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Automobile Lockangebote locken nicht mehr

22.12.2004 ·  Von Peugeot gibt es Weihnachtsgeld, Renault gewährt Kinderrabatt, VW zahlt 1000 Euro Spritgeld - ohne Rabatt lassen sich Autos kaum noch verkaufen. Den Herstellern drohen Marktanteilsverluste und Löcher in den Kassen.

Von Rüdiger Köhn
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Von Peugeot gibt es Weihnachtsgeld. Der französische Autohersteller hat sich für den deutschen Markt etwas einfallen lassen, was in die Zeit paßt: Er bietet jedem Käufer einen Rabatt von 4320 Euro auf den Listenpreis für ein „sofort lieferbares Auto" an. Peugeot trifft damit nicht nur den Nerv mancher Konsumenten, die in diesem Jahr mit weniger oder gar keinem Weihnachtsgeld auskommen müssen. Mit der Aktion ist der Einfallsreichtum der Anbieter um eine weitere Facette bereichert worden, um Autos unter die Leute zu bringen.

Konkurrent Renault hat in den vergangenen Monaten mit der inzwischen beendeten Aktion „Rackerwochen" gelockt: Je mehr Kinder der Kunde hat, desto größer ist der Preisnachlaß; 10 Prozent für ein Kind, 16 Prozent für vier Kinder. Aktuell bietet die französische Marke für Sondermodelle Nachlässe bis zu 4500 Euro (für den Laguna-Kombi) an.

1000 Euro Spritgeld

Opel offeriert Autos mit Zugaben von Sonderausstattungen zwischen 1600 Euro (Meriva) und 5000 Euro (Zafira) an. Die zu General Motors gehörende krisengeschüttelte Tochtergesellschaft aus Rüsselsheim - derzeit mit dem geplanten Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen oft genug in den Schlagzeilen - hat bereits im vergangenen Jahr mit einem Frühbucherrabatt für den neuen Kompaktwagen Astra noch vor dem Marktstart ein Novum eingeführt. Dieser Frühbucherrabatt geht nun in die dritte Runde: Nach dem Astra Caravan im Frühherbst können Frühbucher auch für das Astra Coupé (GTC) Sonderausstattungen im Wert von rund 1000 Euro ohne Aufschlag einstreichen.

Die Schwestergesellschaft Daewoo, die künftig unter dem GM-Dach unter Chevrolet fährt, hat jüngst beim Autokauf einen Verrechnungsscheck im Wert von 500 Euro beigelegt. Damit hat der Kunde mehr Freiheiten als etwa die 1000 Euro Spritgeld, die ein VW-Händler im Sommer für den neuen Golf V angeboten hatte. Oder etwas ganz anderes: Für eine Probefahrt hat Smart 25 Euro gezahlt, bei Ford gab es einen Fifa-Fußball, und Fiat-Händler lieferten einen Weihnachtsbaum frei Haus.

Rabatt gibt's nur für Autos aus dem Bestand

Die Liste der Lockangebote läßt sich beliebig für nahezu alle Automarken fortsetzen, um den müden und zögernden Kunden in Deutschland zum Kauf zu motivieren. Neu und symptomatisch für die Branche ist an dem Weihnachtsgeld-Angebot von Peugeot, daß das Unternehmen so noch bis Jahresende gezielt die vollen Höfe der Autohändler lichten will: Denn der Rabatt gilt nur für Autos aus dem Bestand.

Trotz starker Kaufanreize ist die Nachfrage der privaten Käufer stark rückläufig. Dadurch ist auch der Autobestand bei den Händlern deutlich gestiegen, vor allem bei den Importmarken, aber mittlerweile auch bei deutschen Fabrikaten.

„Kaufanreize treiben merkwürdige Blüten"

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat einen hohen Bestand registriert, weniger bei den Herstellern als vielmehr bei den Händlern. Der müsse bis Jahresende abgebaut werden, sagte jüngst VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Er rechnet daher mit einer rückläufigen Produktion der Hersteller, um so die Produktion und den vorhandenen Bestand zu „optimieren" sowie die Kapitalbindung zu senken. Die vollen Ausstellungsflächen der Händler resultieren nicht zuletzt aus der nach wie vor hohen Zahl der Tageszulassungen, mit denen die Optik der Marken in der Absatzstatistik geschönt wird. Dadurch allerdings verliert ein Auto mit einer Kurzzulassung schnell an Wert.

Für Gottschalk treiben die Kaufanreize etwa mit der Bemessung der Rabatthöhe nach der Kinderzahl „merkwürdige Blüten". Die würden sich vom Argument der Werthaltigkeit eines gekauften Autos immer weiter entfernen. „Der Einfallsreichtum auf diesem Sektor ist nicht mehr zu toppen", sagt der VDA-Präsident. Und er hofft, daß dieser bald erschöpft ist. Danach aber sieht es nicht aus.

Im Schnitt 2780 Dollar Nachlaß

Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule Nürtingen erwartet, daß auch 2005 das Rabattniveau hoch bleiben wird. „Der Angebotsdruck bleibt bei allen Herstellern groß, da sie ihre Absatzziele erreichen wollen", sagt er. Für Diez hat sich der durchschnittliche Rabatt je Fahrzeug mittlerweile auf 2500 bis 3000 Euro erhöht. Ebenso rechnen die Analysten von Morgan Stanley mit einem beschleunigten Preisrückgang in Europa. Dieser würde - zusammen mit einigen Modellneuheiten - eine „ästhetische Unterstützung" für die zunehmende Nachfrageschwäche bieten, in Deutschland wie in Westeuropa insgesamt.

Der Blick auf den amerikanischen Markt zeigt indes, daß solche Kaufanreize an Wirksamkeit verlieren. Die Intensität der Rabattschlachten, die vor einigen Jahren nach Deutschland übergeschwappt war - als Folge eines Nachfrageeinbruchs von 15 Prozent seit dem Jahr 2000 - , hat in den Vereinigten Staaten nicht nachgelassen. Morgan Stanley hatte für den Monat Oktober einen durchschnittlichen Nachlaß von rund 2780 Dollar ermittelt mit den drei großen amerikanischen Anbietern General Motors (4000 Dollar), Chrysler (3600 Dollar) und Ford (3400 Dollar) an der Spitze.

Am Ende können Marktanteilsverluste stehen

Auch ausländische Marken, aus Deutschland wie aus Japan, können sich den Rabatten nicht vollkommen entziehen. Doch die amerikanischen Kunden lassen sich immer weniger von solchen Aktionen zum Kauf bewegen. Die Läger der Hersteller und die Höfe der Händler quellen über und haben Rekordhöhen erreicht.

Für VDA-Präsident Gottschalk sind die Signale aus den Vereinigten Staaten Warnung genug: „Strategien der exzessiven Rabattierung und Preiskriege sind der teuerste und letztlich wirkungslose Weg für Markteroberungen." Die großen amerikanischen Hersteller hätten ihre Marktanteile nicht ausbauen können. Selbst Null-Prozent-Finanzierungen würden nicht mehr angenommen. Am Ende gebe es beides - Marktanteilsverluste und gebeutelte Kassen für Hersteller und Händler.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2004, Nr. 299 / Seite 20
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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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