren. Es bleibt aber unser Ziel, die Produktivität weiter deutlich zu steigern.
Die Zeiten sind schlecht, um mehr Autos zu verkaufen.
Das Jahr 2005 ist für uns ein außergewöhnliches Jahr. Wir haben vier Produktanläufe oder fünf, wenn Sie die A-Klasse aus dem vorigen Winter noch mitrechnen. Trotz der Aus- und Anläufe gehen wir weiter davon aus, daß wir mit den Stückzahlen in der Mercedes Car Group über dem Vorjahreswert liegen. 2006 sind wir in einer ausgezeichneten Lage: Dann sind unsere Produkte im Durchschnitt nur zweieinhalb Jahre alt.
Die C-Klasse aus dem Jahr 2000 läuft aber jetzt schon schlecht und wird vom neuen 3er BMW abgehängt....
... die C-Klasse ist im April das bestverkaufte Premium-Automobil seiner Klasse gewesen.
Bei der E-Klasse sieht es aber schlecht aus?
Die E-Klasse ist derzeit weltweit die Nummer zwei in ihrem Premium-Segment. Wir machen sie gerade durch eine komplett neue Aggregate-Palette noch attraktiver. Es gibt einen neuen, hervorragenden Antriebsstrang für den Diesel und den Benziner. Das Auto wird von innen heraus komplett neu. Daß in einer solchen Phase mancher Verkäufer dem Kunden rät, noch ein paar Monate zu warten, ist klar. Da finden Sie mich in einer völlig entspannten Situation.
Aber am Stammtisch heißt es, daß die Qualität nicht stimmt.
Es gab Beanstandungen bei bestimmten Typen bei einigen Elektronik-Komponenten. Bei diesem Thema haben wir alle zusammen, auch andere Hersteller und Zulieferer, eine Zeitlang die Komplexität unterschätzt. Wir haben an dieser Stelle hart gearbeitet und die notwendigen Maßnahmen umgesetzt. Das Thema Qualität bleibt jedenfalls Chefsache.
Ist der Rückruf von 1,3 Millionen Fahrzeugen nicht schlecht fürs Image?
Das sehe ich ganz anders - langfristig wird dadurch Vertrauen gestärkt. Auch ein Rückruf ist der Beweis dafür, wie ernst wir es mit unserem Qualitätsversprechen nehmen. Unsere Produktqualität ist absolut in Ordnung, was unsere Bänder verläßt, ist Mercedes-Qualität. Sie werden die Fortschritte bald in Statistiken sehen. In der ADAC-Pannenstatistik zum Beispiel sind wir vorn. Und bei der gerade veröffentlichten JD-Power-IQS-Studie in den Vereinigten Staaten haben wir uns zum Beispiel von Rang 10 auf Rang 5 verbessert. Hier sind wir auf dem richtigen Weg.
Wie stellen Sie sicher, daß auch bei den Zulieferern die Qualität stimmt? Müssen Sie dort stärker kontrollieren?
Wir werden zu neuen Formen der Zusammenarbeit kommen, die besonderen Wert auf eine integrierte Entwicklung legt. Das heißt, das Auto muß als Ganzes gesehen werden. Ingenieure aus unserem Hause arbeiten beim Lieferanten in gemischten Teams. Teilweise werden sogar die Sublieferanten noch mit einbezogen. Mit Kontrolle hat das nichts zu tun.
Die Zulieferer stehen bekanntlich unter gewaltigem Kostendruck, der sich jetzt durch die hohen Stahlpreise noch verschärft hat. Volkswagen will nun Stahl für die Zulieferer in China einkaufen. Ist das auch ein Modell für Mercedes?
Überall, wo wir unseren Lieferanten helfen können, werden wir das auch tun.
Also: Kaufen Sie Stahl für die Zulieferer, oder zahlen Sie ihnen einen Materialteuerungszuschlag?
Sie werden verstehen, daß ich Ihnen solche wettbewerbsrelevanten Informationen nicht geben kann.
Reden wir über neue Autos. Im Herbst kommt die neue S-Klasse...
...ein ganz faszinierendes Auto.
Sehen das auch die Kunden so? Werden Sie damit den Lexus in Amerika überholen?
Unser vorrangiges Ziel ist es nicht, stückzahlmäßig über dem Wettbewerb zu liegen. In der Branche und bei den Kunden wird die S-Klasse als Maßstab in diesem Segment gesehen. Die neue S-Klasse wird diese Einschätzung bestätigen.
Und Maybach?
Ich bin ein bekennender Maybach-Fan. Mit dem Maybach 57 S, der im September auf den Markt kommt, werden wir ein Luxusautomobil haben, das an Faszination nicht zu überbieten ist. Nach nur drei Jahren sind wir heute auf Augenhöhe mit einem Wettbewerber, der hundert Jahre Tradition hat.
Letzte Frage: Was wird aus Smart?
Wir liegen mit unserem Restrukturierungsprogramm voll im Plan. Der Nachfolger des Fortwo wird 2007 kommen. Nach dem Erfolg in Kanada überlegen wir, ob wir diesen auch in den Vereinigten Staaten einführen. Das ist aber noch nicht entschieden. Der Forfour wird sich weiter seines Lebens erfreuen.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.238,10 | −0,24% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 120,48 $ | +0,36% |
| Gold | 1.713,00 $ | −1,15% |
| Bund Future | 138,72 € | −0,24% |